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    Vatikan: Pater Hermann Geißler tritt zurück

    Wie die katholische Wochenzeitung "Die Tagespost" aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, wird Pater Hermann Geißler von seinem Posten als Leiter der Glaubensabteilung in der Glaubenskongregation zurücktreten.

    Pater Hermann Geißler tritt zurück. Foto: privat.

    Wie die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ (Würzburg) aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, wird Pater Hermann Geißler von seinem Posten als Leiter der Glaubensabteilung in der Glaubenskongregation zurücktreten. Dieser Rücktritt steht im Zusammenhang mit Anschuldigungen, die die ehemalige Angehörige der Gemeinschaft „Das Werk“, Doris Wagner, seit geraumer Zeit gegen Pater Geißler erhebt, der derselben Gemeinschaft angehört. Er soll sie „in der Beichte belästigt“ haben, so Frau Wagner. Pater Geißler hat das stets bestritten und bestreitet das auch jetzt. Er könne aber dem erzeugten Druck nicht mehr standhalten und wolle zugleich Schaden von der Glaubenskongregation und seinem Orden abwenden, heißt es in einer bislang unveröffentlichten Erklärung, die der „Tagespost“ vorliegt.

    Schwere Missbrauchsvorwürfe gegen "Das Werk"

    Doris Wagner erhebt seit Jahren schwere Vorwürfe gegen die Gemeinschaft „Das Werk“. Ihr Hauptvorwurf ist dabei, dass die Besonderheiten dieses Ordens Missbrauch befördert hätten. Sie hatte nach eigener Auskunft hintereinander sexuelle Beziehungen mit zwei Priestern des Ordens. Die Beziehung mit dem ersten Priester bezeichnete sie im Nachhinein als Vergewaltigung, den zweiten heiratete sie später. Sowohl die deutsche wie auch die österreichische Staatsanwaltschaft erklärten den Vergewaltigungsvorwurf indes für unbegründet, weil es sich um einvernehmlichen Geschlechtsverkehr von zwei Erwachsenen gehandelt habe. Dennoch wandte sie sich vor fünf Jahren mit dem Buch „Nicht mehr ich“ an die Öffentlichkeit, in dem sie unverändert die erste Beziehung als Vergewaltigung bezeichnete. Sie erwähnte dabei nicht, dass ihre zweite sexuelle Beziehung ebenfalls einen Priester desselben Ordens betraf, den sie aber dann heiratete. Frau Wagner trägt seither den Namen Reisinger.

    Für die Anschuldigungen gegen Pater Hermann Geißler gibt es keine Beweise

    Später bezichtigte sie Pater Hermann Geißler von der Glaubenskongregation, ihr gegenüber in der Beichte übergriffig geworden zu sein. Sie tat das erst nicht offen, sondern nur in Andeutungen. Beweise wurden nicht vorgelegt und Pater Geißler wies diese Anschuldigung von vorneherein nachdrücklich zurück. Im September vergangenen Jahres dann machte sie Pater Geißler als den von ihr Beschuldigten für einen Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ eindeutig kenntlich. Die internationale Presse nahm das auf.

    Daraus hat Pater Geißler jetzt die Konsequenzen gezogen und den Präfekten Kardinal Ladaria um Abberufung von seiner Tätigkeit in der Glaubenskongregation gebeten. Dass Pater Geißler jetzt nun doch seinen Rücktritt einreicht, führen Beobachter auf die vor dem Missbrauchs-Gipfel Ende Februar auch in Rom angespannte Lage zurück.

    Informierten Kreisen zufolge gibt es keine Beweise für die schweren Beschuldigungen, die Frau Wagner gegen Pater Geißler erhebt. Was zwischen ihm und damals noch Schwester Doris vorgefallen war, wurde vor sechs Jahren von der Glaubenskongregation untersucht. Mit der Sache befasst waren der damalige „Promotor Iustitiae“ (Anwalt) für „schwerwiegende Delikte“, Monsignore Charles Scicluna, und der damalige Untersekretär der Glaubenskongregation, Monsignore Damiano Marzotto. Das Ergebnis der Untersuchung fiel zugunsten von Pater Geißler aus. Papst Franziskus wurde davon unterrichtet.

    DT/gho (jobo)

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