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    Papst Franziskus: „Die Liturgie möge für uns alle eine wahre Schule des Gebets werden.“

    Die Audienz-Ansprache von Papst Franziskus am 10. Januar 2018 im Wortlaut.

    Papst Franziskus. Foto: Giorgio Onorati (ANSA)

    Die heilige Messe – 7. Der Hymnus des „Gloria“ und das Tagesgebet („Collecta“)

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    In der Reihe der Katechesen über die Feier der Eucharistie haben wir gesehen, dass uns der Bußakt hilft, uns unserer Anmaßungen zu entledigen und vor Gott so hinzutreten, wie wir wirklich sind, in dem Bewusstsein, Sünder zu sein, in der Hoffnung, dass uns vergeben wird.

    Gerade durch die Begegnung zwischen dem menschlichen Elend und der göttlichen Barmherzigkeit wird die Dankbarkeit lebendig, die im „Gloria“ zum Ausdruck kommt, „ein sehr alter und ehrwurdiger Hymnus, in dem die im Heiligen Geist versammelte Kirche Gott, den Vater, und das Lamm verherrlicht und zu ihm fleht “ (Grundordnung des Römischen Messbuchs, 53).

    Der Anfang dieses Hymnus – „Ehre sei Gott in der Höhe“ – greift den Gesang der Engel bei der Geburt Jesu in Betlehem auf, freudige Verkündigung der Umarmung zwischen Himmel und Erde. Dieser Hymnus umfasst auch uns, die wir im Gebet versammelt sind: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“.

    Nach dem „Gloria“ oder, wenn dieses nicht gesungen wird, sofort nach dem Bußakt nimmt das Gebet in der „Tagesgebet“ („Collecta“) genannten Weise eine besondere Form an. Durch das Tagesgebet, das nach den Tagen und Zeiten des Kirchenjahres variieren kann, wird die Eigenart der Feier zum Ausdruck gebracht (vgl. ebd., 54). Mit der Einladung „Lasset uns beten“ mahnt der Priester das Volk, zusammen mit ihm eine kurze Stille zu halten, um sich darauf zu besinnen, dass sie vor dem Angesicht Gottes stehen, und um ihre Bitten im Herzen aussprechen zu können, mit denen sie an der Messe teilnehmen (vgl. ebd. 54). Der Priester sagt „Lasset uns beten“; und dann kommt ein Moment der Stille, und ein jeder denkt an die Dinge, deren er bedarf, um die er im Gebet bitten will.

    Die Stille besteht nicht allein aus einer Abwesenheit von Worten, sondern darin, sich in die Bereitschaft zu versetzen, andere Stimmen zu hören: jene unseres Herzens und vor allem die Stimme des Heiligen Geistes. In der Liturgie hängt das Wesen des heiligen Schweigens von der Stelle ab, an der es vorkommt: „Beim Bußakt und nach einer Gebetseinladung besinnen sich alle fur sich; nach einer Lesung aber oder nach der Homilie bedenken sie kurz das Gehörte; nach der Kommunion loben sie Gott und beten zu ihm in ihrem Herzen“ (ebd. 45). Vor dem anfänglichen Gebet also hilft die Stille, dass wir uns in uns selbst sammeln und daran denken, warum wir dort sind. Aus dem Grund also ist es wichtig, in uns hineinzuhören, um uns dann für den Herrn zu öffnen. Vielleicht haben wir Tage der Mühen, der Freude, des Schmerzes hinter uns und wollen dies dem Herrn sagen, um seine Hilfe bitten, darum, dass er uns nahe ist; wir haben kranke Familienangehörigen und Freunde, oder sie machen schwierige Prüfungen durch; wir wollen Gott das Schicksal der Kirche und der Welt anvertrauen. Und dazu dient die kurze Stille, bevor der Priester die Gebetsanliegen eines jeden sammelt und mit lauter Stimme zu Gott im Namen aller das gemeinsame Gebet spricht, das die Eingangsriten abschließt, und dabei eben eine „Collecta“, eine „Sammlung“ der einzelnen Anliegen und Bitten vorbringt. Ich lege den Priestern innig nahe, diesen Augenblick der Stille zu beachten und nicht schnell weiterzugehen: „Lasset uns beten“, und Stille zu halten. Das lege ich den Priestern ans Herz. Ohne dieses Schweigen laufen wir Gefahr, die Sammlung der Seele zu vernachlässigen.

    Der Priester betet dieses Lob- und Bittgebet der „Collecta“ mit ausgebreiteten Armen in der Haltung des Betenden, die die Christen seit den ersten Jahrhunderten angenommen haben – wie die Fresken in den römischen Katakomben bezeugen –, um Christus mit den am Holz des Kreuzes ausgebreiteten Armen nachzuahmen. Und dort ist Christus der Betende und gleichzeitig das Gebet! Im Gekreuzigten erkennen wir den Priester, der Gott das ihm wohlgefällige Opfer darbringt, das heißt den kindlichen Gehorsam.

    Im Römischen Ritus sind die Gebete kurz und bündig, doch reich an Bedeutung: wir können viele schöne Betrachtungen zu diesen Gebeten anstellen. Sehr schöne! Die Texte immer wieder zu betrachten, auch außerhalb der Messe, kann uns helfen, zu lernen, wie wir uns an Gott wenden können, worum wir bitten sollen, welche Worte zu benutzen sind. Die Liturgie möge für uns alle eine wahre Schule des Gebets werden.

     

    Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

    Von Herzen grüße ich die Pilger deutscher Sprache bei der heutigen Generalaudienz. Die heilige Messe bietet uns Gebete und Texte von reicher Bedeutung. Diese regen unser persönliches Beten an und sind uns eine Hilfe zu lernen, wie wir uns an Gott wenden können. Schauen wir zu, dass die Liturgie der Kirche für uns zu einer echten Gebetsschule wird. Gott segne euch und eure Lieben.

     

    Aus dem Italienischen von Armin Schwibach

     

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