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    Vatikanstadt

    Vatikan wollte Jesuiten 2007 unter kommissarische Leitung stellen

    Ein Vorschlag von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, gegen den sich Ordensgeneral Kolvenbach und Kardinal Bergoglio aber sträubten.

    Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone
    Der Plan, die Gesellschaft Jesu 2007 unter kommissarische Leitung zu stelen, ging laut dem italienischen Professor für Z... Foto: David Fernandez (EFE)

    Der Vatikan habe die Gesellschaft Jesu 2007, zu Beginn des Pontifikats von Benedikt XVI., unter kommissarische Leitung stellen wollen und als Delegaten des Papstes an den damaligen Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Begoglio, gedacht. Das geht aus einer neuen Veröffentlichung des italienischen Professors für Zeitgeschichte, Gianni La Bella, hervor, die den Titel „I Gesuiti. Dal Vaticano II a Papa Francesco“ (Die Jesuiten. Vom Zweiten Vatikanum bis Papst Franziskus) trägt. Der Plan ging laut La Bella auf Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone zurück, der dem damaligen Ordensgeneral, Pater Peter Hans Kolvenbach, diese Absicht unterbreitet haben soll, nachdem dieser seinen Rücktritt angekündigt hatte. Grund für die Absicht, die Jesuiten unter kommissarische Leitung zu stellen, sollen Missstände im Orden im Zusammenhang mit dem gemeinschaftlichen Leben, der religiösen Disziplin, der Einhaltung der Ordensregel und hier besonders des vierten Gelübdes, der Treue zum Papst, gewesen sein. Während der Vorbereitungen des Generalkapitels, das den Nachfolger Kolvenbach wählen sollte, habe Bertone seinen Vorschlag dem abtretenden Generaloberen schriftlich unterbreitet.

    Ein Kommissar schon von 1981 bis 1983

    Dieser habe zwar die Absicht Bertones an Kardinal Bergoglio weitergeleitet, gleichzeitig aber die Pläne mit Sorge zurückgewiesen. Auch Bergoglio sei damals gegen eine kommissarische Leitung gewesen, die seiner Ansicht nach die internen Schwierigkeiten im Orden noch vervielfacht hätten. Bereits von 1981 bis 1983 hatte Papst Johannes Paul II. eine kommissarische Leitung der Gesellschaft Jesu angeordnet und den Jesuiten Paolo Dezza als Apostolischen Delegaten eingesetzt. Grund dafür war der angeschlagene Gesundheitszustand des damaligen Jesuitengenerals Pedro Arrupe, der zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte. Außerdem gab es während dieser Zeit Spannungen zwischen dem Orden und dem Vatikan, der nicht mit der Fokussierung Arrupes auf soziale Anliegen einverstanden war.

    Benedikt ließ den Plan fallen

    Im Jahr 2007 habe der scheidende Kolvenbach schließlich eine Audienz bei Benedikt XVI. erwirkt und sich entschieden gegen das Vorhaben Bertones gewandt. Nach dieser Audienz wurden der Plan einer kommissarischen Leitung fallen gelassen und die Generalkongregation des Ordens wählte Adolfo Nicolás Pachón am 19. Januar 2008 zum Nachfolger Kolvenbachs. 2013, bei einem Besuch der Jesuitenprovinz in Spanien, erzählte Nicolás Pachón etwa sechzig Ordensbrüdern, wie ihm Papst Franziskus zu Beginn seines Pontifikats von den Absichten Bertones im Jahr 2007 erzählt habe und dass er – Bergoglio – sich damals heftig dagegen wehrte.

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