• aktualisiert:

    Eichsfeld

    Junge Federn: Himmelfahrt in Thüringen

    Am Klüschen Hagis, einer kleinen Wallfahrtskapelle in Thüringen, fand an Christi Himmelfahrt der womöglich größte Gottesdiens der vergangenen Monate statt. Das macht Mut für die Zukunft.

    Wallfahrt in Thüringen
    Keine Maidemo, keine Corona-Demo, keine andere Veranstaltung zog in Thüringen so viele Leute an, wie eine eigentlich abg... Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

    Selbstverständlich ist der Gottesdienstbesuch noch nicht wieder. In Thüringen ist die Feier öffentlicher Gottesdienste seit einem Monat unter Auflagen wieder erlaubt. Wallfahrten und andere kirchliche Großveranstaltungen wurden aber abgesagt. Am Himmelfahrtstag findet im Eichsfeld, einer katholischen Insel in der Thüringer Diaspora, traditionell die „Männerwallfahrt“ statt. Auch sie wurde offiziell abgesagt. Am Klüschen Hagis, einer kleinen Wallfahrtskapelle, versammeln sich am Himmelfahrtstag jedes Jahr bis zu 10.000 Gläubige.

    Über 1.000 Gläubige bei schönstem Sonnenschein

    Dass es in diesem Jahr anders wird, war klar. In der neuen Thüringer Corona-Verordnung wurde die Teilnehmerbeschränkung für Gottesdienste aufgehoben, nur der Sicherheitsabstand musste gewahrt werden. Am Klüschen Hagis fand 10 Uhr, wie dort Sonn- und Feiertags üblich, das Hochamt statt. Auf dem Weg dorthin war ich sehr gespannt, was man dort vorfindet. Eine Stunde vor Beginn der Messe waren schon einige Menschen vor der Kapelle. Bis zum Beginn der Messe füllte es sich weiter. Vielleicht waren es sogar über tausend Gläubige, die sich bei schönstem Sonnenschein einfanden, um gemeinsam die Messe zu feiern. Die Wallfahrerzahl war kleiner als in anderen Jahren und es gab kein Rahmenprogramm, kein Pontifikalamt und sonstiges Drumherum. Die Menschen kamen aus einem Grund zusammen: um die heilige Messe zu feiern.

    Dass dieser Tage so viele Menschen zusammenkommen, ist alles andere als selbstverständlich. Ich glaube es war die vielleicht größte Veranstaltung der letzten Monate in Thüringen und wahrscheinlich der größte Gottesdienst der letzten Monate in Deutschland. Man muss sich einmal vor Augen halten: keine Maidemo, keine Corona-Demo, keine andere Veranstaltung zog in Thüringen so viele Leute an, wie eine eigentlich abgesagte Wallfahrt. Kein Gottesdienst in unseren großen Kathedralen hat so viele Gläubige angezogen, wie die kleine im Wald gelegene Wallfahrtskapelle im Eichsfeld. Das macht Mut für die Zukunft. So viele Menschen kommen zusammen, nicht wegen irgendwelchem Drumherum, klugen Rednern, schönen Festen oder sonstigem. So viele Menschen kommen zusammen, um Gottesdienst zu feiern und dem Herrn nahe zu sein.

    Losziehen, um zum Herrn zu kommen

    Wirklich begreifen konnte ich die Größe dieses Erlebnisses erst am Himmelfahrtsabend und bin tief beeindruckt und glücklich darüber, dieser Kirche anzugehören, in der so etwas möglich ist. Die Gläubigen brechen einfach auf und ziehen los, um zum Herrn zu kommen. Ein schönes Bild, das hängen geblieben ist und mich das Prinzip der Wallfahrt noch mehr schätzen lehrt.

    Der Autor, 20, studiert Geowissenschaften in Jena

    Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .

    Weitere Artikel