• aktualisiert:

    Vatikanstadt

    IM BLICKPUNKT: Rom irritiert die USA

    Es vergeht keine Woche, in der nicht neue Hiobsbotschaften über die Verfolgung religiöser Minderheiten in China bekannt werden. Dennoch kündigte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die Verlängerung eines Geheimabkommens mit den roten Prinzen an. Das löst Entsetzen unter Menschenrechtlern und China-Experten aus.

    Papst Franziskus mit chinesischen Pilgern
    An dem Abkommen mit China hatte es immer wieder Kritik gegeben. Der Vatikan unterwerfe sich damit endgültig dem kommunis... Foto: Paul Haring (KNA)

    Es vergeht keine Woche, in der nicht neue Hiobsbotschaften über die Verfolgung religiöser Minderheiten in China bekannt werden. Dennoch kündigte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die Verlängerung eines Geheimabkommens mit den roten Prinzen an, was zum Entsetzen unter Menschenrechtlern und China-Experten führte.

    Vatikan in der Kritik

    Nun hat sich wenige Tage vor seinem Besuch im Apostolischen Palast US-Außenminister Mike Pompeo im renommierten US-Journal „First Things“ geäußert, und den Vatikan für seine China-Politik massiv angegriffen. Die moralische Reputation des Heiligen Stuhl sei in Gefahr. Einmal mehr steht die päpstliche Politik mit ihrer eigenartigen Haltung gegenüber totalitären Regimen mit Linksdrift unter Druck, wie zuvor schon in diversen Ländern Lateinamerikas. Das nicht minder renommierte britische Magazin „The Spectator“ vermutete hinter dem „sinistren Deal“ des Vatikans bereits die schlechte finanzielle Situation im Kirchenstaat, auch wenn es dafür bislang keine Belege gibt: Der Vatikan habe sich womöglich schlicht kaufen lassen. Wie dem auch sei, es ist weder einfach „nur“ US-Wahlkampf, noch kann man mit dem Vorwurf eines „Neo-Traditionalismus“ die Einwände gegen ein fragwürdiges geheimes Abkommen mit den Kulturrevolutionären Pekings als obsolet abtun. Was auch immer ausschlaggebend für das Interesse des Vatikan an einem Abkommen mit Peking war, immer offensichtlicher wird, dass die Religionspolitik Chinas weniger im Sinne der Inkulturation vom Gedanken der „Sinisierung“ motiviert ist, sondern schlicht den weltanschaulichen Allmachtsanspruch der Kommunistische Partei im Sinn hat.

    Politische Nachsicht

    Es wundert keinesfalls, dass der Vatikan mit seiner politischen Nachsicht gegenüber Peking in den Fokus Washingtons rückt. Bereits Anfang des Jahres äußerte US-Vizepräsident Mike Pence im Vatikan deutliche Kritik an der unkritischen Linie des Heiligen Stuhls.

    Die Äußerungen des Kanzlers der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften 2018 in einem Interview mit „Vatican Insider“ steht wie ein Menetekel an der Wand: Er sehe in China die katholische Soziallehre derzeit „am besten“ verwirklicht. Derselbe Bischof Marcelo Sánchez Sorondo, der wie der Papst aus Argentinien stammt, meint, in China gälten beispielhaft die „Prinzipien des Schutzes von Leben und Umwelt“. Und: „Es sind die Chinesen, die derzeit die Sozialdoktrin der Kirche am besten verwirklichen.“

    Chinesische Hacker

    Wenn nun sogar der US-Außenminister nach Rom reist, und Tage davor nicht nur die Reputation der vatikanischen Außenpolitik, sondern auch das Lehramt der jüngeren Päpste mit ihrem Einsatz für die Religionsfreiheit in Gefahr sieht, steht das Michaelsfest für den Heilige Stuhl unter eingetrübten Vorzeichen. Denn nicht nur die US-Regierung, sondern auch andere aufmerksame Regierungen schauen berechtigt mit Sorge auf das Reich der Mitte, dessen Machttentakel bis ins eigene Mobiltelefon reichen. Und das vatikanische Staatssekretariat war in den vergangenen Wochen bevorzugtes Angriffsziel chinesischer Hacker. Wenn der Vatikan das Erbe des heiligen Johannes Paul II., der maßgeblich am Fall des Kommunismus in Europa beteiligt war, nicht aufs Spiel setzen möchte, muss er auch gegenüber China eine eindeutige Position einnehmen. Die Nachsicht aus Rom irritiert nicht nur Außenpolitiker.

    Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.

    Weitere Artikel