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    Würzburg

    Junge Federn: Der beste Psychologe

    Viele Menschen suchen wegen ihrer seelischen Wunden Therapeuten auf. Hätten mehr Menschen den Glauben, würden viele dieser Wunden vielleicht gar nicht erst entstehen.

    Gott als Psychologe
    Es kann keinen besseren Psychologen geben als Gott, denn er ist unser Schöpfer und kennt unser Seelenleben am allerbeste... Foto: Felix Kästle (dpa)

    „Und was machst du so?“ – „Ich studiere Psychologie.“ Mein Gegenüber weicht respektvoll zurück oder nickt andächtig. Psychologie berührt eben jeden. Sie beschäftigt sich längst nicht mehr nur mit Geisteskranken, sondern mit Fragen wie: Was prägt die Seele des Menschen? Wie äußert sich das im Denken und Verhalten?

    Liebe und Zusammenhalt sind selten geworden

    Während ich vor dem Studium als Au Pair Verantwortung für kleine Kinder übernommen habe, wurde mir die Wichtigkeit der Erziehung und der vorgelebten Werte immer mehr bewusst. Liebe und Zusammenhalt sind eine Seltenheit geworden. Überall blickt man in unzufriedene Gesichter, Menschen ohne richtige Heimat, Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie leben sollen. Was macht die Gesellschaft falsch, dass sie so viele zerrissenen Identitäten produziert? Was braucht man, um erfüllt zu leben? Mit diesen Fragen ging ich hochmotiviert in meine ersten Vorlesungen und wurde schnell von einer gewaltigen Lawine pseudo-mathematischer Kognitionsmodelle und stupider Reaktionszeitexperimente, die nur an der Oberfläche der Seele zu kratzen schienen, erdrückt. Kann man damit tatsächlich Menschen helfen? Christus sagt uns, dass wir nichts ohne Ihn tun können (vgl. Joh 15, 5). Dürfen wir es dann ganz ohne Ihn versuchen? Ich habe es mir zu Aufgabe gemacht, meinen Glauben, für den sich dort niemand zu interessieren schien, mit der Psychologie als „Lehre der Seele“ wieder zu vereinen.

    Priester statt Psychologen, Beichtstühle statt Praxen

    Viele Menschen suchen wegen ihrer seelischen Wunden Therapeuten auf. Ich bin mir inzwischen aber sicher, dass viele dieser Wunden gar nicht erst entstanden wären oder viel schneller heilen würden, hätten mehr Menschen den Glauben. Gott ist unser Schöpfer, niemand kennt unser Seelenleben besser als Er. Es kann keinen besseren Psychologen geben als Ihn! Es sollte selbstverständlich sein, dass wir uns bei Problemen an Ihn wenden. Tatsächlich hilft Er uns, diese Welt zu überwinden: Durch Seine Kirche, Seine Gebote, das Evangelium und vor allem durch Sein eigenes Vorbild im Leben Jesu Christi. Aber anstatt dankbar zu sein, verwirft man Seine Gebote und belächelt Sein Beispiel. Wen wundert es da noch, dass so viele Menschen im tiefsten Inneren unglücklich sind? Klingt das vielleicht zu naiv: Priester statt Psychologen, Beichtstühle statt Praxen? Nun, so einfach ist es nicht und gerade heute brauchen wir gute Psychologen, Therapeuten und Psychiater. Wir haben einen Verstand und dürfen die Psyche erforschen. Aber sicher wäre vieles anders, würde man dies alles in der Wahrheit, im Namen Christi beginnen!

    Die Autorin, 21, studiert Psychologie an der Universität Trier

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