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    Leitartikel

    Vakanz im DBK-Sekretariat: Ein Stresstest für die Machtmaschine

    Die deutsche Bischofskonferenz muss die Spitze ihres Sekretariats neu besetzen. Gesucht wird eine Alternative zum alten System. Ein Kommentar.

    Pater Hans Langendörfer
    In der Amtszeit Langendörfers wirkte das Sekretariat weniger als Dienstleister denn als Machtmaschine. Foto: KNA

    Die deutschen Hirten stehen vor einer der wichtigsten Personalfragen des Jahres: Nach einem Vierteljahrhundert ist der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer SJ, in den Ruhestand gegangen. Nachdem der Generationenwechsel in den Reihen der Bischöfe mit der Besetzung des Augsburger Bischofsstuhls weitgehend abgeschlossen ist, bietet die Nachbesetzung des Postens in Bonner Kaiserstraße eine Chance. In der Amtszeit Langendörfers wirkte das Sekretariat weniger als Dienstleister denn als Machtmaschine.

    Machtfülle hat sich nicht bewährt

    Die Übergangsregelung bis zur Entscheidung über die Nachfolge bei der Frühjahrsvollversammlung trägt dem Wunsch innerhalb der Konferenz Rechnung, die von Langendörfer in Personalunion bekleideten Ämter des Sekretärs der Bischöfe und des Geschäftsführers des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) wieder zu trennen. Die Machtfülle des alten Systems hat sich nicht bewährt. Warnungen vor fragwürdigen Aktionen wie dem fruchtlos gebliebenen Dialogprozess in der Ära des Vorsitzenden Robert Zollitsch, der gescheiterten Missbrauchsstudie des Kriminologen Pfeiffer und dem Synodalen Weg wurden übergangen, ohne dass ihr absehbares Scheitern für den Sekretär Folgen hatte. Ein Bischof würde in seinem Bistum schon aufgrund geringerer Fehler mit öffentlicher Schelte und Rücktrittsforderungen überzogen. Warum sollte Verantwortung künftig nicht auch im Sekretariat Konsequenzen haben?

    Ein einfaches „Weiter so“ im Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz ist nicht denkbar, weil die dafür unentbehrlichen Gelder wegbrechen. Zudem stehen die Bischöfe heute vor wesentlich schwierigeren Aufgaben als es in den von Missbrauchsskandal und rekordverdächtigen Kirchenaustrittszahlen unbelasteten neunziger Jahren, in denen Langendörfer sein Amt antrat, vorstellbar gewesen wäre. Die nüchterne Erkenntnis manches Hirten, aufgrund der schrumpfenden Gläubigen- und Priesterzahlen mehr Hiobsbotschaften verkünden zu müssen als der Vorgänger, beschleunigt den Wunsch nach Abgrenzung von alten Systemen.

    Bätzing hat maximale Erwartungen geweckt

    Ob der Posten von einem Kleriker oder einem Laien besetzt wird, wird ein Stresstest für die Machtmaschine. Der Vorsitzende Bischof Georg Bätzing hat mit seinen Wortmeldungen zur Rolle der Frau in der Kirche maximale Erwartungen bei den Verbänden und Gremien geweckt. Dass eine Frau als Sekretärin einer Bischofskonferenz amten kann, lässt sich zwar am Beispiel Skandinavien nachweisen. Doch stünde sie nach Bätzings umstrittenen Äußerungen zur Zulassung von Frauen zum Weiheamt unweigerlich unter dem Verdacht, nun das Lied ihres Dienstherrn singen zu müssen und eine brave Quotenfrau zu sein. Eine Doppelspitze im Sekretariat der Bischöfe wäre aus Sicht mancher Beobachter einen Versuch wert. Doch eine Sekretärin, die in der Amtsfrage wie der Vorsitzende tickt oder sich aus Ehrgeiz unterwirft, triebe einen Keil in die Kirche.

    Die Bischofskonferenz braucht ein klareres Profil in der Öffentlichkeit, wenn sie den katholischen Glauben als positive Kraft im Bewusstsein der Menschen verankern will: Die Kirchenaustrittszahlen dürften infolge der Coronakrise weiter steigen, wenn die Arbeitslosigkeit den Mittelstand beutelt und die Regierung dem Steuerzahler die pandemiebedingten Mehrausgaben präsentiert. Der aus Deutschland geschürte Dauerstreit ums Weiheamt wirkt peinlich und ist die Zeit der Frauen nicht wert.

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