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    Vatikanstadt

    Möchten die deutschen Bischöfe Rom Nachhilfe erteilen?

    Nun wird über die Gespräche zwischen Rom und den deutschen Bischöfen zur Gemeinde-Instruktion und zum Synodalen Weg spekuliert.

    Eine Sondersynode als Nachhilfeunterricht für Rom?
    Die Zementierung der Rolle der Priester als Letztverantwortliche der Pfarreien und das klare Nein zu den Leitungsteams w... Foto: epa ansa Di Meo (ANSA)

    Die Bereitschaft, die der Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella, signalisiert hat, mit deutschen Bischöfe in Rom zu sprechen, um deren Zweifel und Verblüffung angesichts der Vatikan-Instruktion über die Gemeindereformen zu mildern, entspricht der Ahnung auf deutscher Seite, dass irgendwann diese unheimliche Begegnung der dritten Art kommen muss. Nach dem Brief des Papstes an das pilgernde Volk Gottes, den die Protagonisten des Synodalen Wegs schon sehr einseitig interpretieren mussten, um daraus noch eine Unterstützung des Dialogprozesses in Deutschland zu machen, kam nun die Vatikan-Instruktion aus dem Hause Stella zu den Gemeindereformen: Die Zementierung der Rolle der Priester als Letztverantwortliche der Pfarreien und das klare Nein zu den Leitungsteams waren zwar nicht das Hauptanliegen der Instruktion, standen aber im krassen Widerspruch zu den Intentionen des Synodalen Wegs. Dass es nun zu Gesprächen zwischen den Verantwortlichen in Deutschland und Rom kommen müsse, liegt in der Luft. Wird es dazu nach der Ferienzeit kommen?

    Einladung zu 'klärendem Gespräch'

    Nun hat sich auch der stellvertretende Konferenzvorsitzende, der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, dazu geäußert: Der Synodale Weg sei eigentlich die deutsche Antwort auf das Schreiben aus Rom, weil er sich nun einmal genau mit den Themen der Instruktion befasse, sprich „Kirche der Beteiligung, Priestermangel, priesterliche Lebensformen und die Mitwirkung von Frauen und Männern in der Kirche“. Er wünsche sich, dass es am Ende nicht einfach nur ein Antwortschreiben aus Rom auf die Ergebnisse des Dialogprozesses in Deutschland gebe, sagte der Bischof dem Evangelischen Pressedienst. „Meine Hoffnung ist eine Teilsynode, die sich den Fragen widmet“, präzisierte Bode und meinte damit wohl eine Spezialversammlung der Bischofssynode, die – wie es im Kirchenrecht heißt – Angelegenheiten behandelt, „die unmittelbar eine oder mehrere Regionen betreffen“. Die Partikularsynoden oder Sondersynoden hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, die Amazonas-Synode war eine solche, zum Beginn des Pontifikats von Johannes Paul II. hat es sie für die Ortskirche in den Niederlanden und die katholischen Bischöfe der Ukraine gegeben. Warum jetzt nicht auch für den deutschen Episkopat?

    Allerdings laufen auch die Sondersynoden nach dem üblichen Verfahren ab: Der Papst beruft sie ein, er wählt die Synodalen aus, legt die Themen und die Tagesordnung fest und bedient sich dabei des Generalsekretariats der Bischofssynode in Rom. Als „Hörer“ und „Experten“ teilnehmende Laien würden kein Stimmrecht besitzen. An der Vorbereitung einer solchen Synode hätten Vertreter des deutschen Episkopats ihren Anteil, aber diese wäre beileibe kein Forum, auf dem die deutschen Bischöfe Rom lehren, wie sich die Kirche inzwischen gewandelt hat – so wie Bischof Bode verstanden werden kann: Die Römer machen eine Instruktion, und unser Synodaler Weg ist die Antwort darauf.

    „Ich glaube, da verheben die sich ein bisschen in Rom“

    So klingt auch Albert Gerhards, emeritierter Professor für Liturgie-Wissenschaft an der Universität Bonn. Er befürchtet, dass die deutschen Bischöfe in Rom Nachhilfeunterricht bekommen sollen. „Ich glaube, da verheben die sich ein bisschen in Rom.“ Stattdessen sollten Gespräche im Vatikan eine Gelegenheit sein, „den römischen Herrschaften mal ein bisschen zu berichten, was eigentlich Sache ist“, meinte Gerhards gegenüber dem „domradio.de“. „Denn ich habe den Eindruck, dass die dort doch zu wenig Kenntnisse der tatsächlichen Gegebenheiten haben. Insgesamt muss man sagen – und das gilt ja für den gesamten deutschen Prozess des Synodalen Weges – fehlt in Rom das Verständnis für die Besonderheit der deutschen Situation.“

    Für Gerhards ist Deutschland ein Land, „in dem fünfhundert Jahre lang zwei große Konfessionen zunächst nebeneinander und jetzt miteinander lebten und leben. Wir haben eine ganz andere Wahrnehmung von Christentum, als das etwa in den monokonfessionellen Ländern Südeuropas der Fall ist. Und hier, glaube ich, müssten die in Rom etwas Nachhilfeunterricht bekommen. Und das wäre vielleicht eine Gelegenheit, wenn die deutschen Bischöfe jetzt da hingehen, das denen mal zu geben.“

    Doch so funktionieren die Dinge in Rom nicht

    Eine Sondersynode als Nachhilfeunterricht für Rom? Auch wenn Kardinal Stella jetzt Gesprächsbereitschaft signalisiert – und Bischof Bode sogar von „Teilsynode“ spricht: So funktionieren die Dinge in Rom nicht, dass der Vatikan eine Instruktion verfasst und ein nationaler Synodaler Weg seine Beschlüsse als Antwort präsentiert, von denen man in Rom dann zu lernen hat.

    Zudem wird Kardinal Stella im Sommer 2021 achtzig Jahre alt und gehört mit den Kurienkardinälen Marc Ouellet (Bischöfe), Giuseppe Versaldi (Bildung), Luis Ladaria (Glaube) und Robert Sarah (Liturgie) zu den Präfekten, die – da nun älter als 75 – jederzeit in den Ruhestand gehen könnten. Läuft alles nach Fahrplan, wäre es sowieso wahrscheinlich, dass die deutschen Bischöfe im kommenden Herbst nach fünfjähriger Pause ihren nächsten „Ad linina“-Besuch absolvieren. Das wäre dann Gelegenheit zu Gesprächen – gerade und vor allem mit dem Papst. Aber dass auch diese Gelegenheit zu einem „Nachilferunterricht“ für den Vatikan werden könnte, will in Rom niemand so richtig glauben.

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