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    Würzburg

    Mission und Exorzismus: Jesus bricht die Macht Satans

    Im Evangelium verspricht der Herr seiner Kirche bestand. Doch zugleich trägt Jesus seinen Jüngern eine Aufgabe auf, die in Zeiten der Krise kaum noch beachtet wird: die Austreibung von Dämonen.

    das Rubens-Gemälde «Der auferstandene und triumphierende Christus».
    Zwei Männer betrachten das Rubens-Gemälde «Der auferstandene und triumphierende Christus». Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

    Am 2. Mai 2019 veröffentlichten das Forschungszentrum „Generationenverträge“ der Universität Freiburg, die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland eine Prognose für die Entwicklung der katholischen und evangelischen Kirche bis zum Jahr 2060. Nach dieser Studie wird die Zahl der Mitglieder in beiden christlichen Konfessionen ungefähr auf die Hälfte zusammenschmelzen. Lässt sich diese vorausgesagte Entwicklung umkehren? Schwester Lucia von Fatima macht mit ihrer Voraussage vom 19. März 1940 Hoffnung: „In meinen armseligen Gebeten vergesse ich nicht Deutschland, es wird noch in den Schafstall des Herrn zurückkehren; dieser Augenblick nähert sich langsam, sehr mühsam, aber er wird schließlich eintreffen, und die Herzen Jesu und Marias werden dann mit Glanz herrschen.“

    Jesaja 66,10-14
    Galater 6,14-18
    Lukas 10,1-20

    Natürlich ist niemand gehalten, Ankündigungen mystischen Ursprungs Glauben zu schenken, wohl aber den Worten des sonntäglichen Evangeliums. Dort findet sich ein Programm für das Wachstum der Kirche: Jesus sendet 72 Jünger aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes anzukündigen. Sie bringen die Gabe des Friedens und treiben böse Geister aus. Diese vorösterliche Aussendung bereitet bereits die missionarische Arbeit vor, zu der Christus der Auferstandene seine Apostel beauftragen wird.

    Ein besonderer Nachdruck liegt im Evangelium auf einem Punkt, an den wahrscheinlich niemand der Damen und Herren denkt, die sich in bischöflichen und landeskirchlichen Behörden über die Zukunft des Christentums den Kopf zerbrechen: die erfolgreiche Austreibung böser Geister. „Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen.“ Daraufhin spricht Jesus über die Brechung der teuflischen Macht mit einem eindrucksvollen Bild: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden.“

    Kampf gegen Satan oder Anpassung an die Welt?

    Die Überwindung des Teufels und der mit ihm verbundenen bösen Geister ist ein zentrales Anliegen Jesu, das uns in den Evangelien immer wieder vor Augen tritt. Das war keine Abhängigkeit vom „Zeitgeist“, der auch die Existenz von Dämonen ablehnen konnte (wie die Priesterkaste der Sadduzäer und die griechischen Materialisten) oder der ganz andere Vorstellungen hatte (die Rabbinen hielten Dämonen nicht unbedingt für böse). Die Gegnerschaft zum Satan, der die Menschen auf den breiten Weg zum ewigen Verderben treibt, gehört zum Kern der Sendung des Sohnes Gottes. Manche Ratgeber der deutschen Kirche hingegen sehen die Zukunft des Christentums darin, möglichst gleichförmig zu werden mit dem „breiten Weg“ der Menschen, die von Gott getrennt sind, um sich der „Welt“ anzupassen.

    Hilfreich scheint hier eine Beobachtung des liberalen protestantischen Dogmengeschichtlers Adolf von Harnack, der sich ausführlich mit der Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten beschäftigte. Von Harnack selbst glaubte zwar weder an die Gottheit Christi noch an die Existenz des Teufels, beschrieb aber aufgrund der alten Quellen die geschichtlichen Fakten: „Als Dämonenbeschwörer sind die Christen in die große Welt eingetreten, und die Beschwörung war ein sehr wichtiges Mittel der Mission und Propaganda“. Und Otto Böcher schreibt: „Der Exorzismus ist einer der Hauptgründe für den Erfolg der urchristlichen und altchristlichen Mission.“

    Dämonenaustreibungen als stärkende Zeichen Gottes

    Ein anschauliches Beispiel dafür findet sich in dem Werk des Apologeten Minucius Felix, der in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts eine Wirklichkeit zutage bringt, die auch heute wieder stärker zum Vorschein kommt. Nach der Beschreibung verschiedener okkulter Phänomene der heidnischen Religion heißt es: „Wie die meisten von euch wissen, geben die Dämonen das alles über sich auch selbst zu, sooft sie von uns mit der Folter der Beschwörung und der Glut unserer Gebete aus den Leibern getrieben werden. Selbst Saturn und Serapis und was ihr sonst noch an Dämonen verehrt, müssen, überwältigt von Schmerz, ihr wahres Wesen erkennen … So glaubt doch wenigstens auf ihr eigenes Zeugnis hin, … dass sie Dämonen sind! Denn werden sie beim wahren und einzigen Gott beschworen, so erschauern die Armseligen wider Willen in den Leibern und fahren entweder sofort aus oder verschwinden allmählich, je nachdem, ob der Glaube des Kranken mithilft oder die Gnadenkraft des Heilenden fördernd einwirkt. Deshalb fliehen sie auch aus der Nähe eines Christen, von weitem aber verfolgen sie durch euch die Christen in ihren Versammlungen. So … verstocken sie die Herzen, damit die Menschen uns schon hassen, noch ehe sie uns kennen …“ (Octavius 27, 5–8).

    Wüssten die dafür Verantwortlichen um die Bedeutung dieses Dienstes der Befreiung von bösen Mächten, dann bräuchten wir nicht seit 20 Jahren darauf warten, dass der 1999 neu gefasste Ritus des Exorzismus ins Deutsche übersetzt wird. Das frühe Christentum hat sich deshalb trotz grausamer Verfolgungen ausgebreitet, weil die Christen von Gott durch Zeichen gestärkt wurden. Das erste der „Zeichen“, die Jesus im missionarischen Schluss des Markusevangeliums für die Glaubenden aufzählt, lautet: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben …“ (Mk 16, 17). Wenn hingegen deutschsprachige Prälaten für einen Neuaufbruch der Kirche ausgerechnet Schamanen aus dem Amazonas zum Vorbild nehmen, die Dämonen nicht als Feinde, sondern als Freunde betrachten, dann hat sich Christentum in Heidentum verwandelt.

    Die sonntäglichen Lesungen bieten zu dieser trüben neopaganen Zukunftsperspektive eine Alternative: „mütterlicher“ Trost und Friede kommt von „Jerusalem“, dem alttestamentlichen Vorausbild der Kirche (Jesaja); Friede, Erbarmen und Sieg kommen uns durch das Kreuz Gottes, durch das wir der „Welt“ „gekreuzigt“ sind (Paulus) und das wir nicht ablegen oder aus dem öffentlichen Leben ausgrenzen sollten; trotz aller Bedrängnis dürfen wir uns, wenn wir Christus und der wahren Kirche treu bleiben, darüber freuen, dass unsere „Namen im Himmel verzeichnet sind“ (Lukas).

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