• aktualisiert:

    Vatikanstadt

    Der "grüne" Vatikan und ein neues Kirchenjahr

    Der Papst richtet einen Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung. Papst und Vatikan begehen derzeit ein Jubeljahr der Erde, zum Jubiläum von "Laudato si", zur ökologischen Konversion und zur Heilung der kranken Welt. Allmählich verliert man die Orientierung.

    Es grünt im Vatikan
    Papst und Vatikan begehen derzeit ein Jubeljahr der Erde. Die kranke Welt soll geheilt werden. Es grünt im Vatikan auch ... Foto: (3900735)

    Am Dienstag, dem 1. September, war der Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung und keiner ging hin. Der Grund: Die Botschaft, die Papst Franziskus zu diesem Welttag veröffentlicht hat, hat der Vatikan erst am Mittag des gleichen Tags verbreitet. Und wer hat schon Zeit, wenn er abends nach Hause kommt und (vielleicht) die Worte aus Rom liest, noch schnell auf einen Gebetstag umzuschalten? Außerdem verliert man bei der ganzen Welle von Terminen, Appellen und Botschaften, die Papst und Vatikan derzeit zum Jubeljahr der Erde, zum Jubiläum von „Laudato si?“, zur ökologischen Konversion und zur Heilung der kranken Welt (siehe Artikel oben) verbreiten, allmählich die Orientierung, wann und wie man sich innerlich auf die nächste umweltbewahrende Meditation einzustellen hat.

    Früher feierten die Christen Kirchenfeste. Weihnachten, Ostern, Pfingsten und das Kirchenjahr gaben einen festen Rahmen vor. Heute lautet das so, wie Franziskus gleich zu Beginn seiner Botschaft schreibt: „Ich freue mich, dass die ökumenische Familie als Motto der Zeit für die Schöpfung 2020 ,Jubeljahr für die Erde‘ gewählt hat, befinden wir uns doch in dem Jahr, in dem der ,Earth Day‘ zum fünfzigsten Mal begangen wird.“ Abgesehen von der Frage, wer denn diese „ökumenische Familie“ ist, die den Christen neue Jubeltage in den Kalender schreiben will, ist daran zu erinnern, dass der vom Papst genannte „Earth Day“ erstmals 1970 von der UNESCO für die nördliche Halbkugel der Erde begangen wurde, bevor ihn dann UNO-Generalsekretär U Thant zu einem weltweiten Aktionstag erhob.

    Tag der "Mutter Erde" - oder der Schöpfung?

    Der bolivianische Evo Morales sorgte schließlich 2009 dafür, dass die Vereinten Nationen den 22. April zum „Internationalen Tag der Mutter Erde“ erklärten, nachdem sich Persönlichkeiten wie der ehemalige amerikanische Vizepräsident Al Gore oder der Schauspieler Leonardo Di Caprio für einen „Tag der Erde“ stark gemacht hatten.

    "Das Problem mit diesen ökologischen Feierzeiten ist,
    dass sie einen rein appellativen Charakter haben.
    Zwar produzieren vatikanische Dikasterien eine Unmenge Papier.
     Aber was soll der einfache Gläubige machen?"

    Dass der „Earth Day“ dem Papst zufolge seit der Veröffentlichung der Enzyklika „Laudato si“ auf den 1. September gerutscht ist, mag wohl daran liegen, dass der Ökumenische Patriarch Dimitros 1989 „die ganze orthodoxe und christliche Welt“ einlud, am 1. September einen „Tag der Schöpfung“ zu begehen. Soweit also die Ökumene.

    Wie es in der Botschaft von Papst Franziskus heißt, schließt sich an den „Earth Day“ eine „Zeit der Schöpfung“ an, die am kommenden 4. Oktober endet. Aber irgendwie ist auch von einem „Jubeljahr der Erde“ die Rede, das „eine heilige Zeit des Erinnerns, der Umkehr, des Ruhens, der Wiederherstellung und der Freude“ sein soll.

    Das Problem mit diesen ökologischen Feierzeiten ist, dass sie einen rein appellativen Charakter haben. Zwar produzieren vatikanische Dikasterien wie das für die integrale Entwicklung des Menschen oder der Rat für die interreligiösen Beziehungen eine Unmenge Papier. Auch beinhalten die Themen, um die es geht – die Bewahrung der Schöpfung, die Heilung der kranken Welt, die Überwindung der Corona-Krise – hehre Ziele. Aber was soll der einfache Gläubige machen? Weihnachten und Ostern geht man in die Kirche und betrachtet die Heilsgeheimnisse des Glaubens. Aber an einem „Earth Day“? Soll man Plastikmüll einsammeln und dabei den Rosenkranz beten?

    Weitere Artikel