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    Credo: Spaltung muss sein - Entscheidung ist wichtig

    Nachfolge Christi ist keine Kuschelfahrt. Die Botschaft Jesu ist offensichtlich ständiger Stein des Anstoßes. Von Joachim Schroedel

    Dass die von Jesus gewollte und gestiftete Kirche sich in den Jahrtausenden ihrer Existenz immer und immer wieder entzweit hat, ist ein historisches Faktum. Offensichtlich ist die Botschaft Jesu, und der Bote Jesus, ein ständiger Stein des Anstoßes. Jesus gründet ja keinen „Sozialverein zur Rettung der Umwelt“. Er ruft vielmehr zur „Nachfolge“. Den Aposteln am See Genezareth sagt er nicht: „Lasst uns einen Verein gründen, der sich der Armen und Schwachen annimmt“. Er ruft vielmehr: „Auf, hinter mich“ (etwa Mk 1,7). Diejenigen, die in den Höhen (Tabor) und Tiefen (Golgotha) Jesus nachfolgen, bleibt dann freilich nichts erspart. Nachfolge Jesu ist keine Spazierfahrt, sondern ein Kreuzweg.

    Mir scheint, die Christen in der Verfolgung und Bedrängnis sind heute diejenigen, die am besten den Ruf Jesu erfüllen. Sie fragen nicht nach Strukturreform der Kirche, nicht nach Abschaffung des Zölibats, Zweitehe, Segnung von Paaren des gleichen Geschlechts, Kommunion für alle oder Priestertum der Frau. Sie fragen, oft vor dem Abgrund stehend und mit dem Tode bedroht, was Jesus Christus, das fleischgewordene Wort Gottes, ihnen bereithält.

    Die Christen des Orients nennen sich „Kirche des Kreuzes“. Das von fast allen Kopten in die Haut tätowierte Kreuz ist Zeichen des Sieges über die verkommene und verworrene Welt.

    Sie wissen: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,31–39).

    Freilich wird dieser Glaube nicht von allen geteilt. Und so konnte Jesus selbst schon sagen, dass sich an ihm „die Geister scheiden“ werden. Ja, er ist sogar derjenige, der nicht billigen Frieden bringt, sondern brennende Entscheidung, die mit dem Schwert einhergeht. Klarer kann er nicht formulieren: „Wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert“ (Mt 10, 38).

    Ist es nicht zutiefst beschämend, wenn man angesichts der Christenverfolgung weltweit und der festen Treue, die unsere Mitchristen zum Herrn haben, sich „innerkirchlich-deutsch“ auf Mangelverwaltung reduziert und fragt, wie die wirklich satte Kirche in Deutschland überleben kann bis 2030 und weiter? Die Worte Jesu sind klar, sie fordern radikale Nachfolge. Orientierung bietet uns die „Kirche der Martyrer“ und unsere Treue zur Tradition. Christen des Nahen Ostens begrüßen sich in dieser Zeit mit dem Ruf: „Christus ist auferstanden – er ist wahrhaft auferstanden!“ Nur das ist zielführend!

    Die Kolumne erscheint zur EWTN-Reihe „Geht in alle Welt! Christen im Nahen Osten und der missionarische Geist der Kirche“

    von Joachim Schroedel

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