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    Köln / München

    Kommentar: Die Kirche braucht einen Moderator

    Ob in der Kölner Missbrauchscausa oder im Fall weihnachtlicher Ausgangssperren: Der Eindruck einer regelrecht unter staatlichen Druck geratenen Kirche ruft nach klaren Worten. Kann die Kirche den Härtetest bestehen?

    Weihnachten und Corona
    Ein Schild lädt zur Anmeldung zu Gottesdiensten am Heiligabend ein. Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche ist in letz... Foto: Philipp Schulze (dpa)

    Stimmen die Prioritäten in der Kirche in Deutschland? Während die bayerischen Bischöfe um eine Sondergenehmigung des Freistaats für Gottesdienstbesucher an Heiligabend kämpfen, lassen sich Teile des deutschen Katholizismus auf das mediale Treiben ein, das um die Frage der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln entstanden ist. Jetzt wird ein kluger Moderator gebraucht, der Themen gewichtet und unterscheidet, welche Frage öffentlich und welche sinnvollerweise im Forum internum zu erörtern ist.

    Klare Worte des DBK-Vorsitzenden nötig

    Wie Christen Weihnachten feiern, sollte breite Aufmerksamkeit und sichtbares Engagement erfahren. Der Eindruck einer regelrecht unter staatlichen Druck geratenen Kirche ruft geradezu nach einem klaren Wort des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz. Die Pandemie entpuppt sich als Härtetest der Beziehungen zwischen Staat und Kirche. Beispiel Sachsen: Erst nach Protesten des Ortsbischofs hoben kürzlich zwei Landkreise das im Zug verschärfter Corona-Maßnahmen verhängte Kommunionverbot wieder auf. 

    Nun liegt es am Vorsitzenden der deutschen Bischöfe, zur Versachlichung der Debatte beizutragen - er ist derzeit mehr denn je gefragt als Moderator. Vor diesem Hintergrund wirkt es misslich, dass Bischof Bätzing mit öffentlichen Äußerungen in der Causa Köln vorprescht, noch bevor sich der Vatikan mit dem Ersuchen Kardinal Woelkis um Prüfung der Vertuschungsvorwürfe gegen ihn befassen kann. Der Fall Köln ist ein Präzedenzfall, der nicht nur in Deutschland stilbildend sein, sondern auch das Rechtsbewusstsein in der Weltkirche prägen dürfte.

    Die Kirche versucht die Quadratur des Kreises

    Weltweit ist die katholische Kirche die einzige Institution, die die Quadratur des Kreises auf sich nimmt, strafrechtlich verjährte Missbrauchsfälle zu untersuchen, um den Betroffenen helfen zu können. Die bei diesem schwierigen Unterfangen auftauchenden Probleme und Überforderungen sind nicht zu unterschätzen. Der Kölner Kardinal hat das Richtige getan, als er den Papst um Hilfe ersuchte. Ob der Vorsitzende nun der Versuchung, Kirchenpolitik zu betreiben, widerstehen kann?

     

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