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    Astana

    Weihbischof Schneider: "Papst ist ein Sünder wie wir alle"

    Weihbischof Athanasius Schneider von Astana ist enttäuscht über die Ergebnislosigkeit seines persönlichen Austauschs mit Franziskus über Fragen des interreligiösen Dialogs. Warum er den öffentlichen Appell, der Papst solle wegen der Causa Pachamama Buße tun, dennoch nicht unterzeichnen wird.

    Weihbischof Schneider zum Appell an Franziskus
    "Die Kirche ist nicht eine Diktatur, wo eine öffentliche Ermahnung des Diktators lebensgefährlich werden kann", meint We... Foto: Alessandra Tarantino (AP)

    Exzellenz, dient der öffentliche Appell  "Contra rescentia sacrilegia" dem Heil der Seelen?

    Der öffentliche Appell dient zweifellos dem Heil der Seelen. Vor den Augen der ganzen Welt wurden im Beisein des Papstes eindeutige Akte der religiösen Verehrung von Symbolen und Statuen der heidnischen indigenen südamerikanischen Religionen, der sogenannten “Pachamama”, ausgeführt. Der Papst hat die Anwesenheit der heidnischen Pachama-Statuen in der Kirche von Santa Maria Traspontina in Rom sogar gerechtfertigt und sich dafür entschuldigt, dass diese Statuen aus der Kirche entfernt und in den Tiber geworfen wurden.

    "Solch ein Verhalten der höchsten
    kirchlichen Autorität [...] verursacht
    einen großen Schaden für das Heil der Seelen"

    Solch ein Verhalten der höchsten kirchlichen Autorität, die die Symbole heidnischer Religionen und deren Verehrung nicht nur untersagt, sondern sogar noch rechtfertigt, verursacht einen großen Schaden für das Heil der Seelen, weil dadurch das erste Gebot Gottes unterhöhlt und in praktischer Hinsicht außer Kraft gesetzt wird. Der genannte öffentliche Appell ist deshalb ein Akt des Glaubensbekenntnisses und der brüderlichen Warnung vor einer großer Gefahr für das Heil der Seelen, und somit letztlich ein Akt wahrer Nächstenliebe.

    Warum unterzeichnen Sie nicht?

    Diesen Appell habe ich nicht unterzeichnet, weil er für mich zunächst eine Stimme der Gläubigen sein soll. Das Zweite Vatikanische Konzil hat ja die Laien dazu aufgefordert, freimütig ihre Stimme in wichtigen Fragen des Lebens der Kirche einzubringen. Je mehr heutzutage die Verwirrung im Leben der Kirche zunimmt, desto mehr können wir die Rolle der Laien wahrnehmen, die sich ohne Menschenfurcht für die Verteidigung der Wahrheit der Lehre Christi und der Gebote Gottes einsetzen, selbst wenn sie für diesen ihren Einsatz Spott und Verachtung seitens des kirchlichen Establishments ernten.

    "Ich hätte den Appell an manchen
    Stellen in einem mehr
    respektvolleren Ton geschrieben"

    Solche mutige Laien schwimmen gegen den Strom des im heutigen kirchlichen Leben vorherrschenden Denkens, das eigentlich mit dem Geist der ungläubigen Welt gleichgeschaltet ist. Dafür erleben diese Laien seitens einflussreicher kirchlicher Amtsträger eine Unbarmherzigkeit und eine Härte, die bedauernswerten geschichtlichen Auswüchsen des Klerikalismus nicht nachstehen. Ich habe den Appell aber auch deswegen nicht unterzeichnet, weil ich schon am vergangenen 26. Oktober in meiner Eigenschaft als Glied des Bischofskollegiums mit einem Offenen Brief gegen die im Vatikan stattgefunden Akte der Pachama-Verehrung protestiert und dazu auch ein Sühnegebet verfasst habe. Ferner hätte ich den Appell an manchen Stellen in einem mehr respektvolleren Ton geschrieben.

    Steht es den Gläubigen zu, öffentlich Buße vom Papst zu verlangen?

    Der Papst ist ja nicht Gott. Er ist ja nicht sündenlos. Der Papst ist ein Sünder wie wir alle. Die großen Heiligen waren dankbar, wenn man sie ermahnt und zur Buße aufgerufen hat. Die Kirche ist nicht eine Diktatur, wo eine öffentliche Ermahnung des Diktators lebensgefährlich werden kann. Die Kirche ist eine Familie, wenn auch hierarchisch verfasst und geordnet, aber dennoch eine Familie. Der Papst wird “Heiliger Vater” genannt, also auch “Vater”. Ein Vater kann auch von seinen Kindern in offensichtlich begründeten Fällen zur Buße ermahnt werden, und zwar zuerst für dessen eigenes und dann für das Heil der ganzen Familie.

    Große heilige Frauengestalten, wie die heilige Hildegard von Bingen, die heilige Birgitta von Schweden und die heilige Katharina von Siena haben mit erstaunlichem Freimut die Päpste jener Zeit zur Umkehr aufgerufen. Die Kommunikationsmittel waren in jener Zeit verschieden von den heutigen. Ich bin überzeugt, dass angesichts der Schwere des Falles der sich im Vatikan ereignet hat, wo man zumindest von in die Nähe eines Götzendienstes reichenden Akten sprechen muss, diese heiligen Frauengestalten ihrer Stimme auch einen öffentlichen Charakter verliehen hätten.

    Welches Forum eignet sich Ihrer Auffassung nach, um das Problem, das sich im Zug der Causa Pachama für viele Gläubige ergibt, in geeigneter Weise mit dem Heiligen Vater zu erörtern? Wer sollte das tun?

    Der Papst hat ja öffentlich die Gegenwart von Pachama-Statuen in der Kirche und während der Synode nicht nur mit seinem Verhalten, sondern auch mit seinem Worten in Schutz genommen. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass private Diskussionen von Themen, die der Papst anders sieht, nicht zielführend waren. So ist der Papst zum Beispiel einer privaten Diskussion des Themas der Zulassung der sogenannten wiederverheirateten Geschiedenen zur heiligen Kommunion, um die ihn die vier Dubia-Kardinäle (Kardinal Meisner, Kardinal Brandmüller, Kardinal Caffarra, Kardinal Burke) wiederholt gebeten hatten, ausgewichen.

    "Die Erfahrung der letzten Jahre hat
    gezeigt, dass private Diskussionen
    von Themen, die der Papst
    anders sieht, nicht zielführend war"

    Ich selbst habe mit ihm privat eine ausführliche mündliche und schriftliche Diskussion der irrtümlichen Aussage über die Verschiedenheit der Religionen im Abu Dhabi Dokument geführt, letztlich allerdings ergebnislos. Der Papst hat nämlich nach dieser meinen Diskussion mit ihm ein “Hohes Komitee” zur Durchführung des Abu Dhabi Dokuments gutgeheißen, und zwar ohne jegliche notwendige Korrektur jener Aussage, die besagte, dass Gott angeblich die Verschiedenheit der Religionen in der Weise will, wie er die Verschiedenheit der Geschlechter und der Völker will. Wenn es im Hause brennt, dann helfen keine zeitraubenden Diskussionen, dann kann und muss jeder im Haus laut vor der Gefahr warnen, eben aus Liebe für das Wohl der Gesamtheit.

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