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    Auschwitz

    Junge Federn: Gott war in Auschwitz

    In der Ausweg- und Trostlosigkeit des Konzentrationslagers spendete Maximilian Kolbe seinen Mithäftlingen Mut. Er hat das Licht Christi inmitten der Dunkelheit von Menschenhass und Tod aufleuchten lassen.

    Maximilian Kolbe
    Kreativ und weitblickend packte der heilige Maximilian Kolbe seine Aufgaben an. Foto: dpa

    Schweren Herzens mussten meine Familie und ich unsere für dieses Jahr geplante Polenreise wegen des Corona-Virus absagen. Deshalb kann ich hier nur eine Erinnerung von vor vielen Jahren mit euch teilen. Neben Tschenstochau und Krakau stand auch ein Besuch in Auschwitz auf dem Programm.

    Ich war zum ersten Mal 2007 oder 2008 mit meinen Eltern im Stammlager Auschwitz und in Birkenau. Neben den großen Kästen mit den Zyklon B-Konserven und Koffern bleibt mir die Zelle im Kopf, in der Maximilian Kolbe 1941 ermordet wurde. Block 11. Direkt neben der Todeswand. Nach einer erfolgreichen Flucht eines Häftlings wurden zehn Häftlinge als Vergeltung ausgewählt, um im Hungerbunker für die Tat des Geflohenen zu büßen. Maximilian Kolbe nahm den Platz eines Familienvaters ein. In der Ausweg- und Trostlosigkeit spendete er seinen Mithäftlingen Mut und hatte die Kraft, zu beten und zu singen.

    Göttliche Kraft in menschlicher Schwachheit

    Kolbe hatte keine Chance gegen die Tötungsmachinerie der Nazis, aber er konnte das ihm Mögliche tun, wie es in der Präfation der Märtyrer heißt: „Im Martyrium des heiligen Maximilian Kolbe offenbarst du das Wunder deiner Gnade, denn in der menschlichen Schwachheit bringst du deine göttliche Kraft zur Vollendung.“

    Kolbe hat das Licht Christi inmitten der Dunkelheit von Menschenhass und Tod aufleuchten lassen – in den Augen der Aufseher und Kapos eine sinnlose Dummheit – für Gläubige eine heilige Tat. Karl Fritzsch, der Schutzhaftlagerführer, war ohne es zu wissen, Teil der göttlichen Vorsehung in diesem Augenblick. Er war es, der das Angebot Maximilian Kolbes angenommen hat, nachdem der eigentlich ausgesuchte Häftling Franciszek Gajowniczek, ein Familienvater, in Tränen ausgebrochen war. Diese drei Namen bleiben für immer miteinander verbunden im Heilsplan Gottes.

    "Ich bin bei euch alle Tage"

    Der folgende Vergleich erscheint mir passend, obwohl die Situationen komplett unterschiedlich sind: Im sechsten Teil der Harry Potter-Reihe heben Lehrer und Schüler nach dem Tod Albus Dumbledores ihre Zauberstäbe. Das Licht durchdringt die Dunkelheit des dunklen Males über Hogwarts. Die Dunkelheit scheint sie zu übermannen, aber mit jedem weiteren Zauberstab wird der Himmel heller und die Finsternis muss weichen.

    So ähnlich stelle ich mir die unzähligen Lichter gelebter Nächstenliebe vor, die das Dunkel der scheinbaren Gotteslosigkeit in den Konzentrationslagern erhellt haben.

    In seiner Liebestat für einen Mithäftling zeigt sich in Maximilian Kolbe der Herr wahrhaftig. „Ich bin bei euch alle Tage“ hat der Herr versprochen und hält es: „Jesus, du bist hier, die rote Lampe zeigt es mir!“

    Der Autor, 29, ist Online-Redakteur beim christlichen Sender Radio Horeb

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