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    Trier

    Vorwürfe gegen Pater Kentenich: Bistum Trier plant Historikerkommission

    Der Trierer Bischof Ackermann will eine Historikerkommission neu zugängliche Dokumente für das Seligsprechungsverfahren des unter Missbrauchsverdacht stehenden Gründers der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich, prüfen lassen. Die Schönstatt-Bewegung begrüßt den Schritt.

    Pater Josef Kentenich, Gründer der Schönstatt-Bewegung
    Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte die Schönstatt-Bewegung, die Einsetzung einer Historikerkommission im Seligsprechung... Foto: Archiv

    Im Seligsprechungsverfahren für den mit Missbrauchsvorwürfen belasteten Gründer der internationalen Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich, will das Bistum Trier eine Historikerkommission einsetzen. Dies kündigte der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Dienstag an. Als Grund nannte das Bistum, dass nach der weiteren Öffnung der vatikanischen Archive Dokumente einsehbar seien, die bislang für die diözesane Untersuchung im Seligsprechungsverfahren Kentenichs nicht zugänglich waren. 

    Schönstatt erhofft sich weitere "Transparenz und Klarheit"

    Gegenüber dieser Zeitung erklärte die Schönstatt-Bewegung, diesen Schritt „ausdrücklich“ zu begrüßen. Man erhoffe sich, „dass auf diesem Weg bezüglich Person, Leben und Werk ihres Gründers so bald wie möglich weitere Transparenz und Klarheit geschaffen werden kann“, so Heinrich Brehm vom Pressebüro der Bewegung.

    Das Bistum Trier wies indes darauf hin, dass die geltenden Normen eine solche Historikerkommission für jedes Seligsprechungsverfahren vorsähen. Die neue Kommission werde auf den Ergebnissen einer vorangegangenen aufbauen, die 2007 ihre Arbeit abgeschlossen hatte. Die Mitglieder der neuen Kommission stünden noch nicht fest. Deren Aufgabe werde es sein, „alle nun zugänglichen Dokumente der vatikanischen Archive zu sammeln, die in irgendeiner Weise dieses Seligsprechungsverfahren betreffen, und ihre Bedeutung zu bewerten“. Dabei können die Schriftstücke von Pater Kentenich selbst stammen oder aber sich auf ihn und sein Wirken beziehen.

    Am Ende soll die neue Kommission unter Einbeziehung des Ergebnisses der vorausgegangenen Kommission einen Bericht erstellen, in dem eine Aussage über die Persönlichkeit und Spiritualität Pater Kentenichs getroffen werde, so das Bistum Trier, in dem das Seligsprechunsverfahren im Jahr 1975 eröffnet worden war.

    Vorwurf des systematischen Machtmissbrauchs und sexuellen Missbrauchs

    In einem exklusiven Beitrag für die "Tagespost" hatte die in Rom wirkende Kirchenhistorikerin und Theologin Alexandra von Teuffenbach auf der Grundlage bislang unausgewerteter Dokumente dargelegt, dass der Gründer der Gemeinschaft der Marienschwestern von Schwestern des systematischen Machtmissbrauchs und sexuellen Missbrauchs in einem Fall bezichtigt wurde. Die Schönstatt-Bewegung wies die Vorwürfe mit der Begründung zurück, die Beschuldigungen seien schon lange bekannt und bereits entkräftet worden.

    Dieser Darstellung widerspricht von Teuffenbach jedoch: „Hätte es eine entsprechende Publikation gegeben, wären die Veröffentlichungen meinerseits nicht nötig gewesen.“ Da dies aber nach ihrem Kenntnisstand nicht geschehen sei, habe sie sich „gedrängt“ gesehen, „die Biografie des Gründers, dessen Kult das Schönstattwerk betreibt, um einige Elemente zu ergänzen“.

    DT/mlu

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