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    Salzburg

    Aufmerksam in der Messe

    Ständig ist unsere Aufmerksamkeit gefragt, die Gedanken schweifen während der heiligen Messe schon mal ab. Doch wir müssen Jesus Christus in seiner Heimat, der Kirche, mit allen Sinnen wahrnehmen. Nur so kann der Glaube exponenzielle Auswirkung haben.

    Aufmerksamkeit im Gottesdienst
    Wenn Jesus Christus seine Heimat bei uns, in unserer Kirche hat, dann sind es nun wir, die in der Gefahr stehen, Augen z... Foto: Ronny Hartmann (ZB)

    Lesung aus dem Buch … Ja, aus welchem Buch der Bibel war denn heute gleich wieder die Lesung? Diese Frage überfällt mich regelmäßig während oder nach der heiligen Messe. Manchmal bis oft kann ich mich schon direkt nach einer Lesung nicht mehr wirklich erinnern. Die Gedanken waren woanders, oder ich habe die Zeit genutzt, einfach mal abzuschalten, wann hat man sonst auch die Gelegenheit dazu. Ständig ist unsere Aufmerksamkeit gefragt, da kann es doch nur gut sein, wenn Körper und Geist sich sicher und geborgen fühlen und sich die Aufmerksamkeitssensorik in den Ruhezustand versetzt.

    Die Sache läuft, das Wunder geschieht

    Die Sache läuft, das Wunder, dass Gott unter uns in den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig wird, es geschieht – ob ich nun genau darauf achte, oder nicht. Insofern gleicht die Erfahrung mit den Lesungstexten in der Heiligen Messe den Erfahrungen in meinem Elternhaus. Dort brauche ich keine erhöhte Aufmerksamkeit zum Treppensteigen, ich muss auch den Lichtschalter beim Betreten eines dunklen Raumes nicht suchen, alles hat seine wohlbekannte Ordnung: Wenn ich nicht darüber nachdenke, steigen sich die Treppen von selbst und den Lichtschalter im Badezimmer finde ich blind.

    Ähnliche Erfahrungen hat wohl auch Jesus in seiner Heimat gemacht: „Ein Prophet wird in seiner eigenen Heimat nicht geehrt.“ (Joh 4,44) An anderer Stelle heißt es im Evangelium, dass der Christus in seiner Heimat keine Wunder tun konnte (Mk 6,5). Doch warum? Müsste es nicht vielmehr umgekehrt sein?
    „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht.“ (Joh 4,48) so die wiederkehrende Erfahrung Jesu. In Psalm 135 heißt es: „Sie haben Augen und sehen nicht.“ Auf die Menschen in Jesu Heimat trifft dieses Wort wohl zu: Sie kannten Jesus von Kindesbeinen an, wussten über Alles Bescheid, seine Allüren – längst bekannt. Kein Grund, also besonders aufmerksam zu sein und sich beunruhigen zu lassen. Auch nicht von diesen Wundergeschichten aus der Umgebung. Die Menschen in der Heimat Jesu von Nazareth können seine Wunder nicht sehen. Sie sind betriebsblind geworden.

    Nicht betriebsblind für Jesu Wirken sein

    Wo hat Jesus Christus heute seine Heimat? Bei uns, in seiner Kirche, so glauben wir, ist er gegenwärtig in seinem Wort und Sakrament. Wenn Jesus Christus seine Heimat bei uns, in unserer Kirche hat, dann sind es nun wir, die in der Gefahr stehen, Augen zu haben und nicht zu sehen, betriebsblind für sein Wirken zu sein. Genau das ist die gefährliche Seite des Ruhezustands, nicht nur während der Feier der Heiligen Messe.

    Vielleicht ist auch das ein Punkt, den das Corona-Virus mit all den Einschränkungen in unserer Zeit bezeichnen will: Das Wunder geschieht, save. Wenn wir es wirklich, mit allen Sinnen wahrnehmen, kann das exponenzielle Auswirkungen haben.

    Der Autor studiert katholische Fachtheologie in Salzburg

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