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    Deutsche Bischöfe starten synodalen Prozess

    Vier Tage lang hat die Bischofskonferenz um weitere Konsequenzen aus der Missbrauchskrise gerungen. Zum Abschluss ihrer Vollversammlung präsentierte Kardinal Reinhard Marx einen Beschluss.

    Frühjahrsvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz: Abschluss-PK. Foto: Friso Gentsch (dpa)

    Die deutschen Bischöfe wollen einen synodalen Prozess auf den Weg bringen. Dies hätten sie als Konsequenz aus der Missbrauchskrise bei ihrer Frühjahrsvollversammlung beschlossen, wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, am Donnerstag erklärte. Über den erst kurz vor Abschluss des Treffens gefasste Beschluss herrsche Einstimmigkeit. Gerichtet an Betroffene des Missbrauchs versprach der Kardinal, bei der Aufarbeitung der Missbrauchskrise "alles in (seiner) Kraft stehende" zu tun und auf diesem Weg alle Gläubigen einzuschließen.

    Marx: Synodaler Prozess muss Verbindlichkeit haben

    Der künftige synodale Weg müsse anstehende Fragen in verbindlicher Weise diskutieren können, betonte Marx weiter. Dazu sei eine "verantwortliche Teilhabe von Frauen und Männern aus unseren Bistümern" sowie externer Fachleute nötig. Ein erstes Gespräch mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, habe bereits unmittelbar nach der Sitzung der Bischöfe stattgefunden. Bis zum September solle ein Konzept für Form und zeitlichen Rahmen dieses Prozesses stehen. Vom Begriff einer Synode habe die Bischofskonferenz bewusst Abstand genommen, da dieser kirchenrechtlich unklar sei.

    Nach dem Willen der Bischöfe sollen im künfigen synodalen Prozess vorrangig drei Themenbereiche diskutiert werden: Das Problem klerikalen Machtmissbrauchs, der priesterliche Zölibat sowie die Sexualmoral der Kirche. Die inhaltliche Vorarbeit zu den Themen soll nach DBK-Angaben in neu ins Leben gerufenen "Foren" geleistet werden, die von den Bischöfen Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer, Felix Genn aus Münster und Franz-Josef Bode aus Osnabrück geleitet werden.

    Zölibat und Sexualmoral: Kontroverse Debatte erwartet

    Marx erklärte, dass er zu den genannten Fragen eine kontroverse Debatte erwarte. "Den Streit gibt es, aber er soll synodal geführt werden." Es müssten zu den strittigen Fragen alle Positionen in einem geordneten Rahmen miteinander ringen können. Auch innerhalb der Bischofskonferenz sei die Debatte kontrovers, aber sachlich und in einer konstruktiven Atmosphäre verlaufen, berichtete der Vorsitzende. Marx rief auch für die künftigen Diskussionen zum Zusammenhalt auf. Auch wenn in manchen Fragen wie dem Zölibat schon seit Jahrzehnten Reformen gefordert würden, dürfe man die Tradition der Kirche nicht einfach wegwischen. Wichtig sei es, "auch auszuhalten, dass ein anderer eine andere Position hat".

    Auf Fragen nach weiteren konkreten Ergebnissen bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals betonte Marx die laufende Arbeit der Bischofskonferenz. "Der Maßnahmenkatalog liegt vor. Es gibt ihn", sagte er mit Blick auf die im vergangenen Herbst von den Bischöfen beschlossenen Selbstverpflichtungen. Dabei strebt die DBK unter anderem eine Vereinheitlichung der Personalaktenführung von Klerikern an sowie ein Konzept für eine Unabhängige Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche.

    Daneben betonte Marx erneut den Willen der Bischofskonferenz zur Einrichtung überdiözesaner Verwaltungsgerichte, die unter anderem im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen tätig werden könnten. Bereits am Mittwoch hatte der DBK-Beauftragte für Missbrauchsfragen, Triers Bischof Stephan Ackermann, über den Stand der Entwicklungen informiert. Demnach gebe es bei allen geplanten Maßnahmen nach wie vor Handlungsbedarf auf Seiten der Bischofskonferenz.

    DT/kim (jobo)

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