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    Würzburg

    Mit unglaublicher Herrlichkeit hat Gott Jesus verherrlicht

    Licht zur Erleuchtung der Heiden und Herrlichkeit für sein Volk: Die Sonntagslesung vom 02. Februar.

    Die vielen internationalen Krisen, Spannungen und Konferenzen haben uns in den letzten Wochen wieder vor Augen geführt, dass es eine große Sehnsucht nach einer einigenden Mitte gibt. Diese Einheit kann nur Jesus sein. Er ist Licht für die Völker und schenkt Israel die versprochene Herrlichkeit. Denn es gibt nur den einen Gott, und nur als dieser einzige ist er der Gott des Friedens. Es ist eben nicht Buddha oder Mohammed. Wer aus Gründen fragwürdiger Toleranz diese Namen sogleich neben den Namen Jesu stellt, hat schon einen neuen Krieg angezettelt. Nein, demütiger und machtloser kann kein anderer sein als der Gekreuzigte. Deshalb überbietet er nicht die anderen an Macht, sondern unterbietet sie in der Erniedrigung als menschgewordener Gott.
    Lukas nennt ganz oft je eine Frau und einen Mann, so etwa die Frau mit dem verlorenen Groschen neben dem Hirten mit dem verlorenen Schaf. So hier neben dem „Gerechten“ Simeon die „Prophetin“ Hanna.

    Wie auch andere Sterbegebete hat man den Hymnus des Simeon in das Stundengebet an der Schwelle der Nacht aufgenommen. Denn dieser Hymnus strahlt gelöste Abendstimmung aus, Erleichterung nach der Last des Tages und zugleich Freude darüber, dass der lange Weg zu einem Ziel gekommen ist. Das Leben und Warten Simeons war nicht sinnlos.

    Maleáchi 3, 1-4;
    Hebräer 2, 11-12.13c–18;
    Lukas 2, 22-40
    Zu den Lesungen des Festes der Darstellung des Herrn

    Und in der Komplet jedes Tages sagt dieser Hymnus: Jeder Tag ist einer, an dem wir Gottes Heil schauen durften, jedes Jahr seit Christi Geburt ist ein Jahr des Heils. Der Hymnus Simeons hat nur wenige Worte: „Nun kannst du, Herr, deinen Sklaven freilassen, denn dein Wort hat sich erfüllt und das Heil ist da. Jetzt sehe ich selber, wie du Erlösung gewirkt hast vor den Augen aller Völker. Um die Heiden zu erleuchten, hast du ein Licht angezündet und Israel, dein Volk, mit Herrlichkeit gekrönt.“ Simeon betrachtet sein ganzes Leben als Dienst. Jetzt ist es zum Ziel gekommen, jetzt wird der Sklave freigelassen. Wie in den Gleichnissen über Sklaven in der Verkündigung Jesu bestand der lebenslange Dienst darin, dass der Sklave allzeit bereit war. In den Gleichnissen spricht Jesus vom Wachen der Sklaven. Nun aber ist, wie es auch Gleichnisse oft sagen, der Herr gekommen und das Wachen hat ein Ende und das Warten, das Ausschau halten, so wie der Wächter aufs Morgenrot gewartet hat. Das griechische „in Frieden“ haben wir übersetzt: „... denn das Heil ist da!“. Die Zeit des Wartens ist der Stunde der Gewissheit gewichen. Das Morgenrot ist übergegangen in die Sonne des Tages. In diese Aussagen über Zeit passen die Bilder von Licht und Sehen hinein, und so redet Simeon von Licht und Augen, von Erleuchtung und Herrlichkeit.

