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    Würzburg

    „In der Tiefe deines Herzens steht deine Berufung geschrieben“

    Wie Pater Ulrich Berkmüller nach einer Zeit der inneren Entfernung vom Glauben den Weg zum Kreuzorden und zum Priestertum fand.

    Pater Ulrich
    Das Kreuz spielt in der Frömmigkeit des Ordens, dem Pater Ulrich angehört, eine zentrale Rolle. Foto: privat

    Aufgewachsen ist Markus – so der Taufname von Pater Ulrich – in einer christlichen Familie. „Mit vierzehn oder fünfzehn Jahren konnte ich mit dem Glauben nicht viel anfangen. Mit der Kirche auch nicht, obwohl es bei uns üblich war, am Sonntag in die Kirche zu gehen“, sagt Pater Ulrich Berkmüller. Hören wir das nicht allzu häufig von der Jugend? Den Jugendlichen ist der Gottesdienst zu langweilig und die Kirche alles in allem altmodisch. So ging es auch dem heute 35-Jährigen. Auch während des Kommunion- und Firmunterrichts habe es nie wirklich „Klick“ gemacht.

    Der Funke sei, wenn für ihn auch spät, während einer Pilgerfahrt zur norditalienischen Gebetsstätte San Martino di Schio übergesprungen. Dort habe er eine gute und ehrliche Beichte abgelegt und ganz fruchtbar die heilige Kommunion empfangen. „Ich habe tief in mir gespürt: Gott hat mich lieb“, sagt der gebürtige Kemptener. „Und er ließ mich das auch ganz intensiv spüren. Das war ein Geschenk – unverdient.“ Das muss sich angefühlt haben, als würde man ohne Ballast gen Himmel fliegen. Ohne Klotz am Bein an die Wasseroberfläche schwimmen und befreit aufatmen.

    Ohne Ballast gen Himmel fliegen

    Markus hat sich danach entschlossen, 2002 die Marienweihe abzulegen und ganz offen zu sein für Gottes Pläne. Am 15. August desselben Jahres hat er sich der Muttergottes geweiht – wieder in Schio, das für ihn ein Dreh- und Angelpunkt wurde, wenn er vor einem neuen Lebensabschnitt stand. Nachdem eine einjährige Beziehung zu Ende gegangen war, fragte sich Markus: „Und, Muttergottes? Was jetzt?“

    Seine himmlische Mutter hat Markus nicht enttäuscht, denn in der Folge kamen immer mehr Leute auf ihn zu und haben ihn gefragt, ob er nicht darüber nachdenke, Priester zu werden. Zu dieser Zeit war Markus in der Jugend2000 und in einem eigenen Gebetskreis in Kempten aktiv.

    2004 war Markus erneut in Schio mit dem Ergebnis, dass seine Reise mit Gott jetzt weitergehen würde: Er war intensiv in der Anbetung, die aber „so trocken war wie nie“. Nach einiger Zeit habe er zum Herrn gesagt und damit das ausgesprochen, was viele von uns manchmal fühlen: „Jesus, warum sagst du mir nichts? Warum sprichst du nicht mit mir? Was ist los?“ Prompt kam die Antwort: „Ich habe dir bereits alles gesagt und alles gegeben. Die Entscheidung liegt bei dir, Markus.“

    Weg in den Kreuzorden

    Es sollte eine Lebensentscheidung sein, als er sagte, dass er Priester werden wolle. „Herr, aber jetzt musst du mich führen! Wo soll ich denn hin?“ Ein Priesterseminar oder eine andere Ordensgemeinschaft? – wohin sollte die Reise gehen? „Ich habe für mich festgestellt, dass ich ein Gemeinschaftsmensch bin und von daher hatte sich bald geklärt, dass ich in einen Orden eintreten möchte.“

    Auf der Rückfahrt von Schio nach Kempten hat die Pilgergruppe in Silz am Kloster St. Petersberg gehalten. Das Kloster ist Markus von dem Augenblick nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Sollte er in den Kreuzorden eintreten? Um das herauszufinden, ging es für ihn im Frühjahr 2004 zwei Wochen nach Silz. Nach seinem Abitur im selben Jahr ist er im November in den Kreuzorden eingetreten. Der Weg zum Priestertum war frei.

    „Gottes Liebe besteht darin, dass er unsere Freiheit achtet.
    Aufgrund seiner Liebe wartet Er geduldig auf unsere Entscheidung,
    bis wir für den nächsten Schritt bereit sind...“

    Sein Bruder Stefan war zu diesem Zeitpunkt schon im Priesterseminar. Seit 2011 ist er übrigens Geistlicher in der Diözese München-Freising. Jetzt auch noch der zweite Sohn? Keine Schwiegertochter und keine Enkel? Das war für die Eltern nicht leicht, was sich auch auf der Fahrt ins Kloster gezeigt hat. Die drei haben während der Fahrt entweder gebetet oder geschwiegen und auch die eine oder andere Träne sei geflossen. Pater Ulrich sagt über diese Zeit: „Sie sind mit mir in den Orden hineingewachsen. Das ist, was Gott aus ihrem Verzicht gemacht hat: Er hat ihnen sozusagen jetzt eine größere Familie geschenkt, wenn auch in einer etwas anderen Weise.“

    2015 wurde Ulrich, wie er als Bruder im Kreuzorden heißt, nach seinem Studium in Brasilien, in Tirol zum Priester geweiht. Das Ziel eines langen und schweren Weges. Erst einige Zeit später hat Ulrich erkannt: „Gottes Liebe besteht darin, dass er unsere Freiheit achtet. Aufgrund seiner Liebe wartet Er geduldig auf unsere Entscheidung, bis wir für den nächsten Schritt bereit sind...“ Er sei nicht Priester geworden, weil er musste, sondern, weil er es wollte – für Gott. Gott lasse uns die Freiheit, das Gute zu verwirklichen.

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