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    „Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

    Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters während der Generalaudienz vom 14. Februar.

    Papst Franziskus. Foto: Giorgio Onorati (ANSA)

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Einen guten Tag, auch wenn das Wetter ein bisschen hässlich ist. Doch wenn die Seele sich freut, dann ist immer ein guter Tag. Also: einen guten Tag! Heute wird die Audienz an zwei verschiedenen Orten stattfinden: eine kleine Gruppe kranker Menschen ist des Wetters wegen in der Aula, und wir sind hier. Doch auf Großbildschirmen können wir sie sehen und sie können uns sehen. Grüßen wir sie mit einem Applaus.

    Wir fahren mit der Katechese über die Heilige Messe fort. Wofür steht das Hören auf die biblischen Lesungen, das sich in der Homilie fortsetzt? Es steht für ein Recht: das geistliche Recht des Volkes Gottes, den ganzen Schatz des Wortes Gottes zu empfangen (vgl. Lektionar, Einleitung, 45). Jeder von uns hat, wenn er in die Messe geht, das Recht das Wort Gottes in Fülle zu empfangen, das gut gelesen, gut vorgetragen und dann in der Predigt gut erklärt wird. Das ist ein Recht! Und wenn das Wort Gottes nicht gut vorgetragen wird, wenn es nicht mit Hingabe vom Diakon, vom Priester oder vom Bischof gepredigt wird, dann wird den Gläubigen ein Recht versagt. Wir haben das Recht, das Wort Gottes zu hören. Der Herr spricht für alle, Hirten und Gläubige. Er klopft an das Herz derer, die – in ihren jeweiligen Lebensumständen, ihrem jeweiligen Alter, ihrem jeweiligen Zustand - an der Messe teilnehmen. Der Herr tröstet, ruft und lässt Keime neuen und versöhnten Lebens hervorsprießen. Und das geschieht durch sein Wort. Sein Wort klopft an die Herzen und verändert sie!

    Daher erlaubt nach der Predigt eine Zeit der Stille dem empfangenen Samen, sich in der Seele zu setzen, damit Vorsätze wachsen können, an dem festzuhalten, was der Heilige Geist einem jeden eingegeben hat. Die Stille nach der Predigt. Eine schöne Zeit der Stille muss es da geben, und jeder soll über das nachdenken, was er gehört hat.

    Wie geht es nach dieser Zeit der Sille in der Messe weiter? Die persönliche Antwort des Glaubens fügt sich ein in das Glaubensbekenntnis der Kirche, das im „Credo“ zum Ausdruck kommt. Wir alle sprechen das „Credo“ in der Messe. Das von der ganzen Versammlung gesprochene Symbolum bekundet die gemeinsame Antwort auf das, was man zusammen aus dem Wort Gottes gehört hat (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 185-197). Es besteht eine lebendige Beziehung zwischen Hören und Glauben. Sie sind miteinander vereint. Denn er – der Glaube – geht nicht aus der Phantasie des menschlichen Geistes hervor, sondern, wie der heilige Paulus in Erinnerung ruft, „der Glaube (gründet) in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi“ (Röm 10,17). Der Glaube wird also durch das Hören gestärkt und führt zum Sakrament. So sorgt das Sprechen des Glaubensbekenntnisses dafür, dass die liturgische Versammlung „der großen Mysterien des Glaubens gedenkt und sie bekennt, bevor deren Feier in der Eucharistie beginnt“ (Grundordnung des Römischen Messbuchs, 67).

    Das Glaubensbekenntnis bindet die Eucharistie an die Taufe, die „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ empfangen wurde, und ruft uns in Erinnerung, dass die Sakramente im Licht des Glaubens der Kirche verständlich sind.

    Die Antwort auf das im Glauben angenommene Wort Gottes drückt sich dann im gemeinsamen Fürbittgebet aus, das als „Allgemeines Gebet“ bezeichnet wird, weil es die Bedürfnisse der Kirche und der Welt umfasst (vgl. Grundordnung des Römischen Messbuchs, 69-71;  Lektionar, Einleitung, 30-31). Es wird auch als das „Gebet der Gläubigen“ bezeichnet.

    Die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils wollten dieses Gebet nach dem Evangelium und der Homilie vor allem sonntags und an den Festtagen wieder einführen, „damit unter Teilnahme des Volkes Fürbitten gehalten werden für die heilige Kirche, für die Regierenden, für jene, die von mancherlei Not bedrückt sind, und für alle Menschen und das Heil der ganzen Welt“ (Sacrosanctum Concilium, 53; vgl. 1 Tim 2,1-2). Daher trägt das Volk, geleitet durch den Priester, der in das Gebet einführt und es abschließt, „Gott Bitten für das Heil aller vor und übt so sein priesterliches Amt aus, das es durch die Taufe empfangen hat“ (Grundordnung des Römischen Messbuchs, 69) Und nach den einzelnen Gebetsanliegen, die vom Diakon oder von einem Lektor vorgetragen werden, stimmt die Versammlung ein mit den Worten: „Herr, erhöre uns“.

    Denn wir rufen uns in Erinnerung, was Jesus, der Herr, uns gesagt hat: „Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten (Joh 15,7). „Aber wir glauben das nicht, weil unser Glaube schwach ist“. Doch wenn unser Glaube – so sagt Jesus -, wie ein Senfkorn wäre, hätten wir alles empfangen. „Bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten“. Und dieser Moment des Allgemeinen Gebets nach dem Glaubensbekenntnis ist der Moment, um den Herrn in der Messe um die drängendsten Dinge zu bitten, die Dinge, die wir brauchen, nach denen wir verlangen. „Ihr werdet es erhalten“; in der einen oder anderen Weise, aber „Ihr werdet es erhalten“. „Alles kann, wer glaubt“, hat der Herr gesagt. Was hat jener Mann geantwortet, an den sich der Herr mit diesem Wort - „Alles kann, wer glaubt“ - gerichtet hat? Er hat gesagt: „Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben!“. Auch wir können sagen: „Herr, ich glaube; doch hilf meinem Unglauben!“. Und das Gebet müssen wir mit diesem Geist des Glaubens sprechen: „Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben!“. Die Forderungen weltlicher Logik hingegen steigen nicht zum Himmel auf, so wie auch selbstbezogene Forderungen unerhört bleiben (vgl. Jak 4,2-3). Die Anliegen, für die zu beten das gläubige Volk aufgerufen wird, müssen den konkreten Bedürfnissen der kirchlichen Gemeinschaft und der Welt Ausdruck verleihen und es umgehen, auf konventionelle und kurzsichtige Formeln zurückzugreifen. Das „allgemeine“ Gebet, das den Wortgottesdienst abschließt, ruft uns auf, uns den Blick Gottes zu eigen zu machen, der für alle seine Kinder Sorge trägt.

    Ein Sprecher verlas folgenden Gruß des Papstes an die Besucher aus dem deutschen Sprachraum:

    Einen herzlichen Gruß richte ich an die Pilger deutscher Sprache. Heute beginnt die Fastenzeit als eine Zeit der Gnade zur Vorbereitung auf Ostern, also auf die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. In diesen vierzig Tagen sind wir eingeladen, im Gebet, mit dem Fasten und den Werken der Liebe eins mit Christus zu werden. Dazu segne der Herr euch und eure Familien.

    Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller

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