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    Prominente Geistliche verteidigen Kardinal Müller

    Im Streit um einen möglichen Zusammenhang zwischen Homosexualität und sexuellem Missbrauch habe Kardinal Müller nur die kirchliche Lehre bekräftigt, meint Kardinal Brandmüller. Dafür müsse man dem Kardinal dankbar sein, so der Kasachische Weihbischof Schneider.

    Als „merkwürdig“ bezeichnet der Kurienkardinal Walter Brandmüller die jüngste Empörung über Müllers Aussagen zu Homosexu... Foto: KNA

    Im Streit um einen möglichen Zusammenhang zwischen Homosexualität und sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche haben prominente Geistliche die Äußerungen von Kardinal Gerhard Ludwig Müller gegen Kritik verteidigt. Als „merkwürdig“ bezeichnet der Kurienkardinal Walter Brandmüller die jüngste Empörung über Müllers Aussagen zu Homosexualität. „Er hat doch lediglich wiederholt, was im Katechismus darüber zu lesen ist. Das ist die immer und überall gültige Lehre der Kirche“, erklärt Brandmüller gegenüber der „Tagespost“. Diese ergebe sich schon aus der Natur der menschlichen Geschlechtlichkeit, die eindeutig auf Zeugung und Geburt menschlichen Lebens ausgerichtet sei, so der 89-jährige Kardinal, der von 1998 bis 2009 Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft war.

    Brandmüller: Alarmierendes Symptom für den Zerfall des Glaubens

    Darüber hinaus betont Brandmüller, dass Kardinal Müller nur den Sachverhalt dargelegt habe, wonach die Kirche die Sünde, nicht aber den Sünder verurteile. „Das ist Gottes Sache, der immer bereit ist zu verzeihen, wenn der Sünder sich ihm mit Reue und dem Vorsatz, nicht wieder zu sündigen, zuwendet.“ Dass die schlichte Darlegung solch einen „Sturm der Empörung“ ausgelöst habe, sei „entweder ein Zeichen der Unkenntnis oder aber des Widerspruchs zur klaren Lehre der Kirche. Jedenfalls aber ist er ein alarmierendes Symptom für den Zerfall des Glaubens im katholischen Deutschland“.

    Kardinal Müller hatte kürzlich gegenüber der amerikanischen Online-Plattform „Lifesitenews“ geäußert, die jetzige Kirchenkrise zeige sich aber auch darin, dass „man die wahren Ursachen nicht sehen will und durch Propagandaphrasen der Homo-Lobby vertuscht. Unzucht mit Jugendlichen und Erwachsenen ist eine Todsünde, die keine Macht der Welt für moralisch neutral erklären kann“, unterstrich der Kardinal. Führende Köpfe der Kirche würden nach wie vor das Problem und seine Ursachen unterschätzen, so Müller. Er forderte unter anderem, dass „homosexuelles Verhalten von Klerikern in keinem Fall geduldet werden kann und dass die kirchliche Sexualmoral nicht durch die weltliche Akzeptanz der Homosexualität relativiert werden darf“.

    Schneider: Müller hat göttliche Lehre zur Sexualität bekräftigt

    Mit der Betonung einer innerkirchlichen Verbindung zwischen Homosexualität und sexuellem Missbrauch habe Müller, der vergangenes Jahr aus dem Amt des Präfekten der Glaubenskongregation entlassen wurde, nur die Fakten zitiert, so Brandmüller gegenüber der „Tagespost“. Auch die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz habe dies belegt. „Um der Opfer willen müssen wir diese Fakten ernst nehmen und entsprechende Maßnahmen ergreifen“, so Brandmüller.

    Auch Athanasius Schneider, Weihbischof im Erzbistum der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana in Kasachstan, stellte sich nun auf die Seite Kardinal Müllers. Gegenüber der „Lifesitenews“ betonte Schneider, dass Müller „klar und ausdrücklich“ die göttliche Lehre zur Sexualität bekräftigt habe, die homosexuelle Handlungen als „intrinsisches Übel“ betrachte. Dafür müsse man dem Kardinal dankbar sein. Dessen Worte seien eine wertvolle spirituelle Hilfe für viele Seelen, „selbst für diejenigen, die von der Häresie der Homosexualität geblendet sind: entweder, indem sie zur Verbreitung dieses trügerischen Fehlverhaltens beitragen, das sich nun im kirchlichen Leben und in der Gesellschaft zeigt; oder indem sie selbst das Laster der Homosexualität oder der Sodomie praktizieren“. Dies, so der Weihbischof, zerstöre letztlich den inneren Frieden und führe zum drohenden Verlust der ewigen Erlösung.

    Jesuit Mertes: Müllers Aussagen "unglaublich dreist" und "abgründig falsch"

    Was die Ausbreitung der „Häresie der Homosexualität“ betreffe, nehme Weihbischof Schneider ein „peinliches Schweigen“ von Seiten vieler Bischöfe wahr. Gegenüber der „Lifesitenews“ bezeichnet es der 57-Jährige als „tragisch und bedauerlich“, dass der Heilige Stuhl sich der Ausbreitung nicht entgegenstelle, „sondern unglaublicherweise die berüchtigten Unterstützer der Häresie der Homosexualität auch noch mit kirchlichen Aufgaben betraut“. Wenn Geistliche die göttliche Wahrheit betonten, dass homosexuelle Handlungen ein „intrinsischen Übel“ seien, sei dies ein Ausdruck der Barmherzigkeit gegenüber den Gläubigen und den fehlgeleiteten Seelen. Genau dies habe Kardinal Müller mit seinen Äußerungen getan, so Schneider.

    Allen voran der Jesuitenpater und Direktor des Jesuitengymnasiums Sankt Blasien, Klaus Mertes, hatte Müllers Aussagen scharf kritisiert und als „zum Dogma geronnene klerikale Dünkel“ bezeichnet. Dieser Dünkel sei ein Schlüssel zum Gesamtproblem Missbrauch. Mertes kritisierte zudem die Ansicht des ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation, die Kirche müsse wegen der Missbrauchsfälle ihr Nein zur praktizierten Homosexualität bekräftigen. Es gebe eine Fraktion, die Homosexuellen die Schuld an der Krise geben wolle. Die Aussagen Müllers, so der Jesuitenpater Mertes, seien „unglaublich dreist“ und „abgründig falsch“.

    Eleganti rechnet nicht mit besserer Behandlung

    Der Schweizer Weihbischof im Bistum Chur, Marian Eleganti, bezeichnete die „offene Verachtung“ in den Aussagen von Pater Mertes als „unübersehbar und kein gutes Beispiel“. Er rechne nicht mit einer besseren Behandlung, so Eleganti gegenüber „Lifesitenews“. In der heutigen Debattenkultur sei es „brandgefährlich, abweichende und nicht mehrheitsfähige Ansichten zu äußern beziehungsweise die Wahrheit auszusprechen, die viele denken, aber nicht mehr sagen, weil sie die Konsequenzen fürchten“.

    DT/mlu

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