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    Porträt der Woche

    Gregor Henckel Donnersmarck: Berufung abgelehnt

    Gregor Henckel Donnersmarck, Altabt von Stift Heiligenkreuz lehnt die Stelle als Administrator des Augustiner-Chorherren-Stiftes Klosterneuburg ab. Der Vatikan wollte den 78-jährigen ursprünglich an die Spitze von Klosterneuburg berufen.

    P. Dr. Gregor Henckel-Donnersmarck OCist
    Gregor Henckel Donnersmarck ist zwar ein bewährter Krisenmanager, doch mit 78 Jahren im traditionsreichen "Augustiner-Ch... Foto: Franz Josef Rupprecht

    Souverän, in sich ruhend, stark und väterlich wirkt dieser Zisterzienser. Wenn er einen Raum betritt, wenden sich ihm die Blicke zu. Selbst wenn er seiner männlich tiefen Stimme einmal etwas mehr Phon und Nachdruck verleiht, verliert Gregor Henckel Donnersmarck nie die Contenance. Der Altabt von Stift Heiligenkreuz ist das Gegenteil von hysterisch, und wohl gerade deshalb jemand, den man in heiklen Momenten gerne an die Spitze beruft.

    Ungewöhnliche Berufung

    Nun wollte ihn der Vatikan zum Administrator des großen, wohlhabenden und traditionsreichen Augustiner-Chorherren-Stiftes Klosterneuburg bestellen. Dort soll eigentlich Bischof Josef Clemens für Ordnung sorgen, doch der sitzt überwiegend im Corona-bedingt noch ferneren Rom, während Altabt Gregor im nahen Heiligenkreuzerhof zu Wien residiert. Ein Zisterzienser-Altabt als faktischer Stiftsdechant der Augustiner-Chorherren, das wäre ungewöhnlich genug. Doch mit 78 Jahren nochmals eine wohl mehrjährige Aufräumarbeit in fremdem Haus anzutreten, das war dem bewährten Krisenmanager letztlich doch zu viel: Am Mittwoch sagte der Altabt die herkuleische Herausforderung ab, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigte.

    Gregor Henckel Donnersmarck, 1943 in Breslau als Ulrich Maria Graf Henckel von Donnersmarck geboren und in Bayern sowie Kärnten aufgewachsen, hat seine Lebensleistung gebracht. Als Diplomkaufmann und Absolvent der Hochschule für Welthandel managte er einst das Spanien-Geschäft eines führenden Logistikdienstleisters. Mit 34 Jahren trat er ins Zisterzienserkloster Heiligenkreuz ein, doch ein ruhiges Mönchsleben war ihm nicht gegönnt. Fünf Jahre musste er, wie er selbst formuliert, als Prior in Stift Rein „den Troubleshooter spielen“, dann rief ihn der Generalabt der Zisterzienser nach Rom. Weitere fünf Jahre leitete er die Päpstlichen Missionswerke (Missio) in Österreich, bis ihn seine Mitbrüder 1999 zum Abt von Heiligenkreuz wählten.

    Rasante Entwicklung von Heiligenkreuz unter Abt Gregor

    In den zwölf Jahren unter Abt Gregor erlebten hier Kloster und Hochschule eine rasante Entwicklung. 2007 war der Höhepunkt: Die Hochschule löste sich aus der Vormundschaft der Wiener Theologischen Fakultät und dockte bei der vatikanischen Bildungskongregation an. Kurz darauf besuchte Papst Benedikt XVI. das damals 874 Jahre alte Zisterzienserkloster im Wienerwald. Er habe zwei Begegnungen mit dem Papst „schamlos ausgenutzt“, ihn einzuladen, gestand der Abt im Gespräch mit dieser Zeitung damals lachend. 2011 gab er die Leitung seines Klosters in jüngere Hände. Spürbar erleichtert, dass mit Maximilian Heim ein Theologe von Format zum neuen Abt gewählt wurde.

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