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    Junge Federn: Das Pfingstfest als Chance

    Der durch das Coronavirus bedingte Stillstand ließ den Karfreitag in diesem Jahr gefühlt gar nicht mehr enden. Nun steht das Pfingstfest bevor - Zeit für eine intensive Begegnung mit Gott.

    Dresdner Frauenkirche
    Als Christen besitzen wir trotz vieler unterschiedlicher Kirchen und Glaubensgemeinschaften alle die Aufgabe, die Botsch... Foto: Arno Burgi (dpa-Zentralbild)

    Die diesjährige Osterzeit wird uns wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Doch nicht, weil diese erst eine kurze Weile zurückliegt. Wie an keinem anderen Osterfest bisher verblieb in diesem Jahr anstatt einer erlösenden, feierlichen und ausgelassenen Stimmung nur ein überschattendes sowie erdrückendes Gefühl, und der durch das Coronavirus bedingte Stillstand, der die komplette Welt im Griff zu haben schien, ließ den Karfreitag gefühlt gar nicht mehr enden. Die ersehnte Auferstehung Christi war dadurch nur teilweise spürbar, die gewohnte österliche Freude wollte einfach nicht richtig aufkommen.
    Nun steht uns unmittelbar das Pfingstfest bevor, welches die Osterzeit im Kirchenkalender wie jedes Jahr beendet. Mit dieser besonderen Feierlichkeit geschieht eine intensive Begegnung mit Gott, der durch seine Dreifaltigkeit als Heiliger Geist unter uns Menschen auf die Erde tritt, um uns die christliche Botschaft verkünden zu lassen und unseren Glauben erneut in uns festigt.

    Die christliche Botschaft richtet sich an alle Menschen

    Obwohl Pfingsten die Geburtsstunde unserer Kirche markiert, bedeutet dies nicht, dass wir als Christen die einzigen sind, denen Gott begegnen kann und die seine Nähe spüren dürfen. Die christliche Botschaft richtet sich an alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrer Religion. Durch die Coronakrise sind wir schließlich auch alle als Menschen betroffen, müssen als Gemeinschaft fungieren und uns gegenseitig Unterstützung, Verständnis und Liebe schenken. Der Glaube und die Religion sollten uns gerade in diesen schwierigen Zeiten nicht voneinander trennen und entfernen.

    Als Christen besitzen wir trotz vieler unterschiedlicher Kirchen und Glaubensgemeinschaften alle die Aufgabe, die Botschaft Gottes weiterhin zu verbreiten, da diese das Gemeinwohl und das Wohl aller sowie nicht nur das kirchliche, sondern auch das gesellschaftliche Zusammenleben umfasst. Um dieser Verantwortung weiterhin gerecht zu werden, sehe ich das kommende Pfingstfest als eine große Chance, die Pfingstbotschaft an alle Menschen weiterzugeben, vor allem an jene, die besonders von der aktuellen Krise betroffen sind. In der Bibel erscheint der Heilige Geist den Jüngern Jesu zu jenem Zeitpunkt, als diese nicht mehr weiterwissen und erneuert sie von innen, indem er sie dazu befähigt, den Menschen in aller Welt von Gott zu berichten.

    Durch Gott überwiegen die erfreulichen Seiten des Lebens

    Dies ist genau der springende Punkt, der den Sinn der Pfingstbotschaft im Detail beschreibt. Um diese noch verständlicher zu machen und deutlicher hervorzubringen, gilt die Pfingstrose als bekanntes Symbol und passende Umschreibung. Diese besondere Rose besitzt keine Dornen und verdeutlicht somit das damit verschwundene Leid und das ersehnte Ende des schlimmen Schmerzes, der uns eine Zeit lang vermeintlich nicht loslässt. Die verbliebene geöffnete Blüte der Rose zeigt uns die Schönheit und Pracht, die nach der finalen Überwindung des Leids besonders im Vordergrund steht, und dass die erfreulichen Seiten des Lebens durch Gott überwiegen.

