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    Tausendjähriger Traum der Ukraine

    Das Vereinigungskonzil in Kiew wählte einen Vertrauten Filarets zum Oberhaupt.

    Präsident Poroschenko, einer der Promotoren der nun in Reichweite liegenden Autokephalie, hat bereits angekündigt, mit d... Foto: Mykola Lazarenko (Ukrainian Presidential Press Ser)

    Mitte Dezember fanden sich mehr als 100 Bischöfe, dazu Priester, Mönche und Laien in der Kiewer Sophienkathedrale zum „Vereinigungskonzil“ zusammen. Geleitet wurde die Versammlung vom Repräsentanten des Ökumenischen Patriarchen in Frankreich, Metropolit Emmanuel Adamakis, den Bartholomaios entsandt hatte. Überwunden wurde die Spaltung der ukrainischen Orthodoxie jedoch nicht: Zwar nahmen die Hierarchen der „Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats“ (UOKP) und der „Ukrainisch-autokephalen orthodoxen Kirche“ daran teil, jedoch folgten nur zwei der 90 Bischöfe der „Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats“ (UOMP) der Einladung. Sie wurden von Moskau sogleich mit dem Verräter Judas verglichen.

    Bischof Epifanij Dumenko Metropolit von Kiew und der ganzen Ukraine

    Das Vereinigungskonzil wählte den 39-jährigen Bischof der UOKP von Perejaslaw, Epifanij Dumenko, zum „Metropoliten von Kiew und der ganzen Ukraine“. Ihm wird der Ökumenische Patriarch Bartholomaios am 6. Januar im Phanar in Istanbul den ersehnten Tomos, die Bulle zur Verleihung der Autokephalie, überreichen. Präsident Poroschenko, einer der Promotoren der nun in Reichweite liegenden Autokephalie, hat bereits angekündigt, mit dem künftigen Patriarchen nach Istanbul zu reisen. Epifanij gilt als enger Vertrauter des bisherigen Patriarchen der UOKP, Filaret.

    In einer Ansprache an die Konzilsteilnehmer beschrieb der Präsident die Autokephalie als Frage der nationalen Sicherheit: „Wir durchtrennen die Ketten, die uns an das Reich banden.“ Damit gehe „ein tausendjähriger Traum“ in Erfüllung, so Poroschenko, der dem Ökumenischen Patriarchen für seinen Mut und seine Weisheit dankte. Später sagte er vor einer Volksmenge in Kiew: „Die vereinte und unabhängige ukrainisch-orthodoxe Kirche ist eine Kirche ohne Putin, eine Kirche ohne Kyrill.“

    Autokephalie Mittel zur weiteren Verselbstständigung der Ukraine von Russland

    Gegenüber der „Tagespost“ analysiert der in Lemberg (Lviv) lehrende griechisch-katholische Kirchenhistoriker Andriy Mykhaleyko: „Für die russische Regierung ist die Russisch-Orthodoxe Kirche ein wichtiges Mittel in der Durchsetzung der außenpolitischen Ziele.“ Präsident Wladimir Putin spreche von der „russischen Welt“ und verstehe darunter „eine Art Kulturraum oder russische Zivilisation, die territorial nicht nur auf Russland beschränkt ist und die russische Sprache, die Literatur und den orthodoxen Glauben einschließt. Die Ukraine gehört nach der festen Überzeugung der Befürworter dieses Konzepts mit aller Selbstverständlichkeit dazu“, so Mykhaleyko. Umgekehrt diene dem ukrainischen Staat die Autokephalie „als ein Mittel zur weiteren Verselbstständigung der Ukraine von Russland“.

    Wie sich die einst gute Zusammenarbeit der beiden Kirchen ins Negative umkehrte, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 20. Dezember 2018. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    DT/sb

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