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    Würzburg

    Sebastians Weg zum katholischen Glauben

    Wie ein junger Mann über Studienfreunde und die Pfadfinder seinen Weg von der evangelischen Kirche zum katholischen Glauben fand.

    Sebastian Haberl
    Mit dem heiligen Josef und Gleichgesinnten im Glauben unterwegs: Sebastian Haberl. Foto: privat

    Warum das denn? Ist es nicht paradox, dass man in der heutigen Gesellschaft gefragt wird, warum man an Gott glaubt? Es ist fast schon so wie die Frage, warum man keinen Alkohol trinkt. Es ist doch eine verkehrte Welt, in der man sich rechtfertigen muss, warum man dem Guten und Wahren folgt und „beweisen“ muss, dass dieser Weg richtig ist. Doch der Reihe nach: Wie wird man in der heutigen Zeit eigentlich zum Christen?

    Für mich hat diese Frage in meiner Jugend keine allzu große Rolle gespielt. Ich wuchs in einem soliden und funktionierenden Elternhaus mit zwei älteren Geschwistern in Westmittelfranken auf. Mein Vater ist Katholik, meine Mutter evangelisch, wir Kinder wurden allesamt evangelisch getauft. Religion spielte bei uns nicht wirklich eine Rolle, an Weihnachten ging man in die Kirche – das gehört sich so –, ansonsten war die Kirche eine Sache, welche man sich auf Reisen einmal anschaute. Man unterschied sehr zwischen der Institution Kirche – welche abgelehnt wurde – und dem Glauben – den man ja problemlos zu Hause „leben“ konnte.

    Trotzdem bin ich meinen Eltern sehr dankbar für solide Wertevorstellungen und einen elementaren Zugang zu Gott. Gott hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch kaum eine Rolle in meinem Leben gespielt. Lediglich der Gedanke, dass mich jemand auf meinem Lebensweg führt und nicht alles Zufall ist, war präsent. Ansonsten ging ich wohl den typischen Weg eines evangelischen Jugendlichen.

    Der typische Weg eines evangelischen Jugendlichen

    Mit dreizehn Jahren wurde ich konfirmiert – denn es gehörte sich so – und man konnte das geschenkte Geld gut für ein Fahrrad gebrauchen. Ansonsten interessierten mich vor allem meine Freunde, Reisen, Sport, Musik und Mädchen.

    Das Ganze änderte sich erst, als ich zum Studium nach Würzburg kam. Gerade am Anfang des Studiums lernt man viele Leute kennen und merkt sehr schnell, mit wem man kompatibel ist und woraus sich eine Freundschaft entwickeln könnte. So lernte ich meinen besten Freund kennen, jemand der mich vot allem durch seine Persönlichkeit und seinen gefestigten Glauben überzeugte. Da wir zu Beginn unseres Studiums beide Mathematik und Sport auf Lehramt studierten – er wechselte dann von Mathe zu Theologie – sahen wir uns so gut wie jeden Tag und kamen sehr schnell in ausführliche Diskussionen über tiefgründige Themen, allen voran der Glaube.

    Glauben durch Studienfreund kennengelernt

    Ich merkte sehr schnell, dass ich prinzipiell offen war für einen lebendigen Glauben und mich auch sehr danach sehnte. Das generelle Problem dabei ist jedoch, ob man jemanden trifft, der einem diesen Weg zeigen kann. Ich war anfangs eine wirklich harte Nuss und er investierte Jahre voller Diskussionen, um mich davon zu überzeugen, dass nur ein Weg zum Heil führen kann: ein Weg mit Gott, ein Weg hin zu Gott. Erschwerend kamen meine recht liberale Einstellungen zu wichtigen Themen wie Sexualität – es ist ja „normal“ in der heutigen Gesellschaft, dass es hier scheinbar keine Tabus mehr gibt – und meine damalige Freundin hinzu, welche den Glauben sehr ablehnte.

    Mich lies jedoch dieses Thema nicht los, da ich das Glück hatte, immer mehr sehr bemerkenswerte Menschen treffen zu dürfen, mit denen mich tiefe Freundschaften verbinden. All diese haben eines gemeinsam: Sie sind tief katholisch und leben diesen Glauben auch nach außen, indem sie als Vorbild vorneweg gehen, für ihre Sache eintreten und den katholischen Glauben von ganzem Herzen verteidigen. So ließ ich mich immer mehr auf die Sache ein, verbrachte viel Zeit mit diesen Menschen, führte viele tiefgründige Gespräche und intensivierte mein persönliches Gebet. Der entscheidende Punkt war schließlich der Schritt, aktiv in die heilige Messe zu gehen und Pfadfinder zu werden: All die Beschriebenen sind ebenfalls katholische Pfadfinder). Nach einigen Pfadfinderaktionen stand für mich fest, dass ich auf diesem Weg Jesus nachfolgen möchte. Ich vertiefte durch regelmäßige Katechesen und gelegentlichem Bibellesen mein Glaubenswissen und so führte Gott mich zum einzig konsequenten Schritt: Ich möchte katholisch werden.

    Weg mit Freunden und Wegbegleitern in der Nachfolge Christi

    Leichter gesagt als getan: Aus meiner eigenen Erfahrung ist es deutlich einfacher, aus der Kirche auszutreten als einzutreten. Ein Grund dafür war mit Sicherheit, dass ich meine Erstkommunion, Firmung und Aufnahme in die katholische Kirche nicht in einer anonymen Messe mit anderen Firmlingen machen wollte, sondern in einem persönlichen Rahmen mit all meinen Freunden und Wegbegleitern auf diesem Weg. In der Osternacht 2019 konnte ich diesen so unendlich wichtigen Schritt endlich gehen und am wichtigsten Fest der katholischen Kirche meinen Schritt zur Nachfolge Christi gehen.

    Was kann ich nun jemandem mitgeben, dem es ähnlich ergeht wie mir? Wenn man spürt, dass der eingeschlagene Weg ohne Gott nicht ans Ziel führt und man etwas ändern möchte? Wenn man seine Beziehung zu Jesus intensivieren möchte und nicht weiß wie? Das ist in der Tat eine sehr, sehr schwierige Sache für jemand „noch-nicht“ Gläubigen. Eine Sache ist dafür unabdingbar: Der Glaube ist eine Entscheidung, kein Gefühl! Und nur, wer eine klare Entscheidung trifft und sich bindet, kann wirklich frei werden! Und von elementarer Bedeutung sind die richtigen Wegbegleiter: Freunde und eine Gemeinschaft, welche einen an der Hand nehmen können und immer neue Impulse auf den neu eingeschlagenen Weg mitgeben können.

    Der Autor ist 30 Jahre alt und arbeitet als Gymnasiallehrer in St. Ottilien.

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