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    Vorsitzender der Piusbrüder: Scharfe Kritik am Vatikanischen

    Beim Zweiten Vatikanischen Konzil seien schwerwiegende dogmatische Entscheidungen getroffen worden, die eine völlige Umgestaltung des Glaubens nach sich gezogen hätten, so Davide Pagliarini. Auch die Deutung des Barmherzigkeit-Begriffes von Papst Franziskus lehnt er ab.

    Pater Pagliarini sieht zudem einen Fehler der Kirche darin, seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Auffassung zu vert... Foto: Armin Weigel (dpa)

    Der Vorsitzende der von Rom getrennten traditionalistischen Piusbruderschaft, Pater Davide Pagliarini, übt deutliche Kritik am Vatikan und am Zweiten Vatikanischen Konzil. Ein Grundzug des gegenwärtigen Pontifikats erschüttere die Piusbrüder zutiefst, so Pagliarini im Gespräch mit den „Salzburger Nachrichten“: die völlig neue Anwendung des Begriffs der Barmherzigkeit. „Diese wird auf ein Wundermittel für alle Sünden reduziert, ohne auf die wahre Bekehrung zu drängen, auf die Umwandlung der Seele durch Gnade, Abtötung und Gebet.“

    Widerhall der Spiritualität Luthers in Franziskus' Verständnis von Barmherzigkeit

    In seinem nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“ eröffne Franziskus Katholiken die Möglichkeit, sich in Fragen der Ehemoral von Fall zu Fall nach ihrem persönlichen Gewissen zu entscheiden. „Das widerspricht ganz eindeutig der notwendigen und klaren Orientierung am Gesetz Gottes“, kritisiert Pagliarini. Die Piusbrüder sähen darin einen Widerhall der Spiritualität Martin Luthers: „Ein Christentum ohne Forderung nach sittlicher Erneuerung, einen Subjektivismus, der keine allgemein gültige Wahrheit mehr anerkenne.“ Dies habe unter den Gläubigen und dem Klerus eine tiefgreifende Verwirrung ausgelöst.

    Pater Pagliarini sieht zudem einen Fehler der Kirche darin, seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Auffassung zu vertreten, jeder Mensch könne in seiner Religion zu Gott finden. „Das ist eine Prämisse, die den Glauben auf eine persönliche, innere Erfahrung reduziert, anstelle des Festhaltens des Verstandes an der göttlichen Offenbarung.“ Die Kirche sei aber in ihrem Wesen missionarisch. Allein durch Christus könnten die Menschen gerettet werden. „Diese theologische Wahrheit muss verkündet werden, wie auch die Geradlinigkeit in der Moral und die Strahlkraft der traditionstreuen Messe im tridentinischen Ritus“, so Pagliarini.

    Pagliarini: Papst müsste Dekret über die Religionsfreiheit als falsch erklären

    In den Folgen des Zweiten Vatikanums sieht Pagliarini eine völlige Umgestaltung des Glaubens. Dort seien schwerwiegende dogmatische Entscheidungen getroffen worden. „Die Priesterbruderschaft St. Pius X. verwirft alles, was im Zweiten Vatikanischen Konzil nicht mit der katholischen Tradition übereinstimmt.“ Der Papst müsste beispielsweise das Dekret über die Religionsfreiheit als falsch erklären und entsprechend korrigieren, so der Vorsitzende der Piusbruderschaft. „Wir sind überzeugt, dass ein Papst das eines Tages tun und zur reinen Lehre zurückkehren wird, die vor diesem Konzil maßgeblich war.“

    DT/mlu

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