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    Würzburg

    Durch den Glauben sind wir gerettet

    Christen sind durch Taufe und Firmung zur Mission gesandt. Die Sonntagslesung vom 20. Oktober.

    „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“

    Diese Frage steht am Ende des sonntäglichen Evangeliums. Bei den Worten Jesu über die Endzeit finden wir an mehreren Stellen die Voraussage einer großen Drangsal für die Gläubigen und auch Hinweise auf einen massenhaften Glaubensabfall. Besonders deutlich ist hier die Endzeitrede bei Matthäus: „Viele falsche Propheten werden auftreten, und sie werden viele verführen. Und weil die Missachtung von Gottes Gesetz überhand nimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten. Wer jedoch bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet“ (Mt 24,11-13).

    Im Laufe der Kirchengeschichte gab es verschiedene Perioden und Gegenden, in denen Massen von Menschen vom Glauben abfielen. Verantwortlich waren dafür falsche Propheten, oft aber auch das Versagen von Menschen innerhalb der Kirche selbst. Ein besonders schlimmer Abfall vom Glauben und vom Leben der Kirche hat sich, wie wir alle wissen, in den letzten Jahrzehnten ereignet, vor allem in den Ländern der westlichen Welt.

    Ein Zeichen dafür ist der Besuch der Sonntagsmesse: während vor 60 Jahren in der Regel in Europa die Mehrzahl der Katholiken an der Messfeier teilnahm, handelt es sich mittlerweile um eine Minderheit (im deutschen Sprachraum um die 10 Prozent, mit weiter fallender Tendenz). Negative Statistiken dieser Art sind eine Versuchung, sich gewissermaßen in einen Schmollwinkel zurückzuziehen und die eigenen Wunden zu lecken. Demgegenüber sind die sonntäglichen Lesungen wie eine kräftige Vitaminspritze, die uns neuen Schwung gibt und uns einlädt zu einem neuen Aufbruch.

    Dass es Abfall vom Glauben geben wird, hat schon Jesus selbst vorausgesagt. Er hat aber auch angekündigt, dass keine Macht dieser Welt den Glauben an ihn zerstören kann. Unmittelbar nach dem zitierten Hinweis, wonach die Liebe bei vielen erkalten wird, heißt es: „Aber dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören; dann erst kommt das Ende“ (Mt 24,14). Jesus hat auch verheißen, dass die Mächte der Unterwelt niemals die Kirche zerstören werden, die auf den Felsen Petri gebaut ist (Mt 16,18). Gewiss: gleich danach hat Jesus dem Petrus die Worte entgegen geschleudert „Weg von mir Satan!“, weil der Erste unter den Aposteln den Herrn von seinem Weg des Leidens abhalten wollte, der zur Erlösung führt. Petrus hat danach sogar den Herrn verleugnet, aber sich dann bekehrt. Paulus musste ihn öffentlich zurechtweisen, um das Evangelium zu schützen (vgl. Gal 2,11-14).

    Auch darin zeigte er seine Verbundenheit mit Petrus und sicherte den Felsen, auf den die Kirche gebaut ist. Die Zahl der Gläubigen mag sich vermindern, aber die Gemeinschaft der Kirche wird alle Stürme überstehen.

    Die Bedeutung des Glaubens wird unter den Lesungen besonders vom Apostel Paulus betont im Zweiten Brief an Timotheus. „Durch den Glauben an Christus“, so betont der Völkerapostel, „wirst du gerettet“. Der Glaube ist also notwendig für unser Heil. Natürlich gibt es auch Wege zum Heil für die Menschen, die ohne ihre eigene Schuld Christus und die Kirche nicht kennen, aber sich bemühen, im Geist der Liebe und mit dem Beistand des Heiligen Geistes den Willen Gottes zu erfüllen. Diese Menschen würden auch an Christus glauben und sich der Kirche anschließen, wenn die äußeren Bedingungen dafür gegeben wären. Hier handelt es sich um einen Glauben an Gott, in dem der Glaube an Christus gewissermaßen „eingeschlossen“ ist. Dafür gibt es den lateinischen Fachbegriff der „fides implicita“, des „eingeschlossenen Glaubens“.

