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    Finanzskandal in Eichstätt: Domdekan als zentrale Figur

    Als einer der Hauptverantwortlichen für den Finanzskandal in Eichstätt, den das Bistum selbst publik machte, wird der ehemalige Domdekan präsentiert. Dieser habe seine Pflichten „gröblichst verletzt“.

    Seit Juli 2018 hatte eine Münchner Kanzlei die Ursachen und Hintergründe der erwarteten Millionenverluste des Bistums du... Foto: Armin Weigel (dpa)

    Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke dürfte mittlerweile eine gewisse Übung darin haben, auch schmerzhafte Termine zu überstehen. Als vergangene Woche jedoch der unabhängige Prüfbericht zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt präsentiert wurde, konnte auch der Benediktiner seine Anspannung und Scham kaum verbergen. Seit Juli 2018 hatte eine Münchner Kanzlei die Ursachen und Hintergründe der erwarteten Millionenverluste durch zweifelhafte Investitionen in den USA untersucht. Was Anwalt Ulrich Wastl nun vorzutragen hatte, dürften jedoch selbst in Eichstätt in dieser Dramatik nicht viele erwartet haben.

    Für den Bischof fallen die Ergebnisse weitgehend entlastend aus

    Für den Bischof und sein Alter Ego, Generalvikar Vollnhals, fallen die Ergebnisse dabei weitestgehend entlastend aus. Stattdessen präsentierten die Anwälte nun eine ihrer Ansicht nach bislang wenig beachtete Person als zentrale Figur des Skandals: der ehemalige Finanzdirektor und Domdekan des Bistums Eichstätt. „Er ist aus unserer Sicht der dritte Hauptverantwortliche“, so Wastl über den Geistlichen im Ruhestand.

    Der ehemalige Finanzdirektor habe „seine Pflichten gröblichst verletzt“. Auch sei es, so der Anwalt, nicht ersichtlich, dass der ehemalige Finanzdirektor selbst getäuscht wurde, wie dieser bislang behauptet hatte. So habe er selbst zugegeben, um die Struktur und das hohe Ausfallrisiko der fraglichen Investitionen gewusst zu haben. Die 31 auf Englisch abgefassten Darlehensverträge habe er zwischen 2014 und 2016 dennoch unterzeichnet, und das, „obwohl er des Englischen nicht mächtig war“, wie Wastl betonte.

    Erster Klasse auf die Philippinen für 20 000 Euro

    Als weiteres Beispiel führte der Anwalt eine frühere Investition an, die das Bistum Eichstätt weitere fünf Millionen Euro kostete. Im Jahr 2012 habe sich das Bistum auf Betreiben des damaligen Finanzdirektors an der Gründung einer kläglich untergegangenen Reederei beteiligt. Besondere Brisanz erhält dieses Investment durch eine in diesem Zusammenhang getätigten Reise des Geistlichen, seines Stellvertreters sowie der damaligen Geschäftspartner nach Manila. Die Herren seien damals First Class auf die Philippinen geflogen. Die geschätzten 20 000 Euro Reisekosten für die beiden Bistumsvertreter hätten die Geschäftspartner getragen.

    Warum das Bistum Eichstätt gegen eine Firma in den USA Anzeige erstattet, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 07. Februar. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    DT

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