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    Musik und Tanz

    Mit "Jerusalema" die Winterdepression wegtanzen

    Ein afrikanischer Musiker landet mit dem Song "Jerusalema" einen viralen Hit. Master KG antwortet damit auf die Sehnsucht nach dem himmlischen Jerusalem. Flotte Rhythmen reizen zum Tanz.

    Master KG hat seine Hoffnung vertont.
    Seine Musik lässt nur wenige kalt: Master KG hat seine Hoffnung vertont. Foto: IN

    Bis zum himmlischen Jerusalem sind es nur ein paar Tanzschritte. Wer im Internet unter dem Stichwort Jerusalema nachschaut, findet dort eine Unmenge von Videoclips, die genau dies zeigen: Menschen, die spontan dort, wo sie sind, zu singen und zu tanzen beginnen. Was die Räume der Freiheit und Freude in den Hinterhöfen, auf den Fluren der Krankenhäuser, auf Hausdächern, an Stränden oder in Kirchen so mühelos öffnet und ein Lächeln auf die Gesichter der Tanzenden zaubert, ist ein Song eines jungen afrikanischen Musikers.

    Nerv getroffen

    Das offizielle Video von Master KG, dessen bürgerlicher Name Kgaogelo Moagi heißt, schrieb den Text für den Hit, der während des ersten Lockdowns viral ging, in Zulu, der Sprache, die in Südafrika am meisten verbreitet ist. Und er traf damit einen Nerv. Bis heute ist das offizielle Video, abrufbar unter youtube mehr als dreihundert Millionen Mal geklickt worden. Denn was er in seinem Lied beinahe meditativ umkreist, ist das Bild vom himmlischen Jerusalem, jener Stadt, die das ewige, unzerstörbare Zuhause aller Menschen ist, jener ganz heile Lebensraum, in dem Gott der Vater für jeden von uns eine Wohnung bereitet hat. „Jerusalem ist meine Heimat. Schütze mich, begleite mich, lass mich nicht hier zurück“, heißt es in dem Text und Moagi fährt fort: „Mein Platz ist nicht hier, mein Königreich ist nicht hier.“

    Das Originalvideo: 

     

    Dass der junge Mann aus Afrika diese Perspektive der Ewigkeit in Worte und Töne gesetzt hat, ist ein Segen in einer Zeit, die genau diese Botschaft so dringend braucht. Da, wo Kirchenmänner von der Gesundheit als höchstem Gut sprechen, in vorauseilendem Gehorsam die Sonntagspflicht aufheben, vom sicheren Tod und der Verheißung des ewigen Lebens aber vergleichsweise wenig zu hören ist, bringt Master KG auf den Punkt, was die Menschen eigentlich in all der fundamentalen Unsicherheit, die die Pandemie mit sich gebracht hat, bewegt. Und das kommt an. Seltsam, denn die Scheu, mit der das Thema in den Kirchen vermieden wird, sollte doch eigentlich darauf hindeuten, dass es schwierig, beinahe unmöglich ist, den Leuten gerade jetzt mit einem Thema wie dem himmlischen Jerusalem zu kommen, das bei keiner Gremienabstimmung auch nur den Hauch einer Chance hätte, in die Liste der Top-Ten der Agenda aufzurücken.

    Vom Lied gefunden

    Aber genau dies ist es eben, was Musik kann. Sie bringt das Sehnen der Seele zum Klingen und baut mit Tönen eine Brücke, auf der sich das Herz zum Himmel aufschwingen kann. Ein Beispiel: Als Philip Nicolai im westfälischen Unna während der dort Ende des 16. Jahrhunderts grassierenden Pestepidemie ein Drittel seiner Gemeinde zu Grabe getragen hatte, schrieb er „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, das von eben jenem Zion, dem himmlischen Jerusalem singt, in dessen Freudensaal die Sänger ihm folgen, um dort mit ihm das Abendmahl zu halten. Die Endlichkeit des Lebens ernst-, zugleich wahrzunehmen, dass es eine Verheißung gibt, die darüber hinausgeht und von ihr zu singen, ist eben genau das, was Menschen in einer Krisensituation brauchen.

    Für Master KG ist die Entstehung des Liedes selbst zeichenhaft. Sie begann damit, dass er die Melodie fand. Finden ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Wort. Denn der deutsche Begriff „erfinden“ gibt nur unzureichend wieder, worum es beim Komponieren eines Liedes geht. Denn eigentlich ist es mehr ein sich hineinfinden in etwas, das man gefunden hat oder von dem man gefunden wurde. Er sang und spielte diese besondere, die geistlichen Sinne aufschließende Melodie immer wieder. Und in diesem meditativen Prozess fiel ihm der genau richtige Text zu. Blieb die Frage, wer ihn singen würde. Und da hatte Kgaogelo Moagi einen weiteren Einfall. Denn er dachte an Nomcebo Zikode, eine junge Backgroundsängerin und Mutter zweier Kinder, die schon seit längerem versuchte, aus dem Schattenbereich des Musikbusiness ins Rampenlicht zu treten. Sie ist genau die Richtige für Text und Melodie, eine, die das innere Sehnen gut kennt und es deshalb stellvertretend für so viele zum Klingen bringen kann.

    Ein Welterfolg

    Über das Internet verbreitete sich Jerusalema schon bald außerhalb Südafrikas. Und als einige junge Angolaner in einem Hinterhof einen Tanz dazu erfanden, entwickelte sich ein heiterer musikalisch-tänzerischer Wettstreit, denn immer mehr Menschen stimmten in das Sehnsuchtslied nach dem himmlischen Jerusalem ein und tanzten ihre Freude an der Perspektive des ewigen Lebens in die Welt hinaus – unter ihnen auch Mönche und Nonnen, die den Platz vor der Kirche in einen himmlischen Tanzsaal verwandelten.

     

     

    Eines dieser Videos zeigt die Dominikanerinnen von Kloster Abenberg und Gäste des Klosters beim Einüben des Tanzes (siehe eingebundenes Video) und schließlich beim fröhlichen sich Entfalten der Hoffnungsperformance, die wir alle in dieser Zeit so notwendig brauchen. Kgaogelo Moagi selbst will diese Hoffnung, so weit das in diesen Zeiten möglich ist, auch selbst in die Welt hinaustragen. Mit offiziellem Auftrag, denn Master KG und die Sängerin Zikode wurden vom Minister für Kunst, Sport und Kultur zu Kulturbotschaftern Südafrikas ernannt. Was das Lied bewirkt, kann man am Mitschnitt der Einstudierung und des Tanzes im Kloster Abenberg und in der Barbara-Klinik in Hamm (siehe eingebundenes Video) sehen.

    Bewegte Überraschung

    Der Tanz beginnt bei allen mit vorsichtigem Probieren der bei den meisten Europäern im Vergleich zu den bewundernswert bewegungsfreudigen Afrikanern so steifen Gliedmaßen. Aber dann bricht sich das Überraschtsein von der Perspektive der ewigen Heimat im himmlischen Jerusalem Schritt für Schritt Bahn und entfaltet sich zu jener überströmenden Freude, die ihre Wurzel im Gesang der Engel hat, in jenen himmlischen Tönen, in die einzustimmen wir alle berufen sind. Die Freude an Gott ist unsere Stärke.

     

     

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