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    Trier / Vatikanstadt

    Im Blickpunkt: Das Bistum Trier geht zurück auf „Los“

    Im Fall der umstrittenen Trier Bistumsreform können die Beschwerdeführer mit Recht für sich beanspruchen, dass ihr Gang nach Rom nicht völlig umsonst war.

    Protestkundgebung gegen geplante Reform im Bistum Trier
    Teilnehmer der Protestkundgebung der Initiative "Kirchengemeinde vor Ort" gegen die geplante Reform im Bistum Trier zeig... Foto: Harald Tittel (dpa)

    Die Nachricht aus dem Bistum Trier hat Rätselraten und Missverständnisse ausgelöst. Was bedeutet es, dass die römische Kleruskongregation die hierarchische Beschwerde der Mitglieder der Priestergemeinschaft Unio Apostolica gegen das Umsetzungsgesetz zur Trierer Diözesansynode aus formalen Gründen zurückgewiesen hat? Sind die Geistlichen, die sich gemeinsam mit Laien der Initiative „Kirche vor Ort“ im Herbst 2019 wegen der Errichtung von XXL-Pfarreien im Bistum Trier an den Vatikan gewandt hatten, bereits im ersten Anlauf gescheitert?

    Die Beschwerdeführer sind nicht vor die Wand gefahren

    Auch wenn der vom Vatikan monierte Formfehler eine Verzögerung bedeutet, sind die Beschwerdeführer jedoch bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor die Wand gefahren. Denn die Zurückweisung der Beschwerde bedeutet nicht, dass der Vatikan das umstrittene Gesetz anerkennt, auf dessen Grundlage fünfzehn neuen Pfarreien im Bistum errichtet werden sollen. Die Konformität dieses Gesetzes mit dem Kirchenrecht wird der Päpstliche Rat für die Interpretation der Gesetzestexte geprüft. – Ausgang offen. Bischof Ackermann, Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg, Offizial Georg Holkenbrink und der dem Leiter des Umsetzungsprozesses der Synode, Christian Heckmann werden, sobald Romreisen wieder möglich sind, Gespräche im Vatikan führen. Für die seit Monaten ausgebremste Trierer Pfarreireform bedeutet das erst einmal: zurück auf Los.

    Vergleichbaren Widerstand gegen eine Pfarreireform hat es in Deutschland nur in einer anderen Diözese, dem Bistum Aachen gegen die Errichtung von Pfarreiengemeinschaften gegeben. Die Schnittmengen der Konflikte in beiden Bistümern sind nicht zu übersehen: Geistliche und Laien, die sich gegen die per Dekret verordnete Zerschlagung gewachsener Strukturen wehren, Debatten über das Priesterbild im Allgemeinen und die Aufgaben des Pfarrers im Besonderen, vor allem aber eine große Verunsicherung über die spezifische Sendung von Priestern, Diakonen und Weltchristen. All das wird auch die Trierer Delegation im Vatikan wieder auf der Tagesordnung der Gespräche finden.

    Der Präfekt der Kleruskongregation hat die Agenda der Gespräche benannt: Rolle und Stellung des Pfarrers in der Pfarrei der Zukunft; der priesterliche Dienst in der Pfarrei der Zukunft sowie die Gestalt der Pfarrei der Zukunft mit ihren Organen und Gremien. Darin können die Beschwerdeführer eine implizite Anerkennung sehen: Hier geht es zweifellos ums Eingemachte der Pfarrei und nicht – wie manche unkten – um Besitzstandswahrung uneinsichtiger Diözesaner, die getreu der Maxime „Das haben wir schon immer so gemacht“ gegen notwendige Veränderungen opponieren.

    Streitpunkt Finanzen wird nicht erwähnt

    Nicht erwähnt wird übrigens ein Streitpunkt, dem aus Sicht mancher Gemeinden im Bistum Trier erhebliches Gewicht zukommt: die Finanzen. Inwieweit die Pfarreien über ihr Vermögen verfügen können wird ebenfalls zu klären sein. Doch wie seinerzeit in Aachen steht auch in Trier zunächst einmal eine theologischeStandortbestimmung an erster Stelle.

    Die Beschwerdeführer können daher mit Recht für sich beanspruchen, dass ihr Gang nach Rom nicht völlig umsonst war: Zum einen hat ihr Vorgehen die Öffentlichkeit und die zuständige Vatikanbehörde darauf aufmerksam gemacht, dass theologische Grundlagen, ohne die Konflikte in der ordentlichen Seelsorge vorprogrammiert sind, offensichtlich intensiver bedacht werden müssen. Und zum anderen  können andere Bistümer von den Erfahrungen der Trierer profitieren. Denn nach der Reform ist vor der Reform: Welches deutsche Bistum wird in den nächsten Jahrzehnten an einschlägigen Plänen vorbeikommen?

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