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    Limburg

    Blickpunkt: Bischof Bätzings lautes Schweigen in Limburg

    Der Limburger Regens fordert Frauenordination und Segnung homosexueller Lebenspartnerschaften. Das Schweigen Bischof Bätzings zu dem Vorfall verunsichert Gläubige und Priesterkandidaten. Wo steht der Bischof - und an was glaubt er?

    Bischof Bätzings Schweigen irritiert.
    Bischof Bätzings (Mitte) Schweigen irritiert. Foto: dpa

    Kann ein deutscher Bischof es riskieren, öffentlich gegen die Segnung homosexueller Paare Stellung zu beziehen – um des Seelenheils der Betroffenen willen? Das Leidensrisiko ist zweifellos enorm. Ein Beispiel dafür bietet das Bistum Limburg: Als der emeritierte Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst 2008 den Wetzlarer Bezirksdekan entließ, nachdem dieser ein homosexuelles Paar gesegnet hatte, wurde dieser Fall nicht allein hinter verschlossenen Ordinariatstüren bearbeitet, sondern geriet zum medialen Lehrstück: Die „Gießener Allgemeine“ zitierte damals das Bistum: Alle Gläubigen seien nach der Lehre der katholischen Kirche verpflichtet, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben. Eine Segnung eingetragener Lebenspartnerschaften durch katholische Seelsorger sei deshalb nicht möglich. Nun wussten auch Taufscheinkatholiken, dass die Kirche in dieser Frage anders tickt als der säkulare Staat. Zugleich wurde der Limburger Bischof von diesem Zeitpunkt an Schritt für Schritt zum medialen Feindbild aufgebaut.

    "Die einen bescheinigen Bätzing Angst davor, wie sein Vorgänger öffentlich in Ungnade zu fallen  ... .
    Andere erkennen inhaltlich keinen echten Dissens zwischen Regens und Bischof
    und verstehen das Schweigen in Limburg als wortlose Zustimmung zu Mays Aussagen." 

    Das Schicksal seines Vorgängers mag Bischof Georg Bätzing vor Augen gestanden haben, als er sich entschloss, die umstrittene Predigt seines Regens am Erntedankfest trotz deren bemerkenswerter medialer Reichweite öffentlich schweigend zu übergehen. Regens May hatte sich in einer emotionalen Ansprache für die Frauenweihe und die Segnung homosexueller Paare ausgesprochen, war aber zugleich jede stichhaltige theologische Begründung schuldig geblieben. Das ist misslich für Bischof Bätzing, der noch vor wenigen Wochen beim Regionalforum des Synodalen Weg vernehmbar für „saubere Theologie“ plädiert hatte. Wer, wenn nicht der Regens, sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen und die Forderung seines Chefs ernst nehmen? Eine in Betroffenheit schwelgende Predigt statt theologischer Argumente ist eine Form, sich auf doppelte Weise vor den Amtspflichten des Regens zu drücken: zum einen können die Seminaristen nicht am praktischen Beispiel lernen, wie eine gute Predigt aussehen kann, zum anderen werden die Betroffenen um die Wahrheit des Evangeliums betrogen.

    Sprachlose "Glaubensverkündigung" Bätzings im Bistum

    Bischof Bätzings Schweigen zu dem Vorfall wird unterschiedlich interpretiert: Die einen bescheinigen ihm Angst davor, wie sein Vorgänger öffentlich in Ungnade zu fallen und sich den Zorn der in Frankfurter Kirchenkreisen überaus engagierten LGTB-Community zuzuziehen. Andere erkennen inhaltlich keinen echten Dissens zwischen Regens und Bischof und verstehen das Schweigen in Limburg als wortlose Zustimmung zu Mays Aussagen. Für die Gläubigen im Bistum und insbesondere die Priesteramtskandidaten ist beides gleich misslich. Nicht zu wissen, wo der eigene Bischof in doktrinellen Fragen steht und woran er letztlich glaubt, ist ein belastendes Fragezeichen auf dem ohnehin nicht leichten Weg zum Priestertum. Der Sprachlosigkeit über Glaubensinhalte, die den Menschen bei Bätzings Pfarrvisitationen in seinem Bistum zunehmend unangenehm auffällt, verfestigt sich. Zurück bleibt der Eindruck, dass die Spielregeln der „political correctness“ von den diözesanen Verantwortlichen im Bistum gezielt gefördert werden.

    Müssen künftige Priester, die um der Seelen willen die katholische Lehre ohne Abstriche verkündigen, im Bistum gerade auf den Widerstand der Verantwortlichen gefasst sein? Predigten sind keine Privatangelegenheit. Wenn Interessenten am Priesterberuf sich nach dem Erntedankfest zweimal überlegen, ob sie ihrer Berufung im Bistum Limburg überhaupt folgen können – wer wird es ihnen verdenken?

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