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    Würzburg

    Junge Federn: Meine Gruppe, mein Korrektiv

    Ein guter Leiter sollte Kritik grundsätzlich annehmen und zulassen. Denn dahinter steckt meist eine positive Absicht.

    Leiter von katholischen Gruppen
    Damit eine Grupee funktioniert, braucht sie einen Leiter, der Verantwortung übernimmt. Im Bild: Der Thomanerchor singt i... Foto: Waltraud Grubitzsch (dpa-Zentralbild)

    Kirchenchor, Jugendgruppe, Glaubenskurs, Gemeinde, Bewegung oder Gemeinschaft. Jeder von uns bringt sich in katholische Gruppen ein. Aber auch bei uns Katholiken funktioniert eine Gruppe nicht automatisch. Damit eine Gruppe funktioniert braucht sie einen Leiter, der Verantwortung für die Gruppe übernimmt und von dem sich die Gruppenmitglieder leiten lassen. Leiter zu sein hat viele Dimensionen, eine davon ist der Umgang mit Kritik.

    Kritik ist meist ehrlich und zielführend

    Sicher hat jeder Leiter schon die Erfahrung gemacht, stundenlang Mühe in die Vorbereitung eines Treffens investiert zu haben. Und dann ist das Treffen trotz allem nicht zufriedenstellend verlaufen. Und zum Schluss gab es auch noch Kritik eines Mitglieds über das schlechte Timing. Das hat gerade noch gefehlt! Es ging doch gar nicht anders! Sieht denn keiner die ganzen Anstrengungen und Mühen? Jetzt ist es echt Zeit, wenigstens dem Kritiker den Riegel vorzuschieben? Nein, Vorsicht! Einen guten Leiter macht ein guter Umgang mit Kritik aus. Aber was heißt das? Natürlich ist zu differenzieren, aber ein guter Leiter sollte Kritik grundsätzlich annehmen und zulassen. Hinter Kritik steckt meiner Erfahrung nach meist eine positive Absicht. Sie ist in der Regel ehrlich und zielführend gemeint. Der Leiter hat oft die Möglichkeit, das umzusetzen, was die Mitglieder bemerken. Deshalb sollte der Leiter für die Kritik der Mitglieder stets offen sein und sie freimütig annehmen. Sie haben eine andere Perspektive und können den Leiter dabei unterstützen, Missstände aufzudecken. Sein Motto sollte lauten „Meine Gruppe, mein Korrektiv“.

    Charakterstärke ist gefragt

    Dies bedarf durchaus einer gehörigen Portion Charakterstärke. Manchmal scheint es einfacher zu sein, Kritik zu überhören, zu vergessen, sich nur darüber zu ärgern, sich zu rechtfertigen oder es besser zu wissen. Langfristig führt ein solches Verhalten jedoch dazu, dass der Leiter die Gruppe schlechter leiten kann und sein Verhalten bei den Mitgliedern übel aufstößt, wenn nicht gar zu Entmutigung oder Ohnmachtsgefühlen führt. Wer sich korrigieren lässt, zeigt dabei nicht mangelndes Selbstbewusstsein, Unsicherheit oder Unfähigkeit. Ganz im Gegenteil! Wer sich korrigieren lässt, zeigt Stärke, er wertschätzt und ehrt seine Mitglieder und beweist, dass sie ihm wirklich am Herzen liegen. Wer sich korrigieren lässt, der wird merken, dass er sich Respekt und Vertrauen der Mitglieder verdient, sie ihm mit Wertschätzung begegnen. Wer noch einen draufsetzen will, kann seine Mitglieder sogar zu ehrlicher Kritik ermutigen. Probiert es aus, liebe Leiter.

    Die Autorin, 21, studiert Rechtswissenschaften in München

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