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    Pakistan: Katholikin Asia Bibi freigesprochen

    Die in Pakistan wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Katholikin Asia Bibi ist vom Obersten Gericht des Landes freigesprochen worden. In mehreren Städten kommt es zu Protesten radikaler Islamisten.

    Die Richter begründeten ihr Berufungsurteil damit, dass es der Staatsanwaltschaft nicht gelungen sei, die Schuld der Ang... Foto: Rahat Dar (EPA)

    Die in Pakistan zum Tode verurteilte Katholikin Asia Bibi ist freigesprochen worden. So urteilte das Oberste Gericht des Landes am Mittwoch, wie pakistanische Medien berichten. Die Mutter von fünf Kindern war der Blasphemie beschuldigt worden. Wie das Gericht anordnete, soll Asia Bibi sofort aus der Haft entlassen werden. Die Richter begründeten ihr Berufungsurteil damit, dass es der Staatsanwaltschaft nicht gelungen sei, die Schuld der Angeklagten zweifelsfrei zu beweisen. Damit folgte das Gericht den Ausführungen der Anwälte von Asia Bibi über widersprüchliche Zeugenaussagen.

    Berufungsverhandlung fand bereits Anfang Oktober statt

    Die dem Urteil vorangegangene Berufungsverhandlung hatte bereits Anfang Oktober stattgefunden.  Das Oberste Gericht in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad verschob den Termin der Urteilsverkündung jedoch auf einen nicht bestimmten Termin.

    Die 47-jährige Pakistani Asia Bibi ist die erste katholische Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Nach der Verurteilung im Jahr 2010 wurde das Todesurteil 2014 bestätigt, im Jahr darauf jedoch vorläufig ausgesetzt.

    Fall sorgte national wie international für Aufsehen

    Der Fall Asia Bibis hatte national wie international für großes Aufsehen gesorgt. So war im Jahr 2011 beispielsweise der liberale Gouverneur von Pakistans größter Provinz Punjab erschossen worden, weil er sich auf die Seite Bibis gestellt hatte.

    Die Freilassung Asia Bibis löste in mehreren Städten des Landes heftige Proteste von Islamisten aus. Bereits vor der Urteilsverkündung hatten die Richter am Obersten Gerichtshof vor den Nachwirkungen gewarnt. Die radikalislamische Partei Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) hatte eine sofortige Hinrichtung Bibis gefordert. Nach dem Freispruch kündigte sie an, „das ganze Land lahmzulegen“.

    Blasphemie gilt in Pakistan als Kapitalverbrechen

    Im islamisch geprägten Pakistan gilt Blasphemie als Verbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet wird. Die Auslegung des Begriffs fällt in der Praxis jedoch oft sehr weit aus. So gelten bereits abfällige Äußerungen zum Islam oder dem Koran und dem Propheten Mohammed als blasphemisch. Kritiker erheben immer wieder den Vorwurf, die Blasphemiegesetze würden ausgenutzt, um persönlichen Feinden zu schaden.

    DT/mlu

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