• aktualisiert:

    die frage

    Was ist bei der Medienerziehung von Kindern – TV, Smartphone, Computer – aus christlicher Sicht geboten? Stephanie Kurz, Paderborn

    Es antwortet: Hans Zier, OStR i.R. Foto: privat

    Zunächst sicher dieses: Das Kind nimmt viel tiefer das Geschaute auf als wir, die Erzieher. Wenn Kinder malen, nach etwas Erlebtem nachfragen oder TV-Figuren imitieren, sind wir manchmal überrascht, mit welcher Präzision Haltung, Gestus und Ablauf kindlich reproduziert werden. Aufgenommen von unseren Kleinen wird auch unsere Mimik bei Gesprächen, Auseinandersetzungen oder Bemerkungen, selbst wenn sie ins Spiel vertieft scheinen. Und manches davon, nein Vieles, begleitet uns in unsere Erwachsenenexistenz. Das Bild, mehr noch ein „bewegtes“ Bild, haftet wesentlich länger und intensiver in unserem Gedächtnis und wird wachgerufen bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten. Heute stellt sich jeder Referent auf diese lernpsychologische Gegebenheit ein.

    Und Eltern stellen sich ein auf TV-Sendungen, wenn sie sich nicht dem Zeitdiktat der Programme unterwerfen und den Familienrhythmus gestört haben wollen. Der Technikstandard der Empfangsgeräte erlaubt ein Aussuchen, zeitliches Verschieben auf später oder eine Wiederholung einer wertvollen Sendung. Bei zunehmendem Alter können die Kinder in das Auswahlverfahren mit eingebunden werden. Das kann bei einfühlsamer Begleitung in eine frühe Eigenverantwortung führen. Konfliktmöglichkeiten sind deswegen nicht automatisch behoben.

    Schwieriger wird es bei den Medien, die nicht mehr in die unmittelbare Begleitung der Erziehenden fallen, weil sie im Internet oder außer Hause benutzt werden. Kindersichere Sperren im PC daheim sind für Eltern kleinerer Kinder noch eine Möglichkeit, Jugendliche sollten dann schon in eigener Verantwortung sicher mit den Kontakten, den Sendungen, den Links umgehen können. Der Schutz der eigenen Persönlichkeit steht mit den hochtechnisierten medialen Netzwerken auf dem Spiel, wovon jeder Gemobbte ein Lied singen kann. Die Versuchung, einfach im Pulk mitzutun, damit man mitreden kann, im Gespräch und im riesigen Bekanntenkreis eine Größe darstellt, ist groß. Wie groß ist aber die Bereitschaft, einem anderen richtig zuzuhören, auf ihn einzugehen, wenn man in einer Gruppe mit dem Smartphone hantierenden Kumpels sich gegenseitig die neuesten Links und Facebooknews zusendet? Kann dann ein jugendlicher Mensch noch gegen den Strom schwimmen und eine eigene, begründete Meinung entwickeln, wenn eine erdrückende Mehrheit von Korrespondenten einen Mainstream erzeugt, der der inneren Stimme entgegengesetzt ist? Haben sie dann einen reifen Gesprächspartner, der noch nicht von der sog. öffentlichen Meinung und der „political correctness“ verbogen wurde?

    Erzieherisches Handeln aus christlicher Sicht kann sich schon beim Kind, erst recht beim Erwachen des eigentlichen Ichs beim Jugendlichen von folgender Überlegung leiten lassen: Ist nicht die Einmaligkeit jeder Person letztlich in dem Bild begründet, das der liebende Schöpfer in uns grundgelegt hat und in einem längeren Entwicklungsprozess zur Reife drängt? Dann ist jede Medienbenutzung auf dieser Entdeckungsfahrt ein Gewinn.

     

    Weitere Artikel