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    Asia Bibi: Ausreise nicht vor Revisionsverhandlung

    Der Anwalt der verfolgten pakistanischen Christin Asia Bibi hofft nach erneuten Gesprächen mit den Behörden, dass seine Mandantin bald ausreisen darf. Vor Beginn der Revisionsverhandlung im Januar sei dies jedoch unwahrscheinlich.

    Zum aktuellen Aufenthaltsort Asia Bibis erklärte ihr Anwalt, sie lebe mit ihrem Mann in der Nähe der pakistanischen Haup... Foto: Boris Roessler (dpa)

    Der Anwalt der verfolgten pakistanischen Christin Asia Bibi, Saif-ul-Malook, hat sich erneut zu Gesprächen mit den pakistanischen Behörden getroffen. Er hofft, dass seine Mandantin bald ausreisen darf. „Sie haben mir gesagt, dass sie damit einverstanden sind, wenn Asia mit ihrer Familie das Land verlässt“, äußerte sich ul-Malook gegen über der „Bild am Sonntag“. Jedoch sei es unwahrscheinlich, dass Bibi noch vor Beginn der Revisionsverhandlung im Januar ausreisen dürfe.

    Aktuell lebt Bibi mit ihrem Mann in der Nähe Islamabads

    Aufgrund des Vorwurfs der Blasphemie war die Katholikin neun Jahre lang in Pakistan inhaftiert gewesen. Anfang November sprach der Oberste Gerichtshof Pakistans die Mutter von fünf Kindern zunächst frei. Daraufhin war es in zahlreichen Städten Pakistans zu heftigen Protesten radikaler Islamisten gekommen. Die pakistanische Regierung beugte sich dem Druck und einigte sich mit der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) darauf, einen Berufungsprozess gegen Bibi zuzulassen. Kurz darauf wurde die 47-Jährige dann aber doch aus der Haft entlassen.

    Zum aktuellen Aufenthaltsort Asia Bibis erklärte ihr Anwalt, sie lebe mit ihrem Mann in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad und werde von Sicherheitskräften bewacht. „Ihre beiden Töchter wurden diese Woche in die Hauptstadt gebracht.“ Zudem sollen sie bereits Visa eines westlichen Staates besitzen, so Malook. Der Anwalt ist nach Europa geflohen, nachdem er selbst ins Visier radikaler Islamisten geriet.

    Mehrere westliche Länder zur Aufnahme Bibis bereit

    Mehrere westliche Länder haben sich bereits zur Aufnahme Asia Bibis bereit erklärt, darunter Deutschland, Frankreich, Italien und Kanada. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes zitiert die „Bild am Sonntag“ mit folgenden Worten: „Wir arbeiten weiter auf diplomatischen Kanälen daran, dass Frau Bibi, wenn sie das möchte, Pakistan verlassen kann.“

    Asia Bibi ist die erste katholische Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Nach der Verurteilung im Jahr 2010 wurde das Todesurteil 2014 bestätigt, im Jahr darauf jedoch vorläufig ausgesetzt.

    Blasphemie gilt in Pakistan als Kapitalverbrechen

    Im islamisch geprägten Pakistan gilt Blasphemie als Verbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet wird. Die Auslegung des Begriffs fällt in der Praxis jedoch oft sehr weit aus. So gelten bereits abfällige Äußerungen zum Islam oder dem Koran und dem Propheten Mohammed als blasphemisch. Kritiker erheben immer wieder den Vorwurf, die Blasphemiegesetze würden ausgenutzt, um persönlichen Feinden zu schaden.

    DT/mlu

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