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    Vatikanstadt

    Kommentar um "5 vor 12": Eine notwendige brüderliche Korrektur

    Leitung ist Aufgabe des Klerus. Darüber mit der Kleruskongregation zu reden ist Aufgabe der Bischöfe. Erneut gibt es Nachhilfe aus Rom.

    Kardinal Beniamino Stella
    Kardinal Beniamino Stella, Leiter der Kleruskongregation Foto: Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

    Auch diese Korrektur musste sein. Über die Leitung der Kirche sprechen Bischöfe mit der Kleruskongregation und nicht Laien. Was in unserem Land vielen als ein Affront erscheinen mag, ist im Grunde nichts als eine Korrektur der aus dem Gleis geratenen Ekklesiologie im deutschen Episkopat. Wenn die Funktionäre des ZdK jetzt brüskiert wurden, dann liegt die Schuld daran nicht in der Kleruskongregation in Rom. Sie liegt vielmehr dort, wo eine übergriffige Einladung in ein fremdes Haus ausgesprochen wurde.

    Ein Stoppschild

    Da deutsche Bischöfe den Laien vorgaukeln, selbst Glaubensinhalte könnten Verhandlungsmasse sein, war diese gemeinschaftliche Selbsteinladung erwartbar. Doch wenn es um weltkirchliche Belange geht, dann weiß die römische Kurie die richtigen Signale zu setzen. Hier war es ein klares Stoppschild. Es wird nicht das letzte sein.

    Leitungscharisma und Weihe

    Das Leitungscharisma in der Kirche ist an die sakramentale Weihe gebunden. Taufe und Firmung machen einen mündigen Christen aus, der den Glauben in der Welt lebt und bezeugt. Damit gehen allen deutschen Beschwörungen zum Trotz keine originären Leitungsaufgaben einher. Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass Laien im Notfall in der Leitung helfen können und sollen. Wenn Gemeinden räumlich zu groß sind, die Priester allein die Aufgaben nicht bewältigen können oder nicht genügend Priester vor Ort sind, dann ist selbstverständlich Hilfe erforderlich. Das entbindet die Priester allerdings nicht von der Leitung. Es stellt ihnen nur Helfer für ihren Dienst an die Seite. Die originäre Aufgabe der Leitung bleibt auch dann an die sakramentale Weihe gebunden. Es ist ein Armutszeugnis, wenn Bischöfe darin Nachhilfe aus Rom brauchen.

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