    Wer freilich die Bedeutung des Glaubens an Christus erkennt, für den hängt das persönliche Heil vom ausdrücklich angenommenen Glauben ab, zu dem der gesamte Glaubensschatz der Kirche gehört. Dessen war sich John Henry Newman sehr bewusst, den Papst Franziskus am vergangenen Sonntag heiliggesprochen hat. Er hat sich als Anglikaner gefragt: Könnte ich in Ruhe sterben, wenn ich nicht zuvor katholisch werde? Es war ihm klar: es geht dabei um eine Frage des ewigen Heiles.

    Der Inhalt des Glaubens, in seinen wesentlichen Bestandteilen, ändert sich niemals. Jede Wesensänderung wäre ein Abfall vom Glauben, eine Irrlehre. Darum kann Paulus betonen: „Bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast.“

    Der Glaube, der uns rettet, ist freilich nicht nur das Für-wahr-Halten der in Christus geoffenbarten Wahrheit. Hinzukommen muss auch das Leben nach dem Glauben. Paulus spricht hier von dem „Glauben, der in der Liebe wirksam ist“ (Gal 5,6). Der Glaube führt dann auch zur Taufe, die jedwede Sünde vergibt und uns die Teilhabe am Leben Gottes schenkt. Am Ende des Matthäusevangeliums steht darum der Auftrag des auferstandenen Christus, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und sie zu taufen (Matthäus 28, 19).

    Dieser Auftrag der Mission, das heißt der „Sendung“, gilt auch für jeden von uns. Aufgrund der Taufe und der Firmung sind wir alle gesandt, das Licht Christi leuchten zu lassen und den Glauben, nach unseren je persönlichen Möglichkeiten, auszubreiten. Natürlich gibt es auch die besondere Sendung aufgrund der Weihe zum Diakon, Priester und Bischof. Die Kirche kennt obendrein den Beruf des Missionars, wenn Laien, Ordensleute und Priester sich der Ausbreitung des Glaubens in fernen Ländern widmen. Trotzdem hat jeder Christ einen missionarischen Auftrag, den Glauben an Christus in der Kirche auszubreiten.

    Wie können wir diesen Auftrag leben? Zunächst einmal sollten wir uns bemühen, die Haltung des Glaubens in uns zu stärken. Wichtig dafür sind das regelmäßige Gebet, die Teilhabe am Leben der Kirche (nicht zuletzt an der sonntäglichen Messfeier) und die dem Alter und der Verantwortung entsprechende Vertiefung der Wahrheiten des Glaubens.

    Sind wir mit der Heiligen Schrift vertraut und dem Katechismus? Halten wir eine gute katholische Zeitung, die uns hilft, den Glauben gegenüber Angriffen zu verteidigen? Suchen wir im Radio, im Fernsehen und im Internet nach Beiträgen, die uns im Glauben stärken? Lesen wir vielleicht gelegentlich Bücher, etwa über das Leben der Heiligen, welche uns die Schönheit des Glaubens vermitteln und die Begeisterung aus dem Glauben weitergeben? Sind wir nur „verschämt“ katholisch? Können wir (im guten Sinne) auch „unverschämt katholisch“ sein? In dem Sinne, dass wir die Feigheit überwinden, für unseren Glauben einzustehen?

    Das wichtigste Mittel für die Verbreitung des Glaubens, das schon den kleinen Kindern offen steht und sich auch noch für hundertjährige Greise im Altersheim anbietet, nennt die Lesung aus dem Buche Exodus: das andauernde Bittgebet:

    Die Israeliten gewinnen die Schlacht, solange Mose die Hände erhebt zum Gebet. Nach den Erfahrungen der Heiligen ist gerade das Rosenkranzgebet, zu dem die Kirche uns besonders im Oktober einlädt, eine machtvolle Waffe gegen die Angriffe des Bösen und eine große Kraft für die Ausbreitung des Glaubens. Wenn wir beten, wächst die Kirche.

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