• aktualisiert:

    Würzburg

    Auch die Liturgie fördert die Neuevangelisierung

    Die Sakramentenspendung ist als Chance zur Evangelisierung hoch zu veranschlagen.

    Die Liturgie bietet die Chance zur Evangelisierung. Foto: Harald Oppitz (KNA)

    Wer heute zu einer katholischen Hochzeit geht, hat, sobald der Gottesdienst beginnt, mitunter den Eindruck, in der falschen Veranstaltung gelandet zu sein. Denn zum Einzug erklingt die Pianoversion von „The car chase“, was zu Deutsch „die Autojagd“ bedeutet, nach der Lesung aus dem kleinen Prinzen von Satint Exupéry trägt eine Sängerin zum mitgeführten CD-Player „Bridge over troubled water“ vor und nach dem Segen entschwebt das Paar zur Titelmelodie von Startreck, bekannt als „Unendliche Weiten“.

    Der Grund für die inzwischen erhebliche Ausmaße erreichende Entliturgisierung sakramentaler Feiern hängt damit zusammen, dass der Aufwand, den Wert derselben zu vermitteln, vielen nicht mehr leistbar erscheint. Aber das muss nicht sein. Denn tatsächlich bildet gerade das nicht nachlassende Bedürfnis, an den Schnittstellen des Lebens in Kontakt mit der Kirche zu kommen, eine große Chance, zu vermitteln, was der Leib Christi ist. Bevor dies gelingen kann, ist es aber notwendig, zu verstehen, warum wir hinsichtlich der Korrektheit liturgischer Feiern so weit vom Weg abgekommen sind. Der Grund liegt in einem Wechsel der Blickrichtung. Wir schauen heute, wenn Menschen in die Kirche kommen, nicht gemeinsam mit ihnen auf unseren Herrn Jesus Christus, sondern ermuntern sie, die Aufmerksamkeit auf ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen, mithin auf sich selbst zu richten. Dass bei einer solchen Einladung nur noch bei wenigen ein liturgiegeeignetes Liedprogramm herauskommt und inzwischen das Evangelium die letzte Bastion ist, die noch als unaufgebbar verteidigt wird, während der Auftritt des Hundes, der die Ringe bringt, vielerorts bereits akzeptiert wird, ist nicht erstaunlich.

    Perspektivwechsel gefordert

    Die Wandlung von der bedürfnis- sprich kundenorientierten Liturgie hin zum Dienst des Volkes Gottes muss also bei denen beginnen, die die Liturgie leiten. Sie sind als erste eingeladen, ihre Blickrichtung zu überprüfen, Gott anzuschauen und sich von ihm anschauen zu lassen, um so für ihren Dienst für Gott und die Menschen befähigt zu werden.

    Gleichzeitig ist es eine gute Idee, Priester und Kirchenmusiker durch zentral getroffene Regelungen zu entlasten. Das Bistum Passau ist hier beispielsweise mit seinem Referat für Kirchenmusik vorbildlich tätig geworden, indem man dort eine Handreichung mit geeigneten Musikwerken herausgegeben hat, die einerseits beliebte Kompositionen aufgreift, aber auch auf weitere geeignete hinweist.

    Katholischer zu feiern gelingt außerdem dann besonders gut, wenn man beispielsweise Familien von Täuflingen nicht nur bei der Vorbereitung, sondern auch bei der Feier selbst die Chance gibt, leibhaftig zu erleben, in welche Gemeinschaft ihr Kind aufgenommen wird. Eine Taufe, wie es beispielsweise in katholischen Gemeinden in Bremen üblich ist, im Rahmen des Gemeindegottesdienstes durchzuführen, ist in vielfacher Hinsicht wertvoll. Zum einen entlastet es jene Familien, die Lieder und Gebete oft nicht mehr, oder zumindest nicht sicher können. Es gibt ihnen das stärkende Gefühl einer Gemeinschaft, die sie trägt, und die Gemeinde freut sich immer sichtlich über das neue Mitglied. Eine ähnliche Funktion können Tauffeiern entwickeln, die ein- oder zweimal im Monat angeboten werden. Sie zeigen: Wer zu uns gehören will, wird eingeladen. Er oder sie bestimmt nicht alles selbst, sondern wird Teil einer Gemeinschaft, die bereits nach erprobten Regeln lebt und feiert.

    "Es ist also keine Zumutung, keine Strenge oder Härte, wenn wir als katholische Christen bei der Spendung von Sakramenten Wert darauf legen, dass die liturgischen Vollzüge richtig gefeiert werden."

    Diese entlastenden Maßnahmen zugrundegelegt, ist die Vermittlung, dass unser Glaube uns Weg, Wahrheit und Leben ist, gar nicht mehr so schwer. Denn es ist viel logischer, dass die sonntägliche Gemeinde sich um den Herrn versammeln und nicht in unendliche Weiten entschweben will, als wenn man dies einer kleinen Gruppe von Menschen vermitteln muss, die von der Vorstellung geleitet ist, alles selbst planen und gestalten zu sollen.

    Was an dieser Stelle neu ins Bewusstsein gerückt werden sollte, ist neben der Tatsache, dass Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist, uns die Mühe wert sein sollte, seine Botschaft weiterzusagen, die schlichte Wahrheit, dass feste Rituale Sicherheit geben, Freude wecken und Trost spenden. Wo immer Menschen in Gruppen zusammenkommen, bilden sich wenig später Ordnungen, eine bestimmte Art und Weise der Begrüßung, ein vertrauter Verlauf, bekannte Accessoires, deren Fehlen ein leeres Gefühl erzeugt. Es ist also keine Zumutung, keine Strenge oder Härte, wenn wir als katholische Christen bei der Spendung von Sakramenten Wert darauf legen, dass die liturgischen Vollzüge richtig gefeiert werden. Und da gehört, mit Verlaub, die schöne Melodie, bei der Hans und Frieda sich kennengelernt haben, nicht dazu. Sie kann und soll in der anschließenden weltlichen Feier ihren Platz haben. Aber in der Liturgie tragen die beiden ihr Leben vor Gott, bitten um seinen Segen für ihren weiteren, nun gemeinsamen Weg und der wird ohne eine auf dem Klavier vorgetragene Autojagd bestimmt weniger unfallfrei ablaufen.

    Unsere Kirchenlieder sind ein bewährter, oft komprimiert den Glauben vermittelnder Schatz. Sie können dabei helfen, die Vorbereitung einer Sakramentenspendung als Chance für die Neuevangelisierung zu nutzen. Denn in Gesängen wie „Fest soll mein Taufbund immer stehen“ enthält der Text bereits eine Zusammenfassung dessen, worum es bei diesem Sakrament geht. Es kann daher eine gute Idee sein, gemeinsam mit den Eltern das Gotteslob aufzuschlagen, den Text von Vater oder Mutter vorlesen zu lassen und anschließend zu erklären, dass die Taufe wirklich ein Bund fürs Leben ist, die Aufnahme in eine lebendige Gemeinschaft, die einen trägt und hält, auch wenn es mal schwierig wird. Das Lied vermittelt auch die Freiheit von der Erbsünde und in der in vielen Diözesananhängen abgedruckten dritten Strophe „O Seligkeit, getauft zu sein“, sogar Anklänge an den Amplexus, das liebende Umfangensein vom Dreifaltigen Gott.

    Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.

    Weitere Artikel