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    Asia Bibi: Missio fordert Einschreiten der Bundesregierung

    Nach heftigen Protesten radikaler Muslime beschließt die Regierung Pakistans, dass eine Berufung gegen den Freispruch der unrechtmäßig zum Tode verurteilten Katholikin Asia Bibi möglich sein soll. Das katholische Hilfswerk „missio Aachen“ übt deutliche Kritik.

    Im Fall der unrechtmäßig wegen Blasphemie zum Tode verurteilten pakistanischen Christin Asia Bibi fordert das internatio... Foto: Irum Asim (AP)

    Im Fall der unrechtmäßig wegen Blasphemie zum Tode verurteilten pakistanischen Christin Asia Bibi fordert das internationale katholische Hilfswerk „missio Aachen“ die Bundesregierung und die Europäische Union zum Einschreiten auf. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung schreibt der Präsident des Hilfswerks, Prälat Klaus Krämer: „Es muss verhindert werden, dass Asia Bibi, ihrer Familie und ihren Unterstützern etwas zustößt.“ Die pakistanische Regierung müsse für die Sicherheit der 47-Jährigen sorgen und die rechtsstaatliche Umsetzung des Freispruchs für Bibi und deren Reisefreiheit garantieren.

    Schicksal Asia Bibis weiter ungewiss

    Das Schicksal der pakistanischen Christin Asia Bibi ist aktuell weiter ungewiss. Nachdem das Oberste Gericht Pakistans das Todesurteil gegen die 47-Jährige vergangene Woche aufgehoben hatte, gab die Regierung den heftigen Protesten fanatischer Muslime nach. Sie einigte sich mit der islamistischen Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) und anderen Gruppen auf einen Kompromiss, wonach eine Berufung gegen das Urteil möglich sein soll. Daher ist Bibi momentan noch immer nicht frei und darf das Land nicht verlassen.

    Missio-Präsident Krämer betont in seiner Stellungnahme, der pakistanische Staat dürfe auch im eigenen Interesse nicht fundamentalistischen Hardlinern nachgeben. „Die Lage ist unübersichtlich, wir machen uns Sorgen“, so der Prälat. Missio Aachen fördert die katholische Kirche in Pakistan und sammelte nach eigenen Angaben 18 425 Unterschriften für die Freilassung Asia Bibis.

    Missio-Präsident Krämer: "Wir machen uns Sorgen"

    Auch die katholischen deutschen Bischöfe brachten ihre Sorge über die dramatischen Entwicklungen in Pakistan, die der Fall Bibis auslöste. „Ich hoffe und bete, dass das ganze Land und besonders auch die kleine Gruppe tapferer Christen, die dort leben, diesen Sturm unbeschadet überstehen“, so der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der für das Thema Weltkirche zuständig ist.

    Die Pakistani Asia Bibi ist die erste katholische Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Nach der Verurteilung im Jahr 2010 wurde das Todesurteil 2014 bestätigt, im Jahr darauf jedoch vorläufig ausgesetzt.

    Deutsche Bischöfe beten für "tapfere Christen" in Pakistan

    Im islamisch geprägten Pakistan gilt Blasphemie als Verbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet wird. Die Auslegung des Begriffs fällt in der Praxis jedoch oft sehr weit aus. So gelten bereits abfällige Äußerungen zum Islam oder dem Koran und dem Propheten Mohammed als blasphemisch. Kritiker erheben immer wieder den Vorwurf, die Blasphemiegesetze würden ausgenutzt, um persönlichen Feinden zu schaden.

    DT/mlu

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