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    Widerstand

    Sophie Scholl musste einen Umweg gehen

    Am 9. Mai jährt sich der Geburtstag der Widerstandskämpferin Sophie Scholl zum 100. Mal. Ihr Leben ist die Geschichte eines Sinneswandels und einer frühen Reifung.

    Am 9. Mai jährt sich der Geburtstag der Widerstandskämpferin Sophie Scholl zum 100. Mal. Im Bild: Die Wachsfigur von Sop... Foto: Tobias Hase (dpa)

    Der Widerstand gegen das Hitlerregime war Sophie Scholl nicht in die Wiege gelegt worden: Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, waren die Geschwister Scholl begeistert, es drängte sie zur Hitlerjugend. Den unbedingten Drang, eigenwillig und provozierend aufzutreten, zeigte Sophie Scholl bei ihrer Konfirmation am Palmsonntag 1937. Als einziges Mädchen ihres Jahrgangs schritt sie in der Kluft des Bundes Deutscher Mädel (BDM), des weiblichen Zweiges der HJ, nach vorne zum Altar der Ulmer Pauluskirche. Seinerzeit galt sie als rigoros und fanatisch. Damals scheute sie sich auch nicht, die Polizei einzusetzen, um ihre Mädchen zum Dienst in der HJ abholen zu lassen.

    Sinneswandel

    Zu ihrem Sinneswandel trugen verschiedene Faktoren bei: Zum einen die Verhaftungsaktionen der Nazis gegen Jugendliche, zum anderen ihr Kunstsinn und ihre Begegnung mit den Werken „entarteter“ Künstler. Eine ideengeschichtliche Gegenwelt zum Nationalsozialismus erschlossen ihr die Werke des Kirchenvaters Augustinus und des heiligen John Henry Newman. Sie war ergriffen vom Bekenntnis Augustins: "Du hast uns geschaffen hin zu Dir, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir." Wochen später gestand sie einer Freundin:  Ich könnte nicht leben ohne die  Bekenntnisse  des Augustinus." 

    Augustinus

    Denn dieser Kirchenlehrer war zur Einsicht gelangt, wie sehr er nur um sein eigenes Ich kreiste. Er erkannte, dass das, wonach der Mensch sich wirklich sehnt, größer sein muss als das eigene Selbst. Sophies Rückzugsort wird das Tagebuch: "Ich war Samstag nachmittags in der Kirche. Ich kniete hin und versuchte zu beten." Unter dem Einfluss der Augustinus-Lektüre schrieb die Protestantin in ihr Tagebuch: „Mein Gott, öffne doch mein taubes Herz, gib mir die Unruhe, damit ich hinfinden kann zu einer Ruhe, die lebendig ist in Dir.“ DT/reg

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