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    "Barbarin hat Dringlichkeit des Missbrauchsproblems nicht erkannt"

    Im Prozess gegen den französischen Kardinal Philippe Barbarin kritisieren die Kläger, dass ein sexuell übergriffiger Priester nicht früher aus dem Amt entfernt wurde. Ein Urteil wird es in dieser Woche nicht geben. Von Maximilian Lutz

    Zweiter Tag im Prozess gegen Philippe Barbarin, Erzbischof von Lyon. Foto: Laurent Cipriani (AP)

    In Lyon ist gestern der zweite Tag im Prozess gegen den französischen Kardinal und Lyoner Erzbischof Philippe Barbarin sowie fünf weitere Angeklagte zu Ende gegangen. Barbarin und den Mitangeklagten wird die Nicht-Anzeige sexueller Vergehen an Minderjährigen durch einen französischen Priester sowie unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

    Bischöfe im Zeugenstand: Thierry Brac de la Perriere und Maurice Gardès

    Neben der Befragung einer ehemaligen Mitarbeiterin des Lyoner Erzbischofs standen auch der amtierende Bischof von Nevers, Thierry Brac de la Perriere, sowie Maurice Gardès, Bischof im Bistum Auch, im Zeugenstand. Alle bekannten sich in ihren verlesenen Erklärungen, nicht schuldig zu sein.

    Francois Devaux: Es hat zu lange gedauert, bis Barbarin handelte

    Am Nachmittag wurden erstmals auch Kläger, Mitglieder der Organisation „La Parole Liberée“, in den Zeugenstand gerufen. Deren Vorsitzender, Francois Devaux, der den Prozess gegen Kardinal Barbarin federführend vorangetrieben hat, erklärte es als sein einziges Ziel, dass keine Kinder mehr in die Hände von Sexualstraftätern wie jenem Priester fallen, der in den 1970er und 1980er Jahren mehr als 70 Pfadfinder misshandelt haben soll.

    Devaux: "Wenn man Kinder nicht in die Nähe von Pädophilen lässt, dann kann man die Zahl der Opfer verringern"

    Dem Lyoner Erzbischof warf Devaux vor, sich nie der Dringlichkeit des Problems sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche Frankreichs bewusst gewesen zu sein. Zu lange habe es gedauert, bis Barbarin gehandelt und veranlasst habe, dass der übergriffige Priester, Bernard Preynat, aus dem Amt entfernt werde. „Ich denke einfach, wenn man Kinder nicht in die Nähe von Pädophilen lässt, dann kann man die Zahl der Opfer verringern“, so Devaux im Gerichtssaal.

    Heute wird die Verhandlung fortgesetzt. Ein Abschluss ist jedoch noch nicht zu erwarten – das Urteil wird das Gericht nach Beratungen wohl erst in einigen Wochen verkünden.

    DT/mlu (jobo)

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