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    Hamburg

    Junge Federn: Eine Krise? – Eine Chance!

    Einschränkungen, Isolation, Gottesdienstverbote: Die Coronakrise kann zu einer richtigen emotionalen Achterbahnfahrt werden.

    Corona als Chance
    München: Eine Frau mit Mundschutz verfolgt einen Gottesdienst in der ansonsten fast menschenleeren St. Matthäuskirche. Foto: Sven Hoppe (dpa)

    Was ist eigentlich eine Krise? Dort wo bei der allgemeinen Definition von einer „schwierigen Lage, Situation, Zeit gesprochen wird, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt“, führt uns das griechische Wort „krisis  = Entscheidung, entscheidende Wendung“ auf eine andere Fährte, welcher ich mit der folgenden Geschichte folgen möchte: Ich erinnere mich noch ganz genau an das Wochenende des 15. März, an dem das erste Mal in meinem Leben die katholische Sonntagsmesse „offiziell ausfiel“.

    Was für eine Fastenzeit 2020! Das war der unfreiwillige Beginn einer neuen Realität, die sich langsam ausbreitete und meine sonst so behütete Umwelt mit ihren Begegnungen und Aktivitäten ziemlich hart überrollte. Ich wollte es einfach nicht glauben, dass der heilige Ort der Christusbegegnung auf einmal staatlich desinfiziert wurde. Es folgten weitere Einschränkungen; Straßen und Bahnen wurden sichtbar leerer, Menschen gingen mir bogenförmig aus dem Weg, die Produktion in meiner Firma wurde gedrosselt; es gab weniger zu arbeiten und schließlich wurde ich dann auch noch krank.

    Für kontaktfreudige Menschen eine Krise

    Ein Infekt, der glücklicherweise sanft aber doch hartnäckig tagelang in meinem Körper seine Runde drehte und in einer Sinusitis endete. Viele Telefonate und immer wieder die Frage „Habe ich ES, das Virus, eventuell doch?“ Getestet wurde ich nicht, denn ich fiel als „Nicht-Risiko-Patient“ durch das Raster durch. Ich bekam viele Tage krankgeschrieben und da saß ich dann – zu Hause.

    Bei allem Optimismus fuhr ich emotional ziemlich Achterbahn, denn jetzt kam auch noch die Isolation dazu. Eine ziemliche Krise für einen kontaktfreudigen Menschen wie mich. Das war das Ende und an dieser Stelle begann die entscheidende Wende. „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.“ (Ps 23) Das war der Antwortpsalm vom 22. März – eine Woche danach. Jesus Christus ist da! (Vgl. Joh 8,58) Bei aller Neugier nach Zahlen und Fakten schenkte ER mehr Sicherheit und Ruhe in diesem schwebenden Zustand der Ungewissheit. „Der Glaube ist der auf diese bestimmte Gotteswirklichkeit antwortende Akt“, schreibt Romano Guardini in seinem Werk „Vom Leben des Glaubens“. Wenn wir ruhig werden und hinhören, werden wir durch ihn in eine ganz neue Gegenwart geführt; zu einer persönlichen Christusbegegnung. Dort entdecken wir dann eine Weite, die wie prächtige Auen dynamische Lebensräume mosaikartig untereinander verzahnt, offenbart. Oft sind es die Umstände, die uns verändern und uns neu entscheiden lassen. Eine Chance!

    Der Autor, 26, arbeitet als Klavierbauer in Hamburg

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