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    Vatikanstadt

    Kardinal Alojzije Stepinac

    Ökumenische Illusion statt Heiligsprechung. Der Konflikt um Kardinal Stepinac hält an.

    Kardinal Alojzije Stepinac
    Kardinal Alojzije Stepinac Foto: Gemeinfrei

    Eine ökumenische Illusion ist der aktuellen vatikanischen Diplomatie offenbar wichtiger als eine gerechtfertigte, pastoral fruchtbare Heiligsprechung. Vielleicht aber hält man es in Rom in Zeiten fragiler Kirchentreue auch nur für pädagogisch besonders originell, die Treue der Treusten auf die Probe zu stellen. Zuerst ließ Papst Franziskus das gut erforschte Leben des in Kroatien hochverehrten und von Papst Johannes Paul II. 1998 seliggesprochenen Zagreber Kardinals Alojzije Stepinac durch eine serbisch-kroatische Kommission neuerlich durchleuchten. Nun teilt sein Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin der kroatischen Öffentlichkeit in blumigen Worten mit, dass eine Heiligsprechung nicht in Frage kommt. Die nämlich müsse „ein Moment der Einheit der ganzen Kirche“ sein und dürfe nicht zu neuen Konflikten führen.

    Unvergessen

    Solange also in Serbien nationalistische und orthodoxe Kreise am alten kommunistischen Narrativ festhalten und den Kardinal – wider alle Beweise – als Ustaša-Kollaborateur verleumden, kommt für Rom eine Heiligsprechung nicht in Frage. Zu dem Bekennerbischof, an dessen unbedingter Papsttreue sich zuerst die Ustaša-Faschisten und dann die Jugo-Kommunisten die Zähne ausbissen, will sich Rom nun nicht mehr bekennen. Seine Heiligsprechung scheint nicht opportun, und dies, obwohl Serbiens Orthodoxie mehrfach deutlich gemacht hat, wie wenig sie von einer orthodox-katholischen Ökumene hält.

    Viel verleumdet

    Papst Pius XII. nannte den an Verleumdungen reichen kommunistischen Schauprozess gegen Stepinac 1946 den „traurigsten Prozess in der Kirchengeschichte“ und erhob den misshandelten Bekennerbischof zum Kardinal. Johannes Paul II. sprach bei der Seligsprechung von der „lichtvollen Persönlichkeit Stepinac'“, einem „Zeugen für das Evangelium und die Einheit der Kirche“. Beide Päpste wussten, was man in Rom heute nicht mehr wissen will: dass Stepinac sich gegen den „heidnischen Nationalismus“ der Ustaša wandte, deren Politik als „Heidentum“ bezeichnete, die Verfolgung von Serben, Juden und Roma verurteilte, ja sogar Rettungsaktionen organisierte. Für die siegreichen Tito-Kommunisten war all das kein Grund, mit Verleumdungen gegen den Zagreber katholischen Hirten zu zögern. Im Gegenteil: Der kommunistische Kampf gegen die katholische Kirche Kroatiens, dem hunderte Priester zum Opfer fielen, wurde begleitet von einer Lügenkampagne gegen Stepinac. Deren Narrative haben das Jugoslawien Titos überlebt: im nationalistisch-orthodoxen Serbien. Und offenbar auch in einigen – Opportunes und Opportunistisches wägenden – vatikanischen Ämtern am Tiber.

     

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