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    Vatikanstadt

    Müller: Glaubenskongregation soll Klarstellung veröffentlichen

    Papst Franziskus sei kein Häretiker, so Kurienkardinal Gerhard Müller im Gespräch mit der „Tagespost“. Zugleich empfahl er, entsprechende öffentliche Vorhaltungen „renommierter Theologen“ zu beantworten.

    Im Interview mit der "Tagespost" sprach sich Kardinal Müller für eine klare Abgrenzung päpstlicher und bischöflicher Bef... Foto: Lena Klimkeit (dpa)

    Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat den Papst gegen Häresie-Vorwürfe verteidigt und zugleich vor einem Personenkult um ihn gewarnt. Franziskus sei kein Häretiker, sagte Müller in dieser Zeitung. Auch sei es „grundsätzlich falsch“, ihm alles, was zurzeit falsch in der Kirche laufe, anzulasten.

    Müller: Franziskus soll Vorhaltungen "renommierter Theolgen" beantworten

    Zugleich empfahl Müller, entsprechende öffentliche Vorhaltungen „renommierter Theologen“ zu beantworten. Anfang Mai hatten Theologen und Gelehrten aus dem angelsächsischen Raum einen Offenen Brief an Papst Franziskus veröffentlicht, in dem sie den Vorwurf der Häresie gegen den amtierenden Pontifex erheben. Inzwischen gehören auch Katholiken aus dem deutschsprachigen Raum zu den Mitunterzeichnern, unter anderem der Pastoraltheologe Hubert Windisch und der Schriftsteller Martin Mosebach. Deren Sorgen seien verständlich und der Wunsch nach größerer Klarheit in päpstlichen Aussagen berechtigt, nicht aber das von ihnen gewählte Mittel. Der Papst solle daher von der Glaubenskongregation eine offizielle Klarstellung veröffentlichen lassen, nicht aber vom Staatssekretariat „oder befreundeten Journalisten und Theologen“.

    Müller sieht theologische Qualität jüngster päpstlicher Verlautbarungen skeptisch

    Skeptisch äußerte sich Müller über die theologische Qualität jüngerer päpstlicher Verlautbarungen. Die Texte würden von Leuten vorbereitet, die „zwar seine Vertrauten sein mögen, aber weder amtlich noch fachlich in der Theologie ausgewiesen sind“. Sie verursachten so Irritationen und schadeten damit dem Papst sowie dem Papsttum insgesamt. Es könne auch nicht „zwischen Tür und Angel“ von einem Berater dem Papst das Zugeständnis in einer Lehrfrage wie dem Kommunionempfang für Nichtkatholiken abgerungen werden.

    Der Kardinal sprach sich für eine klare Abgrenzung päpstlicher und bischöflicher Befugnisse aus. So dürfe „der Befehl zum Beispiel eines Bischofs, die heilige Kommunion auch an nicht-katholisch Glaubende auszuteilen“ nicht befolgt werden, weil er „glaubenswidrig“ sei.

    Klares Wort zur Einheit aller Katholiken ist nötig

    Erneut warnte Müller vor innerkirchlichen Spaltungen. Das „Gerede“ von einer Opposition gegen Franziskus entstamme „dem unverhohlenen Machtwillen von Ideologen, die die Kirche in den Abgrund führen“. Auch hier sei es an der Zeit, „dass Papst Franziskus ein klares Wort zur Einheit aller Katholiken im geoffenbarten Glauben spricht“.

    Kritisch äußerte sich Müller über derzeitige Bestrebungen zur Reform der Kirche. Kardinal. Das Problem bestehe darin, dass die theologischen Kriterien von Orthodoxie und Häresie, das heißt dem Glauben gemäß der Offenbarung oder dem falschen Glauben nach eigener Meinung, ersetzt worden sei durch das ideologisch-machtpolitische Schema von den konservativ- traditionalistisch- fundamentalistisch-rechten Bremsern gegen die links-liberal-modernistisch-weltoffenen Schrittmacher in die Utopie. Wörtlich erklärte Müller: "Wenn die Anpassung an den Verfall der Moral als synodaler Prozess ausgegeben wird, dann wird man bald die Kirche nicht mehr erkennen. Nur wird sie nicht anders sein, sondern gar nicht mehr sein, jedenfalls in den Regionen, wo falsche Propheten den Ton angeben."

    Wie sich Kurienkardinal Gerhard Müller zum in Abu Dhabi unterzeichneten Abkommen mit dem Kairoer Großimam äußert, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 16. Mai 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    DT

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