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    die frage

    Unser Sohn will sich auf die Suche nach seiner Berufung machen. Er weiß aber nicht recht, wie. Was können wir tun, um ihn zu unterstützen? Kathrin Heinz, Köln Eltern überlegen, wie sie ihre Kinder auf dem Weg ins Leben unterstützen können. Geht es um eine geistliche Berufung, ist mit der Frage: „Was können wir tun?“ der erste Schritt bereits gemacht: Ein Zeichen ist gesetzt der Offenheit und Hilfsbereitschaft! Das ist heute leider nicht mehr selbstverständlich, weder in Familien noch im sozialen Umfeld. Geistliche Berufungen werden kritisch hinterfragt, als unzeitgemäß abgelehnt oder sogar offen bekämpft. Wer freut sich denn noch darüber oder betet etwa dafür?

    Es antwortet: Abt Winfried Schwab OSB. Foto: IN

    Eltern überlegen, wie sie ihre Kinder auf dem Weg ins Leben unterstützen können. Geht es um eine geistliche Berufung, ist mit der Frage: „Was können wir tun?“ der erste Schritt bereits gemacht: Ein Zeichen ist gesetzt der Offenheit und Hilfsbereitschaft! Das ist heute leider nicht mehr selbstverständlich, weder in Familien noch im sozialen Umfeld. Geistliche Berufungen werden kritisch hinterfragt, als unzeitgemäß abgelehnt oder sogar offen bekämpft. Wer freut sich denn noch darüber oder betet etwa dafür?

    Berufung meint gerufen zu werden, sie lässt sich nicht „machen“. Wichtigste Voraussetzung ist es, auf die Stimme Gottes zu hören. Benedikt von Nursia beginnt seine Ordensregel deshalb mit den Worten: „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens!“ Hörende sind Suchende. Woran lässt sich aber erkennen, ob der Suchende auf dem richtigen Weg ist?

    Ein Kriterium ist die Sehnsucht nach intensiverem religiösem Leben. Damit ist nicht nur der Gottesdienst gemeint, sondern jede Form der geistlichen Tätigkeit: persönliches Gebet, Mitarbeit in der Gemeinde, soziales Engagement, Vertiefung des Glaubenswissens.

    Berufung kennt weder Druck noch Angst, im Gegenteil. Gott zwingt nicht, sondern lädt ein, seinem Ruf zu folgen. Sie kann als spannend, erfüllend, befreiend erlebt werden. Berufene gehen freudig, heiter und gelassen ihren Weg und sind ausgeglichen, nicht verschlossen, gereizt oder ungeduldig. Denn: Sie vertrauen darauf, dass Gott es gut mit ihnen meint und sie auf den richtigen Weg führt.

    Und nicht zuletzt: Berufung ist sehr vielfältig. Es gibt sie zum Priester- oder Ordensleben ebenso wie zur christlicher Ehe und Familie. Zur Ehelosigkeit in der Zivilgesellschaft ebenso wie zum Dienst des verheirateten Laien in der Kirche. Gefragt ist das lebendige und glaubwürdige Zeugnis für Christus und dessen Botschaft.

    Wer sich auf den Weg begibt, nach der eigenen Berufung zu suchen und ihr dann zu folgen, braucht unbedingt einen geistlichen Begleiter. Nüchterne Betrachtung einer Situation ist oft nur Außenstehenden möglich. Kritische Fragen helfen, das eigene Bewusstsein zu schärfen und das „Ohr des Herzens“ für Gott zu öffnen.

    Bleibt die Frage: Wie können Eltern einem Suchenden helfen? Zunächst und vordringlich mit ihrem Gebet – denn Gott ist es, der beruft. Dabei muss nicht die mögliche geistliche Berufung im Mittelpunkt stehen. Entscheidend ist es, um die Erkenntnis des rechten Weges zu bitten, wohin auch immer er führen mag.

    Wichtig ist zudem ein familiäres und soziales Umfeld, in dem eine Entscheidung ungezwungen reifen kann. Unkritisches Zureden oder gar Überreden hilft ebenso wenig wie vermeintlich gut gemeintes Ausreden. Eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens ist der beste Nährboden für Berufungen.

    Ein Blick auf die Gottesmutter Maria und ihren Bräutigam Josef kann bei alledem sehr hilfreich sein. Als Hörende und Betende erlebten sie die Freuden und Sorgen gläubiger Eltern – und wurden so zu ihrem Vorbild.

     

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