    Der Gedanke, dass an Pfingsten der Heilige Geist in uns einkehrt und uns die frohe Botschaft verkünden lässt, klingt zunächst zwar einleuchtend und stellt für einen gläubigen Christen keine Neuigkeit dar, ist jedoch ein ziemlich theoretischer Aspekt, den es nun gilt, in die Praxis umzusetzen. Was können wir an Pfingsten tun? Wie vermitteln wir die Botschaft Gottes auch noch in der Zeit danach? Pfingsten beschränkt sich zeitlich gesehen zwar lediglich auf zwei Tage im Kalender, ist jedoch eigentlich zeitlich völlig unbegrenzt. Für viele kann es ein Ansporn oder auch immer wieder eine Erinnerung sein, wozu wir als Christen berufen sind, damit wir diese Zeit als eine Chance nutzen, um aktiv zu werden. Gerade in Zeiten des Coronavirus gilt es, Bedürftigen zu helfen und auf andere zu achten. Menschen benötigen momentan nicht nur materielle und finanzielle Unterstützung. Vor allem mentale Unterstützung wird hier in den Vordergrund gerückt, welche jeder von uns ohne bestimmte Voraussetzungen oder Bedingungen leisten kann.

    Einsatz vieler junger Menschen

    Als beeindruckende Möglichkeit zeichnete sich vor allem der Einsatz vieler junger Menschen aus, die sich dazu bereit erklärten, Landwirte bei der diesjährigen Ernte zu unterstützen. Da die momentanen Einreisebeschränkungen viele Erntehelfer aus dem Ausland daran hindern, einzureisen, muss die Nahrungsversorgung in der derzeitigen Saison selbstverständlich trotzdem gesichert sein. Natürlich kann man auch mit unzähligen, scheinbar kleinen Ideen und weniger Aufwand mitwirken: Anderen Menschen Zeit zu schenken, ihnen zuzuhören oder sie zu ermutigen, stellt ebenfalls eine Option dar, die in unserem stressigen Alltag bisher öfter mal untergehen konnte. Selbst Kranke und Geschädigte in das eigene Gebet mit einzuschließen, auf Gott und den Glauben zu vertrauen und ebenfalls Dinge zu schätzen, anstatt nur das Negative in der Situation zu sehen, ist sehr viel mehr wert, als so mancher denkt. Ich selbst arbeite nebenbei in meiner heimischen Bäckerei im Verkauf. Der Arbeitsalltag erweist sich als eingeschränkt, es gibt viele Regeln und Vorschriften, die es zum Schutz der Allgemeinheit zu beachtet gilt.

    Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist es für mich selbstverständlich geworden, Abstand einzuhalten, einen Mundschutz zu tragen, allerdings normal wie in der Zeit vor dem Ausbruch von Corona ein Brot oder ein Stück Kuchen zu verkaufen. Selbstverständlich ist es für mich mittlerweile auch, dass nicht jeder begeistert darauf reagiert, wenn er auf Schutzmaßnahmen hingewiesen wird, oder sich der Einhaltung dieser gar verweigert. Vor allem fallen mir jedoch die Menschen auf, die sich sehr verständnisvoll zeigen, Vorschriften akzeptieren und sich zusätzlich herzlich bedanken. Solche Kleinigkeiten freuen mich und meine Kolleginnen besonders, denn sie machen die derzeitigen Umstände für alle erträglicher. Nun gilt es, auch diesen Umgang miteinander selbstverständlicher zu machen, um den Zusammenhalt zu stärken. Es ist das Positive, was die Pfingstbotschaft lehrt. Es ist der Anstoß, wie eine zweite Auferstehung, die uns dazu bewegen will, nicht untätig auf das Pfingstwunder zu warten, sondern es selbst geschehen zu lassen, indem wir die Botschaft aktiv austragen. Es ist die Hoffnung, der wir eine Chance geben müssen.

    Die Autorin, 19, studiert Medien- und Kulturwissenschaften

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