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    Würzburg

    Credo: Er wird euch alles lehren

    Heiliger Geist, persönliche Vorliebe oder satanische Eingebung? Die Unterscheidung der Geister ist eine zentrale Herausforderung für Christen.

    Heiliger Geist und Pfingsten
    Der Heilige Geist niemals eine Eingebung schenken, die der Lehre Christ zuwiderläuft. Foto: Michael Kappeler (dpa)

    In diesen Tagen feiern wir Pfingsten, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Zeitpunkt scheint daher geeignet, sich einmal näher mit der dritten Person der Trinität zu beschäftigen, nicht zuletzt deshalb, weil sie durch das Aufkommen der charismatischen Erneuerungsbewegung eine völlig ungewohnte Aufmerksamkeit erhalten hat. Diese Bewegung stellt „eine große Kraft im Dienst an der Verkündigung des Evangeliums“ (Papst Franziskus) dar, doch leider bringt eine derartige Massenbewegung, insbesondere dann, wenn sie stärker das Gefühl als die Vernunft betont, nahezu zwangsläufig Irrtümer und Denkfehler mit sich. Das soll keineswegs bedeuten, dass alle charismatisch geprägten Christen diesen Irrtümern verfallen sind, aber die Gefahr, persönliche Vorlieben oder gar satanische Eingebungen als Offenbarungen des Heiligen Geistes zu deklarieren, ist ohne Frage gestiegen. Daher gilt es, ein paar Dinge richtigzustellen:

    1. Der Heilige Geist schenkt keine neue Offenbarung

    „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14, 26) In Jesus Christus hat die göttliche Offenbarung ihren Höhepunkt erreicht. Der Heilige Geist wurde nicht gesendet, um weitere Offenbarungen zu wirken, sondern um uns, die wir nicht mehr in der unmittelbaren Präsenz Christi leben, beizustehen, indem er uns an seine Lehren erinnert und uns bei ihrer weiteren Entfaltung unterstützt.

    2. Der Heilige Geist schenkt keine konträre Eingebung

    Erst recht aber kann der Heilige Geist niemals eine Eingebung schenken, die der Lehre Christ zuwiderläuft. Hierzu ist es hilfreich, sich an das Bekenntnis zur Dreieinigkeit zu erinnern, deren Fest nicht zufällig am Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird. Wir bekennen, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist wesensgleich sind, und dass der Geist aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht. Was für viele Menschen wie eine Aufzählung inhaltsleerer Formeln klingt, erweist sich gerade in dieser Frage als überaus wichtig. Wenn der Geist aus dem Sohn hervorgeht und mit diesem wesensgleich ist, dann ergibt sich zwingend, dass er niemals etwas lehren kann, was zur Lehre des Sohns im Widerspruch steht.

    3. Nicht alle Eingebungen stammen vom Heiligen Geist

    Auch andere Mächte können uns beeinflussen und von unseren Gedanken Besitz ergreifen. Deshalb ist die Unterscheidung der Geister oberste Pflicht eines jeden Christen. Hierbei können uns die beiden zuvor genannten Punkte eine große Hilfe sein. Entspricht eine Eingebung nicht dem Geist der Lehre Christi, so kann sie nicht von seinem Geist stammen.

    4. Der Heilige Geist schenkt nicht in jeder Situation eine Eingebung

    Gott hat uns seinen Beistand versprochen, aber wir haben keinen Anspruch darauf, uns bei jeder einzelnen Entscheidung unseres Lebens von seinem Geist führen zu lassen. Wir können die Verantwortung für unsere Entscheidungen niemals an Gott abtreten. Eine nüchterne Analyse der eigenen Situation anhand von Erfahrung und Vernunft gehört zu unseren eigenen Möglichkeiten und muss stets ausgeschöpft werden.

    Mit diesem Beitrag endet die Reihe zu den theologischen Denkfehlern. Nicht alle Fehler konnten behandelt werden, und zweifellos werden Fehler auch weiterhin passieren. Aber es ist gut, dass diese Reihe zum Fest des Heiligen Geistes endet. Mit ihm haben wir den mächtigsten Schild gegen jedwede Art von religiöser Verirrung

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