    Dieser Hymnus ist der schönste Text über Israel, den das Neue Testament kennt, orientiert an der Sprache Jesajas, und genau abgestimmt zwischen Israel und den Heidenvölkern. Ein Licht ist angezündet, die Heiden zu leuchten, nämlich ihnen den Weg zu Gott zu weisen. Doch in der Aussage über Israel wird diese Licht-Aussage noch überboten: Israel wird durch den Messias mit Herrlichkeit gekrönt. Beides sind Licht-Aussagen, die Erleuchtung der Heiden wie die Herrlichkeit für Israel. Schatten und Nacht sind durch Jesus, die Sonne der Gerechtigkeit, überwunden. Nicht ohne Grund war Jesaja der mit Abstand beliebteste Prophet im Judentum zur Zeit des Neuen Testaments, wie besonders die Qumrantexte, vorab die Jesaja-Rolle zeigen. Denn in den prophetischen Aussagen Jesajas wird jener Friede verkündet, auf den wir bis heute so schmerzlich warten, der zwischen Israel und den Heidenvölkern. Immer wieder wird bei Jesaja die erwartete Figur des Heilands (des Messias oder des Gottesknechts) als Erfüllung des Bundes für das Volk und als Licht für die Heiden genannt.
    Doch hier, wo Israel und die Völker so eng beieinander genannt werden wie sonst nirgends, da lag es und liegt es für uns Christen nahe zu sagen: Diese Gestalt ist Jesus, der Messias selbst. Aber ist er nicht gerade zum hauptsächlichen Hindernis der Versöhnung zwischen Israel und den Völkern geworden? Lukas weiß darum, und deshalb sagt Simeon: „An diesem Kind werden dereinst in Israel viele so sehr Anstoß nehmen, so dass sie fallen. Für viele andere aber wird es eine Stütze sein, an der sie sich aufrichten können. An ihm werden sich die Geister derart scheiden, dass deutlich wird, wer ein jeder ist. Dein Herz aber wird von einem Schwert durchbohrt werden.“

    „Nun lässt Du, Herr,
    Deinen Knecht,
    wie Du gesagt hast, in Frieden scheiden.
    Denn meine Augen haben das
    Heil gesehen, das du vor
    allen Völkern bereitet hast.
    Ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
    und Herrlichkeit für Dein Volk Israel.“
    Lukas 2, 29ff.

    Jesus ist anstößig gewesen, und viele aus Israel sind an ihm regelrecht gescheitert. Dann folgt der Satz über die Schmerzen Mariens. Beides weist auf die Passion Jesu. Und wie immer ist das, was der Mutter widerfährt, nicht trennbar von dem, was für den Sohn gilt, und es weist auf den Sohn. Das galt bei der Seligpreisung Mariens genauso wie hier bei den Schmerzen. Maria steht als die leidende Mutter für das ganze Gottesvolk. Führt der Weg zur Versöhnung über den Blick auf ihre Schmerzen, über das Bild der Pietà?

    Simeon und mit ihm der Evangelist Lukas ist hier auf dem richtigen Weg. Für unsere Gegenwart formuliert heißt das: Deutlicher als alle übrigen Evangelisten stellt Lukas Jesus als den Leidenden, als den Märtyrer dar.

    Vielleicht können die nichtchristlichen Juden eines Tages sehen, dass Jesus von den Römern gekreuzigt wurde, weil Pilatus die Juden hasste. Das Kreuz ist ein Dokument des antiken Antijudaismus, denn nur die Römer durften die Todesstrafe vollziehen. Pilatus wollte den Juden zeigen, dass ihr König eben so war wie sie selbst– hilflos und ohnmächtig.

    Vielleicht können alle Juden eines Tages begreifen, dass Jesus so gelitten hat, wie auch sie es millionenfach mussten. Angesichts dieser Erkenntnis könnten sie sagen: Er ist einer von uns, er gehört in letzter Tiefe zu uns. Und er ist nicht exklusives Eigentum der Heidenvölker. Wer so gelitten und aus der Tiefe des Leidens zum Gott Abrahams geschrieen hat, der hat damit jeden Unterschied zwischen Juden und Heiden aufgehoben. So könnte die Passion Jesu der Weg sein, auf dem die Juden ihre enge Verbundenheit mit Jesus und mit allen Märtyrern erkennen könnten.  Und wenn dieser Schritt einst getan werden kann, dann kann doch die Prophezeiung Simeons in Erfüllung gehen: Er ist Licht zur Erleuchtung der Heiden und Herrlichkeit für sein Volk.

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