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    Die Sonntagslesung: Mut zum öffentlichen Bekenntnis

    Maleachi 3, 19–20b; 2 Thessaloniker 3, 7–12; Lukas 21, 5–19 Die drei Texte schildern Endzeitgeschehen. Ein Satz aus Lukas fiel mir auf: „Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch sogar in den Tod schicken.

    Maleachi 3, 19–20b; 2 Thessaloniker 3, 7–12; Lukas 21, 5–19

    Die drei Texte schildern Endzeitgeschehen. Ein Satz aus Lukas fiel mir auf: „Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch sogar in den Tod schicken. Alle werden euch hassen wegen mir“. Der Verrat durch „Freunde“ aus Hass war in den vergangenen Monaten dieses Jahres zu beobachten. Ich meine damit die Meute „katholischer“ oder ehemals katholischer Journalisten, die sich befleißigten, gegen Papst und Kirche zu schreiben und die dabei vor keiner Grobheit zurückschreckten.

    Oft sind sie in einer katholischen Journalistenausbildung gewesen. Warum, so frage ich mich, sind sehr oft und bis hin zur Regelmäßigkeit ehemalige Katholiken die schärfsten Hasser? Man erkennt sie am Ton und daran, dass sie manche Fachausdrücke kennen, vor allem daran, dass ihnen ihr Hass keine Ruhe lässt. Diese ehemaligen Obermessdiener oder Pfarrjugendführer, die es manchmal bis zur Weihe gebracht haben, verstehen oft zu viel von der Sache, als dass sie schweigen könnten, und doch zu wenig, als dass sie über die Oberfläche hinaus vorgedrungen wären. Hass und Halbbildung kommen hier zusammen. Wirkliche Bildung macht bescheiden, Halbbildung macht ungeduldig. Man weiß zu viel, als dass man nicht mitreden wollte, und doch zu wenig, weil es trotz aller kritischer Aufbrüche nie zu einer Spiritualität gekommen ist, die diesen Namen verdient hätte. So fiel zum Beispiel die Äußerung: Der gegenwärtige Papst interessiert sich für Kirchenväter, und das spricht Bände. Natürlich gegen ihn, denn das ist der Unterton: Wie kann man sich nur als neuzeitlicher Mensch für Kirchenväter interessieren? Das ist doch widernatürlich! So wird das Volk durch angebliche Fachkundige auf dem Weg über die Medien ständig über die vermeintliche Wahrheit belehrt.

    Apokalyptisch ist daran, dass die Wahrheit bis zur Gänze verhüllt ist. Denn niemand mehr weiß wirklich Bescheid über den Glauben. Vor allem ist den angeblich gebildeten Fachleuten, den Professoren, nicht zu trauen, da sie häufig ihre subjektiven Einfälle mit der Lehre der Kirche verwechseln. Apokalyptisch ist daran, dass das Netz der Kirche, das so leicht zerstörbar ist, das die Menschen beieinander halten sollte, ohne Hemmung zerfetzt wird.

    Verdeckter Hass gegen das Christentum

    Vielleicht wollen manche auch nur „aus Verzweiflung“ die Kirche retten. Aber kann das geschehen, indem Theologen Stimmung machen gegen den Papst? Ist Protest gegen die Kirche ein Mittel der Reform? Ist enttäuschte Liebe, Umschlagen der Faszination in Totalkritik, weil niemand sonst übrig bleibt, den man kritisieren kann, der Weg der Erneuerung? Es gehört zur Vernebelung der Wahrheit, dass unter dem Deckmantel „kirchlicher Erneuerung“ sich infamer Hass gegen das Christentum selbst verbirgt. Jeder Kenner apokalyptischer Szenarien hätte damit rechnen müssen, dass so edle Dinge wie Erneuerung der Kirche oder „Wir sind die Kirche“ von den Mächten der Bosheit oftmals nur als trojanisches Pferd genutzt werden würden.

    Apokalyptisches Zeichen ist besonders die Verschlechterung der Situation des Glaubens, vor allem durch Hass. Gegenmittel: Jesus hat dieses, was sein wird, genau vorausgesagt. Denn so, wie das Verhältnis zwischen Gott und Welt nun einmal ist, muss alles so kommen. Denn bestimmte Reaktionen der Menschen können nicht ausbleiben. Und weil es sein muss, gilt die Tugend der Geduld. Es kann nicht anders sein, als dass die Gerechten verfolgt werden. Daher soll das niemanden wundern, und man muss wissen, dass es vorübergeht.

    Bedenken wir noch einmal diesen Punkt: Wie das Verhältnis zwischen Gott und Welt nun einmal ist, muss alles so kommen. Apokalyptik heißt: Anzunehmen, dass dieses Verhältnis immer schlechter wird, dass es auf eine Scheidung zuläuft, weil Gott und Unglauben (hier: Welt) es miteinander nicht mehr aushalten. Diese Scheidung heißt Gericht, denn zu Gott kommt dann das, was zu Gott gehört. Das Verhältnis zwischen Gott und ungläubiger Welt wird auch deshalb immer feindseliger und schlechter, weil man je länger desto weniger die Wahrheit zurückhalten kann. Je deutlicher die Konturen der Wahrheit werden, umso weniger kann man ihr ausweichen. Das schafft nicht unbedingt neue Freunde.

