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    Rabbiner sieht "Placuit deo" für Judentum als befremdlich

    Nach Meinung des Potsdamer Rabbiners und Professors für Moderne Jüdische Religionsphilosophie, Walter Homolka, vertritt das Vatikan-Dokument "Placuit deo" ein Menschenbild, das nicht dem Judentum entspricht.

    Rabbiner Walter Homolka bei einer Tagung des Internationalen Rates der Christen und Juden e.V. (ICCJ) am 3. Juli 2017 in... Foto: Harald Oppitz (KNA)

    Das Vatikan-Schreiben "Placuit Deo" (Es hat Gott gefallen) wirkt nach Ansicht des Berliner Rabbiners und Hochschullehrers Walter Homolka befremdlich auf Juden. "Würde man diesen Text zur Grundlage des Gesprächs mit den anderen Religionen machen, würfe uns das nach meinem Ermessen um Lichtjahre zurück", sagte der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs am Montag in Berlin im KNA-Interview. "Mit 'Placuit Deo' entfernt sich die katholische Kirche vom Glauben des Juden Jesus, den sie als ihren Religionsgründer betrachtet."

    Die Vatikanische Glaubenskongregation hatte sich vor einer Woche in dem Schreiben "Placuit Deo" an die Bischöfe der Weltkirche gegen individualistische Selbstverwirklichung gewandt und unter anderem betont, dass Jesus "einziger und universaler Retter" der Menschen sei. Homolka erklärte: "Wenn Jesus aber der einzige Retter für alle Menschen sein soll, wird die besondere Rolle Israels als der 'ersten Liebe Gottes' links liegen gelassen."

    Der Professor für Moderne Jüdische Religionsphilosophie mit dem Schwerpunkt "Interreligiöser Dialog" an der Universität Potsdam verwies zudem darauf, dass "Placuit Deo" ein Menschenbild vertrete, das nicht dem Judentum entspreche. "Das Judentum lehrt auf Grundlage der Hebräischen Bibel: Der Mensch kann in seinem Leben frei zwischen Gut und Böse entscheiden. Irrt er, so kann er umkehren. Und weil er es kann, daher soll er es", so Homolka. Dieser Anschauung stehe die Gnadenlehre des Christentums mit dem Postulat der Erbsünde und der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen klar entgegen.

    DT/KAP/KNA

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