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    Würzburg

    Erleuchtet durch Feuer und Taufe: Von der Nachfolge Christi

    Die Sonntagslesung vom 18. August

    Am 11. September 2001 fanden – allen Amerikanern als „Nine Eleven“ in Erinnerung – die Anschläge des islamistischen Terrornetzwerkes al-Kaida auf das World Trade Center in New York und auf das Pentagon in Arlington bei Washington statt, die nahezu dreitausend Todesopfer forderten. Seitdem wird mehr als zuvor nach dem Zusammenhang von Religion und Gewalt gefragt. Universitäten veranstalten Kolloquien, Publikumsjournale und wissenschaftliche Zeitschriften bringen Beiträge dazu, und auch auf politischen Foren wird die Frage erörtert, ob Glaube und Religion Gewalt und Unfrieden bedeuten und deshalb gesellschaftlich gefährlich sind. Dabei gerät auch das Christentum in den Blick. Man spricht – zumeist ohne die Kenntnis des Historikers und ohne Beachtung der zeitgenössischen Umstände und Wertkategorien – über die Kreuzzüge seit 1096, über die Inquisition seit 1184 und besonders in Spanien seit 1478 oder über die Hexenverfolgungen vor allem seit etwa 1484.

    Jeremia 38,4-10
    Hebräer 12,1-4
    Lukas 12,49-53
    Die Lesungen des 20. Sonntags im Jahreskreis

    Wie passt das zusammen mit einem Verständnis, das im christlichen Glauben eine Religion des Friedens sieht? Wie mit den Worten Jesu aus der Bergpredigt: „Selig, die keine Gewalt anwenden“ und „Selig, die Frieden stiften“ (Matthäus 5, 5.9)? „Frieden“ – griechisch „eirene“ – ist eines der wichtigsten Bedeutung tragenden Wörter in den Evangelien und im Neuen Testament. Aber bedeutet es immer das Gegenteil von Krieg – griechisch „polemos“ – oder Streit? Und wie ist es mit dem Jesuswort „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt“ (Johannes 14, 27).

    Anders als in der deutschen Übersetzung steht hier im griechischen Urtext nicht dreimal „Frieden“, sondern nur zweimal „eirene“, während das Wort „eirene“ für Frieden nach Art der Welt nicht vorkommt; es heißt nur: „ou kathos ho kosmos didosiv ego didomi hymin“, „nicht was die Welt gibt, gebe ich euch“. Es gibt einen Frieden der Welt, der jederzeit in Krieg umschlagen kann, und einen Frieden Gottes. Doch auch dieser hat zwei Seiten. Die eine Seite ist die, dass er uns „Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn“ – „eirene pros ton theon dia tou kyriou hemon Iesou Christou“ – (Römer 5, 1) finden lässt.

    Die andere Seite begegnet uns bei Lukas: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, ich sage euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.“ Noch deutlicher klingt das bei Matthäus: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Matthäus 10, 34).

    Jesus tritt hier dem Irrtum entgegen, dass sein Kommen in die Welt Frieden schafft. Sein Kommen und sein Ruf in die Nachfolge bringen Zwietracht und Spaltung. Der eine ist für ihn, der andere gegen ihn. „Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter“ (Matthäus 10, 35). Das sagt er mit Worten des Propheten Micha (Micha 7, 6). Und so ist es ja auch heute noch: Wenn einer zum Glauben an Jesus Christus findet, kehrt nicht Frieden ein in die Familie, sondern Spaltung. Also doch: Glauben und Religion als Ursprung von Unfrieden? Auch der christliche Glaube? Das könnte man auch meinen, wenn man liest: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“

    Der Getaufte hat Anteil am Kreuz Christi

    Aber in welcher Beziehung stehen hier Feuer und Taufe, von der auch die Rede ist? Bei Jesu Taufe sagt Johannes der Täufer zu dem Volk: „Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Lukas 3, 16). Aber das ist nicht gemeint.“ Das Feuer könnte auch die Flamme des Glaubens sein wie bei den Emmausjüngern – „Brannte uns nicht das Herz in der Brust“ (Lukas 24, 32) –, oder das Feuer des Gerichts wie bei den Propheten des Alten Testaments (Amos 5, 6; 7, 4; Jeremia 5, 14; Ezechiel 38, 22).

    Verständlich wird der Zusammenhang von Feuer und Taufe, wenn man Taufe weder als christliche Taufe noch als Taufe Johannes des Täufers versteht, sondern wie das Pauluswort „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ (Römer 6, 3). Damit werden Feuer und Taufe gleichgesetzt und die Taufe als Teilhabe an der Passion – oder Verfolgung – Jesu herausgestellt; ähnlich auch bei Markus: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ (Markus 10, 38).

    Der Frieden, den Jesus bringt und der auf dieser Welt Zwietracht und Spaltung bewirkt, zeigt uns diejenigen, die ihm nachfolgen, also nicht in der Rolle der Verfolger Anders- oder Ungläubiger – als Kreuzfahrer, Inquisitoren und Hexenverfolger –, sondern in der Rolle der Verfolgten, wie bei Matthäus: „Ich schicke euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und auspeitschen. Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt“ (Matthäus 10, 16f.19).

    Solche Zeugen, die vor den Heiden Zeugnis ablegen (Matthäus 10, 18), meint der Hebräerbrief mit der „Wolke von Zeugen“ und mit der Verheißung, dass sie trotz aller Spaltungen und Zwietracht, die der Wettkampf bringt, mit dem er das Leben im Glauben vergleicht, „nicht ermatten und den Mut nicht verlieren“. Um Verfolgung geht es auch beim Propheten Jeremia. Zedekia, der König von Juda, hatte in einer für das Volk überlebenswichtigen politischen Frage Jeremias' Rat gesucht und dessen Fürbitte bei Gott erbeten, dann aber auf andere gehört. Jeremia wurde in den Kerker geworfen und sollte auf Betreiben dieser schlechten Ratgeber getötet werden. Doch fand sich ein Fürsprecher, so dass Jeremia gerettet wurde, bevor sich mit der babylonischen Eroberung Jerusalems sein Rat, hinter dem Gott stand, als richtig erwies.

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