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    Rom

    Zeit für blühende Hauskirchen

    In solchen Notsituationen wie der jetzigen verflüchtigen sich alle medialen Inszenierungen und aufgesetzten Debatten. Es geht um das "Schwarzbrot" des gläubigen Lebens als Christ.

    Kreativer Umgang mit dem Coronavirus
    Don Giuseppe Corbari, Pfarrer im Städtchen Robbiano nördlich von Mailand, ließ sich Selfies und Fotos von seinen Leuten ... Foto: Luca Bruno (AP)

    Es war eine schöne Idee, die Don Giuseppe Corbari hatte, Pfarrer im Städtchen Robbiano nördlich von Mailand: Er ließ sich Selfies und Fotos von seinen Leuten schicken, druckte diese aus und stellte sie auf die Bänke und Stühle seiner Kirche. Es kamen mehr Porträtfotos als gewöhnlich Menschen zur Messe, da hatten wohl einige Bilder ihrer Freunde und Großeltern gleich mitgeschickt. So feierte Don Giuseppe den Gottesdienst mit Blick auf seine Herde, aber einer Herde eben nur auf Fotopapier.

    Quarantäne nennen es die einen, Hausarrest die anderen

    Der Alltag in Zeiten der Ausgangssperre sieht anders aus. Quarantäne nennen es die einen, Hausarrest die anderen. Man ist allein, oder mit seinem Partner und vielleicht den Kindern auf begrenztem Raum rund um die Uhr zusammen   und das wohl noch für Wochen. Hier läuft das Leben hautnah und wirklich ab, und nicht auf Papier wie bei Don Giuseppe. Schon das Zweite Vatikanum hat herausgestellt, dass der gelebte Glaube der Kirche in der Familie eine besondere Bedeutung hat, und gab dieser kleinsten Zelle der christlichen Gemeinschaft den Namen Hauskirche. Johannes Paul II. hat oft von den Hauskirchen gesprochen, in der Glaube weitergegeben, empfangen und gelebt wird. Und mit Blick auf das Weltfamilientreffen von 2009 in Mexiko schrieb Benedikt XVI.: "Als erste Lebens- und Glaubensschule und als ,Hauskirche  ist die Familie dazu berufen, die Generation der Kinder und Jugendlichen zu den menschlichen und christlichen Werten zu erziehen, damit sie durch die Ausrichtung ihres Lebens nach dem Vorbild Christi eine harmonische Persönlichkeit entfalten." In der Familie, so der Papst damals, zeige sich, ob es eine "Diskrepanz" gebe zwischen dem, "was man zu glauben behauptet, und der konkreten Lebensweise und des Verhaltens". Lehrt die Corona-Pandemie nicht auch, gerade in der Quarantäne, in der als Familie versammelten "Hauskirche" den Glauben authentisch zu leben?

    Klar, in solchen Notsituationen wie der jetzigen verflüchtigen sich alle medialen Inszenierungen und aufgesetzten Debatten, da geht es um das "Schwarzbrot" des gläubigen Lebens als Christ. Wer redet jetzt noch vom Synodalen Weg? Wen interessiert, dass Frauen in liturgischen Gewändern am Altar neben den Priestern stehen? In Zeiten des Coronavirus will keiner mehr von der Schleifung des Zölibats reden. Und wenn man die Bilder sieht, wie Papst Franziskus einsam durch die Straßen Roms zum Pestkreuz Jesu Christi in der Kirche San Marcello al Corso pilgert, erscheint einem die Amazonas-Synode mit ihrem Beiwerk wie ein Film aus einer anderen Welt.

    Einübung des christlichen Leben im Kleinen

    Wie das so ist: Wer Urlaub macht, kann machen, was er will. Und was er dann machen will, zeigt, wer er ist. Sage mir, wie du dich erholst, und ich sage dir, wer du bist. Jetzt gilt mit anderen Vorzeichen Ähnliches: Wer auf sich, auf seine Familie zurückgeworfen ist, kann zeigen, wie ernst es ihm mit der "Hauskirche" ist. Das heißt nicht, unablässig den Rosenkranz zu beten. Oder laufend Messen im Video-Stream zu konsumieren. Auch Gespräche, Trost, gemeinsame Spiele und kleine Aufmerksamkeiten können Einübungen des christlichen Lebens im Kleinen sein, für das Jesus Christus verheißen hat: "Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen."

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