    Nun gibt es in der aktuellen Mentalität zwei gegenläufige Entwürfe von Geschichte. Nach dem ersten Entwurf, der vorherrschend ist, tendiert alles zu immer größerer Harmonie, zu Ausgleich, Frieden und Toleranz. Das Verschwinden des Ost-West-Gegensatzes hat dazu genauso beigetragen wie das Projekt „Weltethos“ und die Aura aller möglichen Gipfeltreffen. Selbst in Spanien und Irland bringt es der Zeitgeist daher zur Aufweichung ehedem klarer Positionen. Wer sich dem widersetzt, wie Benedikt XVI., gilt als wirklichkeitsfremd. Die biblische Position und die der üblichen christlichen Geschichtsbilder gehen dagegen aus von wachsenden Gegensätzen. Unter dem trügerischen Schleier von Harmonie und Frieden werden die Gegensätze zwischen Wahrheit und Verführung nur umso heftiger ausgetragen. Die Aggressivität des Bösen wird stärker, weil es am Ende doch ein Kampf ist und nicht einfach Frieden, ein Gericht und nicht einfach Vertuschung. Die Worte Kampf und Gericht mögen wir nicht hören, wir halten uns vielmehr heftig die Ohren zu. An dem Dominikaner Savonarola, den man einfach verbrannt hat, lässt sich das Schicksal solcher Wahrheitsapostel erkennen. Schon in der Antike hat man die Unglücksboten oft umgebracht, und deshalb hat Johannes der Täufer als Verkündiger des strengen Gerichts den Märtyrertod erlitten. Wehe einer sagt die Wahrheit über die staatlich finanzierten Abtreibungen in Deutschland, wehe einer sagt die Wahrheit über alles, was in Sachen Ehe und Sexualität der geheiligten „correctness“ widerspricht. Der oder die Betreffende ist dann „nicht mehr wählbar“, den Massen „nicht mehr vermittelbar“.

    Eine Entscheidung für Gott ist gemeint

    Apokalyptik – das bedeutet nicht in erster Linie Katastrophen für andere, sondern Stunde der Wahrheit und des Zeugnisses für diejenigen, die an Gott glauben. So schildern die Texte dieses Sonntags den Prozess der Klärung, in den wir hineinlaufen. Das kann man direkt als Gericht beschreiben, wie Maleachi es tut, oder als Durststrecke des Zeugnisgebens, wie Jesus es nennt. Eine der möglichen Konsequenzen wäre die Resignation. Jedenfalls hat man schon im zweiten Jahrhundert nach Christus das dritte Kapitel des zweiten Briefs an die Thessaloniker so gedeutet. Wäre dieses nicht eine mögliche Konsequenz aus dem nahen Weltende, einfach nicht mehr zu arbeiten und völlig passiv der Dinge zu harren, die da kommen sollen? Hatte man so nicht auch Jesu Aufforderung, das Vorsorgen zu lassen, im Sinne der Bergpredigt zu deuten? Doch wer einfach nicht mehr arbeitet, wie mutmaßlich manche Leute in Saloniki es tun, hat mit Sicherheit den falschen Weg der Vorbereitung auf das Ende gewählt. Paulus meint damit möglicherweise alle, die eher resignieren, weil man ja angeblich „doch nichts machen kann“. Denn, wie gesagt, die Scheidung im Gericht ist, so wie die Welt nun einmal ist, notwendig.

    Aber man sollte auch umgekehrt fragen: Gibt es eine Bedeutung der Aussagen Jesu über Kampf und Gericht für den christlichen Alltag? Denn alle Zukunftsaussagen stehen auf zwei Beinen, deren eines stets in der Gegenwart ist. Es kann nur um den Mut des Zeugen gehen, den zum Beispiel in der Nazi-Zeit viele Christen gezeigt haben. Neulich ging es um die Frage, ob an der Schule Religion normales Unterrichtsfach sein soll. Die massenhaft anfallenden Abrisse von Kirchen sind je und je ein deutliches Zeichen in der Öffentlichkeit – noch dazu, wenn viele sich noch an die Zeit der Errichtung des Kirchbaus erinnern. Mit jeder abgerissenen Kirche verschwindet ein Stück öffentliches Bekenntnis. Für die Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, die Kirchen und das Christentum würden immer schwächer. So gibt es kaum noch jemanden, er antiquarisch theologische Bücher kauft. „Theologie“, ein ganzer Zweig öffentlichen Lebens, ist einfach verschwunden „wegen Desinteresse“. Hatte nicht die alte christliche Volksfrömmigkeit das Leben bunt gefüllt? Hier war es einfacher, mit dem Glauben zu leben.