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    Augsburg

    Katholisches Holyween statt heidnisches Halloween feiern

    Die Heiligen im Fokus. Eine Alternative zu Halloween. Nicht als Gruselfiguren sondern als Heilige verkleiden sich die Kinder. Der Vorabend von Allerheiligen soll seinen Sinn zurück bekommen.

    Holyweeen
    Foto: Symbolbild: reg

    Man will ja kein Spielverderber sein. So denken viele Eltern und lassen ihre Kinder an Halloween durch die Straßen ziehen. Denn wer will schon in die traurigen Gesichter der lieben Kleinen blicken, die als einzige in ihrer Klasse keine Süßigkeiten gesammelt haben, nur weil die Eltern nicht wollten, dass sie beim allgemeinen Monsterschaulaufen mit dabei sind. Und sie haben ganz Recht, verbieten muss nicht sein.

    Neue Spitze

    Stattdessen kann man, wie die Verantwortlichen im Bischöflichen Jugendamt Augsburg (BJA), viel besser zur Speerspitze einer neuen Bewegung werden und den eigentlichen Sinn des Vorabends von Allerheiligen wiederentdecken.

    Denn bei diesem Fest geht es keineswegs darum, sich mal so richtig zu gruseln, sondern vielmehr darum, in einer Zeit, in der es jeden Tag ein bisschen dunkler wird, eine Lichtquelle im Auge zu behalten, die niemals erlischt. Deshalb lädt das BJA alle Kinder des Bistums ein, Lichtträger zu werden. Dafür kann man sich natürlich genauso phantasievoll verkleiden, nur dass es bei Holyween nicht darum geht, möglichst schrecklich auszusehen. Denn bei dieser Aktion verkörpert man einen Heiligen und bringt den Segen Gottes in die Wohnungen derjenigen, die die Kinder und Jugendlichen besuchen.

    Prägende Persönlichkeiten

    Im Vorfeld beschäftigen sie sich intensiv mit einer jener prägenden Persönlichkeiten des Christentums, die wir in der Schar der Heiligen verehren. Diözesanjugendpfarrer Florian Markter und sein Team haben dafür ein zwanzigseitiges Heft zusammengestellt, in dem die Haupt- und Ehrenamtlichen Anregungen dafür finden, wie man diesen Gedanken in der Kinder- und Jugendarbeit umsetzen kann. Aus der reichen Auswahl an Vorschlägen kann jede Pfarrei sich den passenden Tipp auswählen. Ob es dabei um heiligenspezifisches Kürbisschnitzen, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Namenspatron oder die Vorbereitung eines Gottesdienstes geht, der gefeiert wird, bevor die Hausbesuche beginnen – jede Aktion wurde so konzipiert, dass sie mit den aktuellen Vorgaben der bayerischen Staatsregierung und den Bestimmungen des Bistums zur Eindämmung der Corona-Pandemie vereinbar ist.

    Die entsprechenden Hinweise sind in die Anleitungen eingearbeitet, sodass niemand in Versuchung kommt, die Hygieneregeln zu vergessen.

    Einige Teile aus der Arbeitshilfe, wie das Allerheiligen Memory, kann man nicht nur in der Kinder- oder Jugendgruppe, sondern ebenso in der Familie spielen. Und auch Kürbiskunstwerke können im kleinen Kreis geschnitzt, fotografiert und die Ergebnisse auf der Instagramseite des Bistums gepostet werden. Eine der Anregungen, die das Bischöfliche Jugendamt Augsburg hierfür bereithält ist beispielsweise das Basteln eines Barbaraturmes aus Flaschenkürbissen. Eine schöne Idee, die in den Familien dann auch als christliche Fensterdekoration genutzt werden kann.

    Lebensbegleiter

    Am Wichtigsten bei dieser guten Aktion ist natürlich, dass die Heiligen als Lebensbegleiter wieder neu entdeckt und im Bewusstsein verankert werden. Wer glaubt, ist nie allein, und die Kirche ist mehr als deren sichtbare Struktur und gegenwärtige Gemeinden. Wer lernt, wie liebenswürdig und humorvoll der heilige Johannes Bosco sich um Kinder gekümmert hat, wird neugierig darauf, andere Heilige kennenzulernen. Und dann merken die Jungen und Mädchen schnell, dass es sehr viele verschiedene Wege zur Heiligkeit gibt und sie selbst auch berufen sind, Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft zu werden.

    Die Nutzung der Arbeitshilfe ist natürlich nicht auf das Bistum Augsburg beschränkt. Wer die guten Ideen, die darin enthalten sind, in der eigenen Pfarrei umsetzen möchte, kann sich die Arbeitshilfe, das Allerheiligen Memory, die Steckbriefe der Heiligen mit ihren Attributen, die Heiligenzitate, die man auf Etiketten ausdrucken kann und die Bastelanleitung für ein Windlicht unter bja-augsburg.de herunterladen. Wenn man sich die Auswahl der Zitate anschaut, wird klar, dass im Bistum Augsburg die Schwerpunkte richtig gesetzt sind. Denn hier lernen die Kinder und Jugendlichen vom heiligen Dominikus „Immer mit Gott oder von Gott sprechen“, vom heiligen Augustinus „Du kannst nur das in anderen entzünden, was selber in dir brennt“ und vom heiligen Pater Pio „Eher könnte die Welt ohne die Sonne bestehen, als ohne das heilige Messopfer“.

    Innovativer Akzent

    Mit Holyween hat das Bistum Augsburg einen wichtigen innovativen Akzent gesetzt. Zugleich beweisen die Verantwortlichen für die Jugendarbeit Geschichtsbewusstsein. Denn Halloween ist nichts anderes als ein außer Kontrolle geratenes und deshalb pervertiertes Ritual. Dessen eigentliche Wurzeln liegen in dem Bedürfnis, in einer Zeit zunehmender Dunkelheit den Fokus auf das bleibende Licht zu setzen. Das aber wird in der Begegnung mit den Heiligen bestimmt besser gelingen als im Blick auf Gruselgestalten. Aus genau diesem Grund hat die Kirche ja auch das Allerheiligenfest von seinem ursprünglichen Datum, dem Oktavtag des Pfingstfestes, auf den ersten November verlegt.

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